Wir waren bei der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht

Ende der Fasnet mit Eierlesen, Froschkutteln und Feuer

Oh weh! Sie ist zuende, die Fastnacht 2025. In Riedlingen hat Kretschmann Froschkutteln gegessen, in Hirrlingen sammelten die Narren Eier. Am Abend des Dienstags: Vergraben der Fastnacht.

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Stand

Von Autor/in Andrea Schuster

Menschen im Fasnachts-Hexenkostüm am Abend vor dem Offenburger Rathaus.
Zum traditionellen Ende der Fastnacht vor dem Offenburger Rathaus die große Strohhexe verbrannt.

Der schaurig-mystische Feuertanz und die Hexenverbrennung in Offenburg gehören zu den Höhepunkten der Straßenfastnacht in der Ortenau. Hunderte Närrinnen und Narren kamen dazu noch einmal zusammen. Wie in jedem Jahr ging es mit dem Einbruch der Dunkelheit los. Feuerwerker der Hexenzunft setzten vor dem Rathaus in Offenburg (Ortenaukreis) die Strohhexe in Brand und eröffneten damit den Tanz mit den Flammen. Auf ihren Reisigbesen setzten die Hexen zu waghalsigen Sprüngen über das Feuer an, begleitet vom altbekannten Ruf: "Schelle, Schelle, Sechser, alli alti Hexe, Narro!" Damit war die närrische Jahreszeit in Offenburg allerdings noch nicht ganz zu Ende: In den Kellergewölben der Hexekuchi wird traditionell noch bis Mitternacht gefeiert.

Narrenumzug in Tettnang bei Sonnenschein

Drei Stunden lang bei Sonnenschein feierten die Närrinnen und Narren am Dienstag noch einmal die Fastnacht in Tettnang (Bodenseekreis). 61 Narrenzünfte und Musikkapellen waren dabei. Der Fanfarenzug Montfort hatte um Punkt 14 Uhr den Umzug angeführt. Von allen Seiten riefen die Närrinnen und Narren "Montfort - Jehu!", den Narrenruf der Montfortstadt. Mit dabei waren auch die Tettnanger Hopfen-Masken: der Hopfennarr, der hat lauter Hopfendolden am Häs, dann die Rote Spinne, das ist die Böse, der Schädling, der den Hopfen bedroht, und am Ende die Hopfensau mit Schweinsmaske.

Hästräger beim Narrensprung in Tettnang
Über 60 Narrenzünfte und Musikkapellen beim Umzug in Tettnang (Bodenseekreis). Karin Wehrheim

Polizei mit Verlauf der Fasnet zufrieden

Die Polizeipräsidien Ravensburg und Konstanz haben eine positive Fastnachts-Bilanz gezogen. Gemessen an der Gesamtzahl der Teilnehmenden könne von einer überaus friedlichen und zufriedenstellenden Fasnet gesprochen werden, so Polizeipräsident Uwe Stürmer. Trotz großer Menschenansammlungen musste die Polizei in den Kreisen Ravensburg, Bodensee und Sigmaringen vergleichsweise selten einschreiten. Und wenn, dann handelte es sich meist um Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Diebstähle - oft in Folge von zu viel Alkohol. Außerdem wurden sechs sexuelle Übergriffe angezeigt.

Ähnlich viele Übergriffe verzeichnete das Polizeipräsidium Konstanz, das auch für die Kreise Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Rottweil zuständig ist. Vereinzelt seien außerdem Platzverweise ausgesprochen und Menschen in Gewahrsam genommen worden.

Der Fasnachtsumzug in Villingen - 8.000 Hästräger sind dabei
Mehr als 8.000 Hästräger nehmen am Umzug durch Villingen teil. Tausende Zuschauer sind am Fasnachtsdienstag zum Umzug durch die Stadt gekommen. Hardy Faißt

8.000 Narren in Villingen - Tausende genießen den Zug

In Villingen standen am Dienstagnachmittag tausende Zuschauer am Straßenrand und genossen den Großen Zug der Zuggesellschaft durch die historische Innenstadt.

Laut Veranstalter nahmen über 8.000 Hästräger der Narrenzünfte und Vereinigungen aus Villingen und Umgebung teil. Der Zug dauerte bis etwa 17 Uhr.

