Mittags scheint die pralle Sonne, die Solaranlage produziert Strom im Überfluss - aber wohin mit der überschüssigen Energie? Die Hochschule Rottenburg hat jetzt eine sogenannte Wasserstoffanlage gebaut, die offenbar genau dieses Problem löset.
So funktioniert die Wasserstoff-Anlage
Der überschüssige Strom zerlegt Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff, in dem die Solarenergie jetzt gespeichert ist, wird in Tanks gefüllt. Der Vorteil daran: der Wasserstoff kann darin ewig lagern, ohne dass Energie verloren geht.
Wenn später Strom gebraucht wird, wird der Wasserstoff mithilfe einer sogenannten Brennstoffzelle zurückverwandelt. Durch den Prozess entsteht nicht nur Strom, sondern auch Wärme, die zum Heizen genutzt werden kann.
EU-Gelder für Wasserstoff-Projekt in Rottenburg
Unter dem Namen "H2-Grid" haben die Forschenden die Anlage konzipiert. Zusammen mit fünf weiteren Projektpartnern haben sie von der Landesregierung und der Europäischen Union Geld dafür bekommen, ihren eigenen grünen Wasserstoff zu produzieren. Später sollen auch Unternehmen von der unabhängigen Energieversorgung profitieren.
Trotzdem sei die Wasserstofftechnologie nicht die einzige Lösung auf dem Weg zur Energiewende, sagt Harald Thorwarth, Professor an der Hochschule Rottenburg. Da die Erzeugung durch Wind und Sonne schwankt, brauche es unterschiedliche Speicher, um das Netz stabil zu halten.
Ich bin sehr sicher, dass es nicht die eine Technologie gibt, die irgendwann alle Probleme lösen wird. Das heißt, es geht um einen Werkzeugkoffer an unterschiedlichen Technologien.
Einsatzbereite Wasserstoff-Anlagen kaum vorhanden
Svenja Ott von der Hochschule Rottenburg hat die Anlage mitkonzipiert. Die Forschenden entwickelten das Konzept und ließen die Technik anschließend von einem Unternehmen bauen. Die Idee, Energie in Form von Wasserstoff zu speichern, gebe es zwar schon länger, sagt Ott. In der Praxis gebe es jedoch kaum einsatzbereite Anlagen - auch geeignete Anbieter zu finden, die die Anlage bauen, sei schwierig gewesen. Von der Konzeption bis zur fertigen Anlage seien deshalb rund dreieinhalb bis vier Jahre vergangen.
Unternehmen könnten von der Anlage profitieren
Vor allem für Unternehmen könnte die Wasserstoffanlage künftig eine Möglichkeit sein, wirtschaftlich unabhängiger zu sein. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen seien Energiekosten oft ein unberechenbares Risiko, berichtet Jens Schuler, Leiter des Umweltmanagements bei der August-Weckermann-KG. Das Unternehmen aus Eisenbach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) habe sich schon zu 90% unabhängig von externen Energielieferanten gemacht. Bei dem Hersteller von Dreh- und Frästeilen ist man von der neuen Technologie begeistert: "Wir ermöglichen uns somit auch einen Wettbewerbsvorteil und tun Gutes für die Umwelt und die Zukunft", so Schuler.