Eschbachhof brannte 2022 ab

Neuanfang nach Großbrand bei Trossingen: Wie sich eine Familie alles wieder aufgebaut hat

Bei einem Brand im Herbst 2022 hat eine Familie in Trossingen fast alles verloren. Ihr Bauernhof brannte. 120 Kühe starben. Sie haben nicht aufgegeben. Woher nimmt man die Kraft?

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Stand

Von Autor/in Peter Binder

Es war die Nacht zum 7. Oktober 2022, in der Familie Benzing aus Trossingen (Kreis Tuttlingen) fast alles verloren hat. Ihr Leben haben die Eltern und die sechs Kinder behalten, vielleicht nur, weil junge Leute das Feuer zufällig gesehen und sie aus dem Bett geklingelt haben. Für den Stall und die meisten ihrer Tiere war es aber zu spät.

Luftaufnahme der Brandruine. Man erkennt, dass es ein langgezogenes Gebäude war. Oben rechts im Bild das Wohnhaus der Familie Benzing.
Kurz nach dem Brand im Oktober 2022 (Archiv): Ein Bild der Zerstörung. Martin Benzing erzählte damals, dass er nachts kaum mehr schlafen könne. Ans Aufräumen hat sich die Familie sofort gemacht.

Die Familie stand nicht nur vor der Ruine ihres Hofes, sondern auch vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Würde es sich lohnen, alles wieder aufzubauen? Oder wäre es nun Zeit, Abschied zu nehmen von der Milchproduktion, so sehr sie Kühe auch lieben?

Landwirtschaft mit Zukunft

Für Martin Benzing stand fest: Ein Wiederaufbau bedeutet Kredite und Verpflichtungen für mindestens die nächsten 30 Jahre. Er geht auf die 50 zu. Für sich selbst würde er das nicht mehr machen. Aber sein Sohn David liebt die Landwirtschaft wie er. Schon immer, sagt er. Er ist jetzt Anfang 20 und will den Hof gerne eines Tages übernehmen.

Luftaufnahme des Eschbachhofs bei Trossingen: Im Vordergrund sieht man den neuen Stall. Es liegt etwas Schnee.
Der neue Stall, hier im Vordergrund, ist deutlich größer, als der alte war. Absichtlich haben die Benzings ihn mit ein bisschen Abstand zu den anderen Gebäuden errichtet. Falls es je wieder brennen sollte, könnte das Feuer nicht so schnell überspringen.

Der Neuanfang war aber eine große Herausforderung, auch finanziell: Die Brandschutzversicherung, erzählt Martin Benzing, hat dafür längst nicht alles bezahlt, weil es kein reiner Wiederaufbau war, sondern eine Verbesserung. Der neue Stall ist viel größer, heller, angenehmer für die Tiere als der alte. Aber wenn sie es machen, hatten die Benzings sich gesagt, dann machen sie es gleich richtig.

Ohne Eigenleistung nicht machbar

Und weil das Geld knapp war, haben sie viel Eigenarbeit reingesteckt. Vater Martin Benzing erzählt, wie sie morgens um sieben angefangen und abends um sieben aufgehört haben. Und freitags und samstags mussten auch die Kinder mithelfen. Auch andere Landwirte und Freunde haben viel geholfen, betont Benzing.

David Benzing kümmert sich darum, dass das Stroh im Kälbchen-Abteil gut verteilt ist. Vater Martin lässt seinen Blick durch das helle, geräumige Gebäude streifen.
Der neue Stall ist nicht nur größer und moderner. Er erfüllt auch höhere Tierwohl-Kriterien. Vater und Sohn Benzing macht die Arbeit offensichtlich Freude.

Der Dachstuhl ist zu einem großen Teil Eigenarbeit, die Balken kommen aus dem eigenen Wald, selbst gesägt, die Löcher selbst gebohrt. Nicht ohne eine Prise stolz räumt Martin Benzing ein, dass er gerne baut, dass er sich auch Dinge zutraut, die andere nicht können. Zwei linke Hände habe er nicht.

Gottvertrauen hat geholfen

Natürlich ärgert man sich über alles mögliche, was bei solchen Arbeiten schief geht. Martin Benzing hadert aber nicht mit seinem Schicksal. Er ist ein gläubiger Mensch, sagt er. Gott habe ihm dieses Schicksal gegeben, Gott helfe ihm aber auch, damit fertig zu werden. Er ist dankbar, auch dass bei den schwierigen Bauarbeiten nichts passiert ist, dass niemand verletzt wurde.

Der Großvater am Stock, der Enkel mit Mütze. Einträchtig gehen sie durch den neuen Kuhstall.
Großvater Fritz und Enkel David: Beide lieben sie die Landwirtschaft. Der Großvater schaut täglich im Stall vorbei. Der Enkel will den Hof mal übernehmen.

Sein Vater Fritz Benzing ist 86. Er sagt, er hätte nicht geglaubt, dass er das noch erleben würde. Nach dem Brand sei er einfach nur fassungslos gewesen. Nun bewundert er die Leistung seines Sohnes und seines Enkels. Und geht jeden Tag in den Stall, um nach den Tieren zu schauen. "Das ist einfach mein Leben", sagt er.

Durchatmen im Wald bei Trossingen

Ruhepausen brauchte Martin Benzing natürlich auch. Die macht er am liebsten in seinem Wäldchen ganz in der Nähe. Schnauft durch, lauscht, was die Natur so macht. Allerdings gibt es auch dort immer was zu arbeiten.

Es schneit in seinem Wäldchen in der Nähe des Eschbachhofs. Martin Benzing berührt zufrieden den Stamm einer seiner Birken. Im Wald hat er sich immer die Kraft geholt, um seinen Hofs nach dem schweren Brand wieder aufzubauen.
Dieser Landwirt ist einer, der Birken liebt. Im Wald tankt er Kraft. Martin Benzing wurde immer geraten, keine Birken wachsen zu lassen, da sie den Fichten das Licht nehmen. Er macht aber, was er selbst für richig hält und freut sich jetzt an den Birken in seinem Wäldchen.

Das betrachtet er aber nicht als Problem, im Gegenteil. Ein Leben soll ja einen Sinn haben. Und wenn man der nächsten Generation etwas Schönes hinterlassen kann, dann ist das schon einmal sehr sinnvoll.

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Autor/in
Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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