Die Weißnarren in Zimmern unter der Burg

Letzte Runde bei den Umzügen: Bei strahlendem Sonnenschein sind am Dienstag nochmal viele Zünfte und Gruppen an ihrem Publikum vorbeigezogen. Pünktlich um 11:11 Uhr - so will es der Brauch - liefen auch in Zimmern unter der Burg (Zollernalbkreis) über 60 Weißnarren los. Mitten durchs Dorf, und immer wieder haben sie vor einzelnen Häusern eine kleine Pause eingelegt. Ihr Geschell wiegt stattliche 20 Kilogramm. Damit sie auch gleichmäßig jucken, gibt der Obernarr vorne mit einem Stock den Takt vor.

Spiegeleier in Hirrlingen

Eiersammeln an der Fasnet? Ja, das gibt es. In Hirrlingen (Kreis Tübingen) machen sie das schon seit über hundert Jahren: Eiersammeln am Fasnetsdienstag. Etwa 50 Musikanten zogen am Dienstagmorgen durch den Ort, klingelten an den Haustüren und baten um Eier. Bis zu 800 Stück kommen da üblicherweise zusammen. Damit man sie gut transportieren kann, werden sie mit Leiterwagen transportiert. Schon am Nachmittag landeten die Eier dann in Form von Rühr- oder Spiegelei in den Mägen derer, die dafür so schön viel Musik gemacht hatten.

Froschkuttelnessen in Riedlingen

Das muss man mögen: Froschkutteln. Ein Gericht, bei dem Innereien verkocht sind, vor allem von Rindern. Viele Riedlinger und Gäste mögen das rustikale Gericht aber sehr und kamen am Fastnachtsdienstag gerne nach Riedlingen (Kreis Biberach), auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Mit Blick auf die Ereignisse in Mannheim sagte er, die Fastnacht sei wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft:

Riedlingen

Alter Fastnachtsbrauch am Dienstag In Riedlingen waren wieder Froschkutteln auf den Tellern der Narren

Für die einen ein Graus, für die anderen eine Delikatesse - bei den Narren in Riedlingen stand wieder das Froschkuttelnessen an. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann war dabei.

Und das war am Montag los:

Bach-na-Fahrt in Schramberg

In Schramberg (Kreis Rottweil) fiel kurz nach 13 Uhr der Startschuss für die da-Bach-na-Fahrt. Dann wurden die ersten Zuber zu Wasser gelassen. In aller Ruhe konnte man sie allerdings schon vorher beim sogenannten Zuber-Umzug begutachten.

Damit die Zuber auch gut in die Schiltach gelangten, half die Feuerwehr. Die war auch zur Stelle, wenn einer der Zuber kenterte. Auf die gekenterte Besatzung – wie auch auf alle anderen Bach-na-Fahrer - wartete am Ende ein Heißgetränk zum Aufwärmen. Etwa 30.000 Zuschauer haben in diesem Jahr die Bach-na-Fahrt vom Ufer aus genossen.

In Hechingen ziehen Lumpen um die Häuser

Termine, Pflichten, Hausaufgaben? In Hechingen (Zollernalbkreis) Fehlanzeige. Denn am Lumpenmontag lebt man zwanglos in den Tag hinein, trägt die alten Klamotten und zieht mit anderen Lumpen fröhlich um die Häuser. Wer will, verkleidet sich, kommt in die Stadt und ist dabei. Eine echte Straßenfasnet, die man mit der "Original Hechinger Lumpenmusik" auch hören kann. Und der Proviant der Lumpen - ob flüssig oder fest - wird natürlich auch verteilt.

Als "Lumpen" verkleidete Narren in Hechingen. Für sie ist der Lumpenmontag der wichtigste Tag der Fasnet.
Friederike Dauser

Sonne auch beim Narrensprung in Rottweil

Pünktlich mit dem Acht-Uhr-Schlag ging´s los: Vier Reiter hoch zu Ross ritten durchs historische Schwarze Tor. Damit konnte der traditionsreiche Rottweiler Narrensprung beginnen. Auch der darauf folgende, über drei Meter hohe Fasnetsengel hat die vielen Zuschauer wieder begeistert. Sie klatschten, jubelten, lachten. Es sind die alten und beliebten Rituale: Die Peitschen "klepfen", der Federahannes springt mit seinem hohen Stab, das Geschell sorgt für die akustische Kulisse. Über zweitausend Narren waren in Rottweil dabei, und sie haben den ganzen Tag über die unzähligen Besucher bei bestem Wetter unterhalten.

