Zuversichtlich älter werden, das kann man gegen eine Altersdepression tun!

Eine Altersdepression ist keine "normale Alterserscheinung". Viel mehr handelt es sich um eine schwere psychische Erkrankung, die laut Definition ab einem Lebensalter von 60 bis 65 Jahren auftreten kann. Sie unterscheidet sich grundsätzlich nicht vom üblichen klinischen Bild einer schweren depressiven Episode.

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Stand

Von Autor/in Anne Wieland

Typische Anzeichen für eine Depression in jedem Alter sind folgenden drei Hauptsymptome, wenn sie länger als zwei Wochen bestehen und nicht von außen beeinflussbar sind:

  • gedrückte Stimmung, Gefühllosigkeit, Hoffnungslosigkeit
  • tiefes Gefühl der Erschöpfung und Müdigkeit
  • kein Interesse mehr an Dingen, die früher Freude macht haben

Außerdem können folgende Anzeichen hinzukommen:

  • Antriebsstörung mit Schwierigkeiten aus dem Bett aufzustehen, sozialer Rückzug
  • Selbstvorwürfe, Schuldgefühle
  • Schlafstörungen oder vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Appetitlosigkeit oder vermehrter Appetit
  • tiefe Verzweiflung und Suizidgedanken

Bei älteren Personen liegen häufig nur wenige der Hauptsymptome vor. Vielmehr gruppieren sich unspezifische Beschwerden um die eigentliche Depression herum und bestehen häufig lange Zeit. Diese können sein:

  • unspezifische Schmerzen, verstärkte Schmerzwahrnehmung
  • Konzentrationsprobleme, Gedächtnisprobleme, verlangsamte Sprache
  • Anspannung, Unruhe -Gereiztheit und Aggression, insbesondere bei Männern
  • unspezifische Magen-Darm-Beschwerden
  • psychosomatische Beschwerden 
  • Überbewertung von Ohrgeräuschen oder Schwindel im Sinne von hypochondrischen Sorgen

Eine erste Einschätzung, um das eigene Erkrankungsrisiko zu bewerten, kann ein Online-Selbsttest bieten - beispielsweise der Selbsttest der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: www.deutsche-depressionshilfe.de

Tipps für Angehörige und Freunde

Frau tröstet Mann

Angehörige und Freunde können viel dazu beitragen, dass eine Depression im Alter früh erkannt und behandelt wird. Wichtig ist, Veränderungen in Stimmung, Antrieb oder Alltagsbewältigung ernst zu nehmen und das Thema behutsam aber klar anzusprechen - etwa mit Sätzen wie "Ich sehe, dass es dir nicht gut geht, ich mache mir Sorgen um dich", verbunden mit dem Angebot, gemeinsam einen Arzttermin zu vereinbaren.

Hilfe für Betroffene

Sollten Sie sich aktuell in einer psychischen Krise befinden, können Sie ...

  • zu Ihrem Arzt gehen oder ihn anrufen.
  • Kontakt mit einer Klinik mit psychiatrischer Abteilung aufnehmen.
  • Kontakt mit dem ärztlichen (psychiatrischen) Bereitschaftsdienst (bundesweite Telefonnummer: 116 117) aufnehmen.
  • Sich an ein Hilfs- oder Beratungsangebot für akute Krisensituationen wenden.

Folgende Stellen bieten Hilfe an:

Frau sitzt auf der Couch mit Telefon in der Hand
  • Telefonseelsorge, anonyme, kostenlose Beratung zu jeder Tages- und Nachtzeit unter den bundesweiten Telefonnummern (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222
  • Kinder- und Jugendtelefon, "Nummer gegen Kummer", kostenlose Beratung Mo. bis Sa. von 14 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 116 111 (Kinder- und Jugendtelefon) oder montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter der Telefonnummer (0800) 111 05 50 (Elterntelefon)
  • Das deutschlandweite Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe erreichen Sie montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr unter Telefon (0800) 33 44 533. Bei der Deutschen Depressionshilfe gibt es auch einen Selbsttest sowie Wissen und Adressen rund um das Thema Depression.
  • Konkrete Hilfe vor Ort in über 80 Städten und Regionen bietet das Deutsche Bündnis gegen Depression.
  • Beratung und Selbsthilfegruppen speziell für Angehörige bietet das Psychiatrienetz BApK.
  • Wo Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, Tel. (030) 3101 8960).

In jeder deutschen Stadt gibt es psychologische Beratungsstellen, Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, psychosoziale Beratungsstellen und sozialpsychiatrische Dienste. Diese Einrichtungen stehen jedoch nicht rund um die Uhr zur Verfügung und es müssen meist Beratungstermine vereinbart werden - sie sind bei akuten Krisen deshalb nur bedingt hilfreich.

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Autor/in
Anne Wieland