Ein Fall von Jugendkriminalität hat das Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) in den vergangenen Monaten beschäftigt. Am Dienstag ist das Urteil gefallen. Das Gericht hat sieben junge Männer im Alter von 16 bis 19 Jahren zu mehrjährigen Haftstrafen nach Jugendstrafrecht verurteilt. Sie hatten im vergangenen Jahr einen damals 16-Jährigen über vier Tage hinweg festgehalten, misshandelt und erpresst.
Große Emotionen im Gerichtssaal in Hechingen
Viele Familienangehörige der Angeklagten haben den Prozess und die Urteilsverkündung zum Teil emotional verfolgt. Der Besucherraum im Sitzungssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und ein Großaufgebot von Justizbeamten sicherte den Prozess ab. Sechs der sieben Angeklagten wurden in Hand- und Fußfesseln ins Gericht geführt. Sie waren seit Monaten in Untersuchungshaft. Mehrere von ihnen nahmen das Urteil grinsend hin, kommunizierten immer wieder mit Mimik und Gestik miteinander und mit dem Publikum.
Wie Südwestpresse und Schwäbische Zeitung übereinstimmend berichten, ist es nach der Urteilsbegründung zu einem Zwischenfall im Gerichtssaal gekommen. Demnach soll ein Familienangehöriger im Zuschauerraum einen Stuhl in die Höhe gerissen "und mit lautem Geschrei auf den Boden" geschmettert haben. Justizbeamte sollen den Mann zu Boden gebracht und gesichert haben.
Die sieben jungen Männer sind entweder des erpresserischen Menschenraubs, Körperverletzung oder der Beihilfe zu diesen Taten schuldig, so das Hechinger Gericht. Ein Angeklagter wurde vom Gericht als Haupttäter identifiziert. Er habe Drogenschulden bei dem Opfer eintreiben wollen.
Polizei befreite das Opfer
Anfang des Jahres 2025 hatten sie den Jugendlichen ein erstes Mal in einem Keller bedroht und geschlagen und so 3.100 Euro von seiner Familie erpresst. Im April 2025 hielten sie das Opfer dann vier Tage lang unter anderem in einem Hotel in Mössingen (Kreis Tübingen) gefangen, transportierten ihn im Kofferraum eines Autos, schlugen ihn und schoren ihm die Haare.
Nach vier Tagen hatte die Entführung schließlich ein Ende. Zwei der Angeklagten fuhren mit dem 16-Jährigen zu dessen Elternhaus, wo sie den Vater des Opfers treffen wollten. Die Polizei nahm dort die Entführer fest, der 16-Jährige konnte befreit werden. Bei seiner Aussage vor Gericht nahm das Opfer allerdings einige Aussagen zurück, die es vorher bei der Polizei gemacht hatte.
Aussagen widersprechen Polizeiakten Prozess wegen Entführung am Landgericht Hechingen: Opfer sagt aus
Im Hechinger Entführungsprozess hat am Dienstag das Opfer ausgesagt. Der 17-Jährige soll im April über mehrere Tage von sieben jungen Männern festgehalten und bedroht worden sein.
Bei einem Angeklagten wurde die Strafe von einem Jahr und acht Monaten zur Bewährung ausgesetzt, die anderen Angeklagten müssen zwischen zwei Jahre und neun Monate und sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Mehrere Angeklagte hatten ein Geständnis abgelegt und waren eine Verständigung eingegangen. Dadurch konnten sie niedrigere Strafen erwarten. Alle Angeklagten wurden nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Das Gericht sah bei allen fehlende Reife. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Außergewöhnlicher Prozess für das Landgericht Hechingen
Für das Landgericht Hechingen gehe ein außergewöhnlicher Prozess zu Ende, sagte der Vorsitzende Richter. Allein die große Zahl an Angeklagten, Verteidiger und Justizbeamte habe das Gericht vor Herausforderungen gestellt. Aber auch aufgrund der Schwere der Taten bleibe der Prozess hoffentlich einzigartig, so der Richter.
Schon bald muss sich das Landgericht Hechingen aber wieder mit den Taten beschäftigen: Gegen fünf weitere Angeklagte in derselben Sache verhandelt das Gericht in einem abgetrennten Prozess, der im März beginnen soll.