Narrensprung in Rottweil
Das Schwarze Tor in der Rottweiler Innenstadt hat für die Zunft eine große Bedeutung. Man sieht es hier im Hintergrund und als Modell in der Hand des Narren. Durchs Tor kommen am Morgen zuerst die vier Reiter, die den Narrensprung eröffnen. Hardy Faisst Bild in Detailansicht öffnen
Eine Frau bekommt von einem Narr etwas zum Naschen beim Narrensprung in Rottweil
Und immer gibt es Süßigkeiten. Dieser Narr lässt die Leute sogar auswählen. Hardy Faisst Bild in Detailansicht öffnen
Narrensprung in Rottweil
Gschell und Schantle sind sehr alte Fasnetsfiguren in Rottweil. Das Geläut des Gschell ist weit zu hören. Die Glocken sind aus Stahl. Die Schantle haben meist einen Schirm bei sich. Hardy Faisst Bild in Detailansicht öffnen
Narrensprung in Rottweil
Ein super Platz beim Rottweiler Narrensprung: direkt neben dem Schwarzen Tor. Tausende Narren ziehen hier vorbei, und das wollen noch mehr Besucher erleben. Der Narrensprung Rottweil ist ein sehr beliebtes Spektakel. Hardy Faisst Bild in Detailansicht öffnen

Tolle Stimmung bei Umzügen in Ravensburg und Wangen

Mit einem Kanonenschlag hat am Montagvormittag in Ravensburg der große Umzug begonnen. "Kolba hoch – Verio!" riefen die Närrinnen und Narren bei strahlendem Sonnenschein. Viele hatten sich schon vor dem Umzug in einer der Gaststätten in Stimmung gebracht. Eingeladen hatte die Ravensburger Schwarze Veri Zunft: 63 Narren- und Musikgruppen waren mit dabei. Knapp drei Stunden zogen sie durch die Stadt. Dazu kamen tausende Zuschauerinnen und Zuschauer.

Auch Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) bot eine prächtige Kulisse für die tausenden Närrinnen und Narren aus der Region Bodensee-Oberschwaben. Entsprechend viel Publikum sah dem närrischen Treiben zu. Der Umzug durch die Straßen der historischen Altstadt mit ihren bunten Häuserfassaden gilt als ein Highlight in der Gegend.

Rosenmontag in Wangen im Allgäu: Die Narren ziehen durch die Straßen
Auch aus Lindau sind die Narren nach Wangen im Allgäu gekommen. Thomas Wagner

Frühe Katzenmusik in Gammertingen

So, jetzt aber: raus auf die Gass! In Gammertingen (Kreis Sigmaringen) war die Katzenmusik schon am frühen Morgen unterwegs. Rund hundert Narren waren es, die Hemadglonker zum Beispiel oder die Hanswurste mit ihren Saublodern. Weil die Narrenfigur Horige Katz auch Musik macht, war also jede Menge - na klar - Katzenmusik zu hören. Das Wecken am Rosenmontag ist in Gammertingen eine sehr alte Tradition. Die Leute im Ort kennen es also und stellen den Narren gerne was zum Schnabulieren vor die Tür.

Balingen, Rottenburg, Freiburg, Lörrach, Friedrichshafen

Schwäbisch-Alemannische Fasnet - wir sind mittendrin Umzug, Narrensprung und Gottesdienst: Viel los im närrischen Süden

Die Narren feiern ihr Fasnetswochenende. Es gibt Ratssuppe, Zunftmessen und eine Guggenexplosion. Und natürlich viel Straßenfasnet.

SWR4 Konfetti-Radio SWR4

Konstanz, Frohnstetten, Tiengen

Schwäbisch-Alemannische Fastnacht - wir sind dabei Wecken und Stürmen: So war der Schmotzige mit der Weiberfasnet

Erst wurden die Leute mit Lärm aus dem Bett geholt, dann stürmten die Närrinnen und Narren die Rathäuser. Die Schulen waren geschlossen, und zum Frühstück gab's auch mal Erbsensuppe.

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Andrea Schuster
Andrea Schuster arbeitet in der aktuellen Redaktion des SWR in Tübingen