Es war die Nacht zum 7. Oktober 2022, in der Familie Benzing aus Trossingen (Kreis Tuttlingen) fast alles verloren hat. Ihr Leben haben die Eltern und die sechs Kinder behalten, vielleicht nur, weil junge Leute das Feuer zufällig gesehen und sie aus dem Bett geklingelt haben. Für den Stall und die meisten ihrer Tiere war es aber zu spät.
Die Familie stand nicht nur vor der Ruine ihres Hofes, sondern auch vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Würde es sich lohnen, alles wieder aufzubauen? Oder wäre es nun Zeit, Abschied zu nehmen von der Milchproduktion, so sehr sie Kühe auch lieben?
Landwirtschaft mit Zukunft
Für Martin Benzing stand fest: Ein Wiederaufbau bedeutet Kredite und Verpflichtungen für mindestens die nächsten 30 Jahre. Er geht auf die 50 zu. Für sich selbst würde er das nicht mehr machen. Aber sein Sohn David liebt die Landwirtschaft wie er. Schon immer, sagt er. Er ist jetzt Anfang 20 und will den Hof gerne eines Tages übernehmen.
Der Neuanfang war aber eine große Herausforderung, auch finanziell: Die Brandschutzversicherung, erzählt Martin Benzing, hat dafür längst nicht alles bezahlt, weil es kein reiner Wiederaufbau war, sondern eine Verbesserung. Der neue Stall ist viel größer, heller, angenehmer für die Tiere als der alte. Aber wenn sie es machen, hatten die Benzings sich gesagt, dann machen sie es gleich richtig.
Ohne Eigenleistung nicht machbar
Und weil das Geld knapp war, haben sie viel Eigenarbeit reingesteckt. Vater Martin Benzing erzählt, wie sie morgens um sieben angefangen und abends um sieben aufgehört haben. Und freitags und samstags mussten auch die Kinder mithelfen. Auch andere Landwirte und Freunde haben viel geholfen, betont Benzing.
Der Dachstuhl ist zu einem großen Teil Eigenarbeit, die Balken kommen aus dem eigenen Wald, selbst gesägt, die Löcher selbst gebohrt. Nicht ohne eine Prise stolz räumt Martin Benzing ein, dass er gerne baut, dass er sich auch Dinge zutraut, die andere nicht können. Zwei linke Hände habe er nicht.
Gottvertrauen hat geholfen
Natürlich ärgert man sich über alles mögliche, was bei solchen Arbeiten schief geht. Martin Benzing hadert aber nicht mit seinem Schicksal. Er ist ein gläubiger Mensch, sagt er. Gott habe ihm dieses Schicksal gegeben, Gott helfe ihm aber auch, damit fertig zu werden. Er ist dankbar, auch dass bei den schwierigen Bauarbeiten nichts passiert ist, dass niemand verletzt wurde.
Sein Vater Fritz Benzing ist 86. Er sagt, er hätte nicht geglaubt, dass er das noch erleben würde. Nach dem Brand sei er einfach nur fassungslos gewesen. Nun bewundert er die Leistung seines Sohnes und seines Enkels. Und geht jeden Tag in den Stall, um nach den Tieren zu schauen. "Das ist einfach mein Leben", sagt er.
Durchatmen im Wald bei Trossingen
Ruhepausen brauchte Martin Benzing natürlich auch. Die macht er am liebsten in seinem Wäldchen ganz in der Nähe. Schnauft durch, lauscht, was die Natur so macht. Allerdings gibt es auch dort immer was zu arbeiten.
Das betrachtet er aber nicht als Problem, im Gegenteil. Ein Leben soll ja einen Sinn haben. Und wenn man der nächsten Generation etwas Schönes hinterlassen kann, dann ist das schon einmal sehr sinnvoll.