Vielerorts auf dem Land dasselbe Problem: Die Geschäfte schließen, das Dorf stirbt aus und damit auch die Orte der Begegnung. Mit dem Ladensterben gab es auch in Haigerloch-Gruol (Zollernalbkreis) keinen Treffpunkt mehr. Das wollten drei Schwestern ändern und haben einfach selbst einen Laden eröffnet: den Selbstbedienungsladen "Alwines Lädle".
Laden ohne Personal, aber mit Schwestern-Power
Ende August haben die Drei den Laden eröffnet - benannt nach ihrer Oma. Denn die drei Schwestern Emilia, Julia und Elisa Siedler haben schon in ihrer Kindheit erste Erfahrungen in einem Laden gemacht. Oma Alwine hatte früher eine Metzgerei im Ort. Die gibt es zwar nicht mehr, doch im Nachbargebäude richteten die drei Schwestern den Mini-Supermarkt ein.
Schon über tausend Menschen hätten sich zum Einkaufen registriert, so die Schwestern. Das geht ganz einfach per QR-Code über das Handy. Für die Älteren ohne Handy bieten die Schwestern aber auch einen Hilfe- und Anmeldeservice, ganz ohne Technologie, an. Die Schwestern kommen dann vorbei und erstellen ein physisches "Kärtle". Damit können Kunden die Tür auch ohne Handycode öffnen.
Damit "Alwines Lädle" bei Personalmangel nicht schließen muss, funktioniert er eben ohne. "Der Einzelhandel sucht ohnehin immer Personal, deshalb ist ein Laden komplett ohne Angestellte ein zukunftsfähiges Modell", sagt Elisa Siedler. Alle drei Schwestern arbeiten Vollzeit und hätten selbst keine Zeit, im Laden zu verkaufen. Ganz ohne Personal funktioniert der Laden aber nicht: Die Schwestern kommen jeden Tag vorbei und stocken die leer gekauften Artikel auf.
Die Auswahl ist nicht so vielfältig wie die eines richtigen Supermarktes, aber dafür können die Kunden Wünsche äußern. Vor dem Laden haben die Schwestern eine Briefbox aufgehängt, da kann man sich besondere Getränke, Snacks oder auch Duschgelsorten für den kleinen Einkauf zwischendurch wünschen.
Mit Selbstbedienungsladen Leben ins Dorf bringen
Mit ihrem Laden wollten die Schwestern einen Begegnungsort schaffen, deswegen haben sie auch ein Bänkle vor dem Laden aufgestellt, erzählen Emilia und Elisa Siedler stolz. Da würden sich ab und zu auch Menschen über den Weg laufen, die sich sonst eben nicht mehr so oft treffen. "Man trifft sich sonst nur noch auf dem Friedhof", berichtete eine Kundin den Schwestern.
Mit "Alwines Lädle" haben sich die drei Schwestern auch Kindheitserinnerungen zurückgeholt. Denn früher haben sie gerne in Oma`s Metzgerei ausgeholfen, für das erste Taschengeld. Später haben sie als Jugendliche immer samstags gearbeitet und sich was dazuverdient. Und nicht zu unterschätzen: erste Erfahrungen in Sachen Zusammenarbeit, Teamwork und Geschäftstüchtigkeit sammeln können, erzählen die drei Schwester.