Am Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) muss sich aktuell ein Mann wegen versuchten Mordes in sechs Fällen verantworten. Er soll in einem Hotel in Albstadt einen Brand gelegt haben. Vier Prozesstage sind vorgesehen. Der 32-Jährige aus Balingen soll Ende Februar eine Nacht im AL-Hotel in Albstadt-Lautlingen verbracht haben. Am nächsten Morgen soll er die Matratze in seinem Zimmer angezündet und das Hotel danach verlassen haben, heißt es in der Anklage. Damit habe er billigend in Kauf genommen, dass sich das Feuer im Gebäude ausbreite. Die sechs anderen Hotelgäste hätten dadurch sterben können. Deshalb wird dem Angeklagten jetzt versuchter Mord vorgeworfen.
Passanten bemerkten die starke Rauchentwicklung und alarmierten die Feuerwehr. Das Feuer im Hotel in Albstadt-Lautlingen konnte rechtzeitig gelöscht werden, verletzt wurde niemand. Das Hotelzimmer des Angeklagten ist aber noch immer unbewohnbar. Das Feuer hat die Technik und viele Möbelstücke im Raum zerstört, die Wände wurden durch den Rauch stark beschädigt. Insgesamt entstand ein Schaden von rund 50.000 Euro.
Brandstiftung als Hilferuf ?
Der 32-Jährige hatte sich bereits zwei Tage nach der Tat selbst der Polizei gestellt. Am ersten Prozesstag legte er ein umfassendes Geständnis ab. Er habe das Feuer aus Frust gelegt, weil er mit seiner Lebenssituation unzufrieden gewesen sei, sagte er vor Gericht. In den vergangenen Jahren habe er seinen Job verloren und sei in eine Alkoholabhängigkeit gerutscht. Ein riesiger Schuldenberg sowie private Probleme hätten seinen psychischen Zustand noch verschlimmert.
Am Tag vor der Tat hatte der Angeklagte nachmittags das Hotelzimmer gemietet. Dort betrank er sich und traf sich mit Prostituierten, das habe er dort in den vergangenen Monaten häufiger getan. In der Nacht habe er kein Auge zugetan, alle seine Probleme seien wieder hochgekommen. Morgens sei er dann zu einer nahe gelegenen Tankstelle gelaufen, um noch mehr Alkohol zu kaufen. Anschließend habe er Toilettenpapier mit Deodorant eingesprüht, auf das Hotelbett gelegt und angezündet.
Der Angeklagte schilderte am ersten Prozersstag, er sei selbst davon überrascht gewesen, wie schnell die Flammen sich ausbreiteten. Er habe noch versucht, das Feuer mit einem Handtuch zu ersticken, als das nicht funktionierte habe er sich von seinem Vater abholen lassen. Trotz allem habe er dabei nie gewollt, dass jemand zu Schaden komme. Durch den Brand habe er lediglich Aufmerksamkeit für sich und seine Probleme erlangen wollen. "Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen", erklärte der 32-Jährige in seiner Stellungnahme.
Videos über Wohnungsbrände
In der anschließenden Befragung durch den Richter und bei verschiedenen Zeugenaussagen ergaben sich jedoch Unstimmigkeiten in der Aussage des Angeklagten. Den Ermittlungen der Polizei zufolge habe er sich nur wenige Stunden vor der Tat im Internet Videos über Wohnungsbrände angesehen. Darin sei klar beschrieben, wie schnell sich das Feuer ausbreite und wie groß die Gefahr für den Menschen sei, besonders ohne Rauchmelder. Der 32-Jährige kann sich, laut eigener Aussage, nicht an solche Videos erinnern. Der Rauchmelder im Hotelzimmer des Angeklagten wurde nach den Löscharbeiten in einem Küchenschrank des Zimmers gefunden. Er selbst habe ihn aber nicht abmontiert, beteuerte der 32-Jährige.
Zeugen widersprechen dem Angeklagten
Zwei Polizeibeamte erklären im Zeugenstand, dass der Angeklagte in einem ersten Geständnis seinen Vater bereits vor der Brandstiftung angerufen haben will. Dieser sollte ihn aus dem Hotel abholen. Für den Richter passte das nicht zum angeblichen Motiv für die Tat. Auf die Frage, wie man ihm denn hätte helfen sollen, wenn er schon plante zu verschwinden, wusste der Angeklagte keine Antwort. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.