Was bleibt, wenn wir gehen? Ein Startup aus Pfullingen (Kreis Reutlingen) hat eine besondere Antwort auf diese Frage gefunden: Digitale Avatare von Verstorbenen - ein Vermächtnis, das weit über Fotos und Sprachnachrichten hinausgeht.
In den vergangenen Jahren hat künstliche Intelligenz begonnen, neue Formen des Erinnerns möglich zu machen. Digitale Avatare können schreiben, sprechen und sogar auf Fragen reagieren – basierend auf biografischen Daten sowie Audio- und Videoaufnahmen von Verstorbenen.
International sind solche Angebote bereits verbreitet, Kritiker warnen jedoch vor emotionaler Überforderung und ethischen Grauzonen. Das Thema ist sensibel und wirft die Frage auf, wie viel Nähe Technologie überhaupt erzeugen sollte.
Drei Gründer aus Pfullingen entwickeln Avatare von Verstorbenen
Auch in der Region Neckar-Alb wird an solchen Technologien gearbeitet. Ein Startup aus Pfullingen (Landkreis Reutlingen) hat begonnen, fotorealistische KI-Avatare zu entwickeln, die auf Interviews und professionellen Aufnahmen basieren. Ziel ist es nicht, Verstorbene zu ersetzen, sondern Erinnerungen möglichst authentisch festzuhalten.
Der Aufwand ist hoch: Tagelange Gespräche sowie Sprach- und Videoaufzeichnungen verursachen für Auftraggebende Kosten im fünfstelligen Bereich. Entsprechend haben sich bislang nur wenige Menschen dafür entschieden, einen solchen Avatar erstellen zu lassen. Die Technik ist ausschließlich für Personen gedacht, die diesen Schritt bewusst zu Lebzeiten gehen. Erst nach ihrem Tod können Angehörige entscheiden, ob sie den angefertigten Avatar in einem Abomodell nutzen möchten.
Nach Angaben des Teams aus Pfullingen erreichen sie dennoch vor allem Anfragen von Trauernden, die bereits einen geliebten Menschen verloren haben. Solche Wünsche lehnt das Startup ab: Ethische und rechtliche Bedenken sowie fehlende hochwertige Ausgangsdaten sprächen dagegen, Avatare von bereits Verstorbenen zu erstellen.
Ein schmaler Grat: Zwischen Hoffnung und Verantwortung
Fachleute weisen darauf hin, dass solche Angebote sowohl helfen als auch belasten können. Während manche Hinterbliebene Trost im Weitererzählen von Geschichten fänden, bestehe die Gefahr emotionaler Abhängigkeit. Die Entwickler aus Pfullingen haben deshalb klare Grenzen gezogen: Avatare werden nur von lebenden Personen erstellt. Sensible Fragen sind technisch ausgeschlossen und problematische Antworten werden systematisch getestet. Ob digitale Erinnerungen langfristig Teil der Trauerarbeit werden, bleibt offen.