Bei einem Bürgerentscheid am Sonntag haben die Bürgerinnen und Bürger von Seitingen-Oberflacht (Kreis Tuttlingen) den Weg für Windkraft freigemacht.
Als "knapper als erwartet" bezeichnet Seitingen-Oberflachts Bürgermeister Jürgen Buhl (parteilos) das Votum gegenüber dem SWR. Mit 24 Stimmen Vorsprung stimmte eine knappe Mehrheit der insgesamt 1.162 abgegebenen Stimmen dafür, dass die Gemeinde Flächen auf einem Höhenrücken südöstlich von Seitingen-Oberflacht an Windkraftbetreibende verpachten darf. Damit können die Planungen für den Bau von Windrädern weitergehen.
Regionalverbände erfüllen Landesvorgabe Windkraftflächen in Sigmaringen, Tuttlingen und Rottweil festgelegt
Es tut sich was beim Thema Windkraft: Landesweit legen Regionalverbände Flächen für künftige Windräder fest. Das sind die Pläne für die Kreise Sigmaringen, Tuttlingen und Rottweil:
Der Bürgerentscheid war von einer Bürgerinitiative angestoßen worden. Diese hatte sich gegen die Verpachtung der gemeindeeigenen Flächen an Windkraftbetreibende ausgesprochen. Nach Angaben der Initiative sei das Ziel, dass so wenig Windräder wie möglich auf dem Gemeindegebiet gebaut werden.
Kritische Stimmen: Karstgebiet und Trinkwasser im Fokus
Die Initiative kritisiert, dass der geplante Grund in einem Karstgebiet liegt. Ihre Sorge: Durch den Bau von Windrädern könne Trinkwasser verunreinigt werden, Hänge könnten abrutschen.
Der Bürgermeister von Seitingen-Oberflacht, Jürgen Bühl (parteilos), hält dagegen: Die Windräder würden nicht an Rutschhänge, sondern auf den Höhenrücken gebaut. Auch ließen erste Gutachten keine Gefahr für die Qualität des Trinkwassers erkennen.
Nach dem Bürgerentscheid: Gemeinde sucht Investoren
Nach dem Votum der Bürgerinnen und Bürger will die Gemeinde nun Investoren suchen, die auf den verpachteten Flächen Windkraftanlagen bauen. Die Verwaltung hatte bereits im Vorfeld die Verpachtung der Flächen ins Auge gefasst, um die Energiewende lokal voranzutreiben. Jetzt will der Gemeinderat die Verpachtung beschließen.
Der Bürgermeister lobte die positive Wahlbeteiligung von 60 Prozent. "Das Thema ist den Menschen wichtig", so Buhl. Der knappe Ausgang des Bürgerentscheids zeige jedoch, wie unterschiedlich die Meinung in der Bevölkerung sind. Ihm sei auch künftig wichtig, durch Bürgerversammlungen und öffentliche Gemeinderatssitzungen die Windkraftvohaben transparent zu machen.