Die ehemalige Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen steht kurz vor der Reaktivierung. Das Bundesverteidigungsministerium hat "die Einleitung konkret vorbereitender Schritte" für Sigmaringen und für vier weitere Standorte verkündet.
Die Rückkehr der Soldatinnen und Soldaten nach Sigmaringen ist damit offiziell noch nicht bestätigt. Im Umfeld der Bundeswehr gilt sie aber schon als sicher. Das hat Oberst der Reserve Joachim Fallert, Landesvorsitzender des Reservistenverbands Baden-Württemberg, dem SWR bestätigt. Geplant sei demnach, ein Heimatschutzbataillon in Sigmaringen zu installieren, der Aufstellungsappell sei für Oktober geplant.
Heimatschutz - Was heißt das?
Der Heimatschutz ist im Krisen- und Katastrophenfall für die Sicherheit in Deutschland verantwortlich. Auf ihrer Internetseite definiert die Heimatschutzdivision ihre Aufgaben. Die Soldatinnen und Soldaten sichern zum Beispiel kritische Infrastruktur - wie Flughäfen, Bahngleise oder Stromnetze und wehren mögliche Drohnenangriffe ab. Auch die Ausbildung von Rekruten oder die Unterstützung von Rettungskräften bei Naturkatastrophen gehört zu ihrem Auftrag.
Vermutlich hauptsächlich Reservisten in Sigmaringen
Die Einheiten im Heimatschutz bestehen generell zu einem großen Teil aus Reservisten. Das heißt, die meisten Soldatinnen und Soldaten werden erst in Krisenzeiten eingezogen. Normalerweise haben sie einen zivilen Beruf und einen festen Wohnsitz. Sollte der Heimatschutz nach Sigmaringen kommen, wird die Kaserne wahrscheinlich hauptsächlich für Schulungen und Übungen für diese Reservisten genutzt. Möglicherweise auch für die Grundausbildung von Rekruten.
Ein klassischer Vollbetrieb, wie es ihn in Sigmaringen früher gab, ist daher eher nicht zu erwarten. Davon gehen langjährige Soldaten aus, darunter auch Oberst der Reserve Joachim Fallert. Es könne aber gut sein, dass im Laufe der Zeit noch weitere Truppen nach Sigmaringen verlegt werden, so Fallert weiter. Entscheidend sei jetzt erst einmal, dass der militärische Betrieb in Sigmaringen wieder belebt werde.
Zu Spitzenzeiten waren in der Graf-Stauffenberg-Kaserne nach dpa-Informationen zwischen 2.500 und 3.000 Soldaten stationiert. Laut einem Bericht des Südkuriers sollen es in den aktuellen Plänen maximal 1.000 werden.
Besonderheit in Sigmaringer Kaserne: Das Bataillon
Sollte das Heimatschutzbataillon nach Sigmaringen kommen, wäre das trotzdem eine Besonderheit. Denn das Bataillon ist eine Organisationseinheit, die im Heimatschutz bisher nicht existiert. Aktuell sind die einzelnen Heimatschutzkompanien verschiedenen Regimentern unterstellt. Ein Bataillon wäre nach Bundeswehr-Informationen dann eine Instanz zwischen Kompanie und Regiment.
Bis 2025 wurde der Heimatschutz in den Landeskommandos organisiert - also auf Ebene der Bundesländer. Seit letztem Jahr läuft alles zentral über die Heimatschutzdivision in Berlin. Weil es im Heimatschutz "um eine Sache für Deutschland" gehe, so eine Sprecherin der Division gegenüber dem SWR.
Absichtserklärung soll Klarheit bringen
Dennoch sind viele Dinge in Sachen Reaktivierung der Bundeswehr noch unklar. Das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr äußern sich bislang nicht offiziell zu den kursierenden Informationen. In der letzten Pressemitteilung wurde für alle potentiellen neuen Standorte eine Absichtserklärung angekündigt. In dieser solle festgelegt werden, was die nächsten Schritte zur Reaktivierung der Kasernen sind.
In Sigmaringen hofft man, dass diese Absichtserklärung Klarheit bringt. Unter anderem ist die Frage, was mit der Landeserstaufnahmestelle (LEA) passieren soll, die sich noch auf dem ehemaligen Kasernengelände befindet. Laut einer Sprecherin des baden-württembergischen Justizministeriums wird verhandelt, ob die LEA auf einer kleineren Fläche neben der Kaserne weiter betrieben werden kann. Auch der gestoppte Neubau der Zollschule auf dem Kasernengelände hat im Frühjahr Fragen aufgeworfen.