Unterstützung bei psychischer Erkrankung

Wenn Mama oder Papa mit sich kämpfen: Patinnen geben Kindern Halt

Wenn Eltern psychisch erkranken, ist es oft auch für ihre Kinder nicht leicht. In Tübingen unterstützen dann Patinnen und Paten die Familien und verbringen Zeit mit den Kleinen.

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Von Autor/in Enrico Ferrari

Marie Bellet ist psychisch erkrankt. Ihre drei Kinder müssen oft ohne sie auskommen. Die 33-Jährige fehlt öfter, auch weil sie teils mehrere Tage ins Krankenhaus muss. Mit ihrem Mann stößt sie auf "Patentino", ein Programm des Vereins für Sozialpsychiatrie in Tübingen. Die Grundidee: Ehrenamtliche Paten sollen die Eltern entlasten und Zeit mit den Kindern verbringen. Anfangs ist Marie Bellet unsicher. Doch die Entscheidung fällt zugunsten der Kinder aus.

Mir war es wichtig Stabilität ins Leben meiner Kinder zu bekommen. Einfach, dass da nochmal eine andere Bezugsperson außerhalb der Familie ist.

Hoher Druck bei Kinder mit kranken Eltern

Die Ehrenamtlichen treffen sich einmal die Woche mit ihren Patenkindern und machen ganz Alltägliches wie Ball- und Brettspiele. Das Kind soll ein paar unbeschwerte Stunden erleben. Sind Eltern psychisch krank, leiden meist auch die Kinder, so Anne Huber-Rapp von "Patentino". "Die Kinder spüren sehr gut, wenn es den Eltern nicht so gut geht und wollen dann oft alles tun, um die Eltern ein Stück weit zu entlasten. Sie stellen ihre Bedürfnisse dann in den Hintergrund."

Janine Faigle und Anne Huber-Rapp vom Verein für Sozialpsychiatrie sitzen mit der psychisch erkrankten Mutter Marie Bellet an ihrem Wohnzimmertisch
Janine Faigle (links) und Anne Huber-Rapp (rechts) sind für die Vermittlung der Patentino Patenschaften zuständig. Auch für die Kinder von Marie Bellet (mitte) haben die beiden Patenschaften organisiert.

Im Fall von Marie Bellet funktioniert das gut. Zwei ihrer Kinder haben Paten. Ihre älteste Tochter verbringt einmal die Woche Zeit mit Ursula Müller. Die Rentnerin und die Siebenjährige spielen gern draußen und essen Eis. Die fünfjährige Tochter genießt ihre Zeit bei Alexandra und Katharina Pertoll. Dabei steht die Erkrankung der Mutter nicht im Vordergrund. "Es spielt gar nicht so eine Rolle, warum das zustande kommt. Das ist einfach eine schöne Zeit", sagt Patin Alexandra Pertoll.

Rentnerin Ursula Müller spielt mit ihrem siebenjährigen Patenkind ein Ballspiel im Garten
Ursula Müller war früher selbst Sozialpädagogin. Jetzt verbringt die Rentnerin einmal wöchentlich Zeit mit ihrem siebenjährigen Patenkind.

Patenschaft soll langfristig helfen

Eine Patenschaft kann bei "Patentino" grundsätzlich jeder übernehmen. Egal, ob alleinstehend, als Paar oder als Familie. In Tübingen stehen aktuell 30 Kinder auf der Warteliste, in Reutlingen 15 Kinder. Grundsätzlich wird bei jedem genau geprüft, ob er oder sie sich als Pate eignet. Auch die persönliche Lebenssituation spielt eine Rolle. Gewünscht ist nämlich, dass eine Patenschaft über mindestens zwei Jahre läuft, damit eine langfristige Beziehung entstehen kann.

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Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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