Mit "Schwestern-Power" gegen Ladensterben im Dorf

Drei Schwestern eröffnen Selbstbedienungsladen in Haigerloch-Gruol

Keine Geschäfte, kein Treffpunkt mehr: Drei Schwestern wollten das nicht akzeptieren und haben in ihrem Dorf einen Selbstbedienungsladen eröffnet.

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Von Autor/in Klara Keuthen

Vielerorts auf dem Land dasselbe Problem: Die Geschäfte schließen, das Dorf stirbt aus und damit auch die Orte der Begegnung. Mit dem Ladensterben gab es auch in Haigerloch-Gruol (Zollernalbkreis) keinen Treffpunkt mehr. Das wollten drei Schwestern ändern und haben einfach selbst einen Laden eröffnet: den Selbstbedienungsladen "Alwines Lädle".

Laden ohne Personal, aber mit Schwestern-Power

Ende August haben die Drei den Laden eröffnet - benannt nach ihrer Oma. Denn die drei Schwestern Emilia, Julia und Elisa Siedler haben schon in ihrer Kindheit erste Erfahrungen in einem Laden gemacht. Oma Alwine hatte früher eine Metzgerei im Ort. Die gibt es zwar nicht mehr, doch im Nachbargebäude richteten die drei Schwestern den Mini-Supermarkt ein.

Der Selbstbedienungsladen "Alwines Lädle" in Haigerloch-Gruol (Zollernalbkreis) wird von drei Schwestern betrieben.
"Alwines Lädle" in Haigerloch-Gruol hat rund-um-die-Uhr geöffnet. Um reinzukönnen, muss man sich über einen QR-Code an der Tür registrieren.

Schon über tausend Menschen hätten sich zum Einkaufen registriert, so die Schwestern. Das geht ganz einfach per QR-Code über das Handy. Für die Älteren ohne Handy bieten die Schwestern aber auch einen Hilfe- und Anmeldeservice, ganz ohne Technologie, an. Die Schwestern kommen dann vorbei und erstellen ein physisches "Kärtle". Damit können Kunden die Tür auch ohne Handycode öffnen.

Damit "Alwines Lädle" bei Personalmangel nicht schließen muss, funktioniert er eben ohne. "Der Einzelhandel sucht ohnehin immer Personal, deshalb ist ein Laden komplett ohne Angestellte ein zukunftsfähiges Modell", sagt Elisa Siedler. Alle drei Schwestern arbeiten Vollzeit und hätten selbst keine Zeit, im Laden zu verkaufen. Ganz ohne Personal funktioniert der Laden aber nicht: Die Schwestern kommen jeden Tag vorbei und stocken die leer gekauften Artikel auf.

Der automatisierte Laden in Haigerloch-Gruol hat ein reichhaltiges Sortiment. Er steht da, wo früher die Metzgerei der Oma der Betreiberinnen war.
In dem Selbstbedienungsladen in Haigerloch-Gruol gibt es alles, was man schnell noch brauchen könnte: Wurstwaren und Saucen zum Grillen, Tiefkühlprodukte. Aber auch Süßigkeiten, Kondome und Duschgel.

Die Auswahl ist nicht so vielfältig wie die eines richtigen Supermarktes, aber dafür können die Kunden Wünsche äußern. Vor dem Laden haben die Schwestern eine Briefbox aufgehängt, da kann man sich besondere Getränke, Snacks oder auch Duschgelsorten für den kleinen Einkauf zwischendurch wünschen.

Mit Selbstbedienungsladen Leben ins Dorf bringen

Mit ihrem Laden wollten die Schwestern einen Begegnungsort schaffen, deswegen haben sie auch ein Bänkle vor dem Laden aufgestellt, erzählen Emilia und Elisa Siedler stolz. Da würden sich ab und zu auch Menschen über den Weg laufen, die sich sonst eben nicht mehr so oft treffen. "Man trifft sich sonst nur noch auf dem Friedhof", berichtete eine Kundin den Schwestern.

Mit "Alwines Lädle" haben sich die drei Schwestern auch Kindheitserinnerungen zurückgeholt. Denn früher haben sie gerne in Oma`s Metzgerei ausgeholfen, für das erste Taschengeld. Später haben sie als Jugendliche immer samstags gearbeitet und sich was dazuverdient. Und nicht zu unterschätzen: erste Erfahrungen in Sachen Zusammenarbeit, Teamwork und Geschäftstüchtigkeit sammeln können, erzählen die drei Schwester.

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Autor/in
Klara Keuthen
Klara Keuthen ist Reporterin für Social Media, Online, Hörfunk und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen .

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