Der Pharmakonzern BioNTech mit Hauptsitz in Mainz will bis Ende September über die Zukunft mehrerer von der Schließung betroffener Produktionsstandorte in Deutschland und Singapur entscheiden. Das betrifft auch Tübingen. Im Mai hatte BioNTech verkündet, das zuvor übernommene Unternehmen CureVac bis Ende des Jahres zu schließen. Dort sind rund 820 Arbeitsplätze bedroht. Entsprechend groß ist die Enttäuschung - bei den Beschäftigten und der Stadt.
Das Staatsministerium Baden-Württemberg schreibt auf SWR-Nachfrage, die Gespräche zur Zukunft der Mitarbeitenden dauerten an. Die Landesregierung habe eine Task Force eingerichtet, in der auch das Wirtschafts- und das Wissenschaftsministerium, die Bundesagentur für Arbeit und die Landesagentur BIOPRO zusammenarbeiteten. Die Stadt Tübingen sei auch eng eingebunden. Laut Stadtverwaltung laufen auch Gespräche mit BioNTech. Die würden noch "einige Zeit" in Anspruch nehmen, so eine Sprecherin.
Alle Beteiligten verfolgen das Ziel, die wertvolle Infrastruktur und das Know-how für unser Exzellenz-Ökosystem zu sichern, den von der Entscheidung betroffenen Mitarbeitenden eine Perspektive zu geben und zumindest einen Teil der Top-Talente am Standort zu halten.
BioNTech nennt Überkapazitäten und Fokus auf Krebsforschung
Nach Angaben des Mainzer Unternehmens werden über CureVac in Tübingen hinaus auch mögliche Verkaufsoptionen für die BioNTech-Standorte in Idar-Oberstein (Kreis Birkenfeld), dem hessischen Marburg und Singapur geprüft. Bis zu 1.860 Stellen könnten insgesamt betroffen sein.
Betrifft das auch die CureVac-Werkschließung in Tübingen? US-Impfstoffhersteller Moderna ist interessiert an BioNTech-Werken
Der US-Pharmakonzern Moderna prüft den Kauf von Produktionsstätten seines deutschen Konkurrenten BioNTech. Davon betroffen sein könnte auch das CureVac-Werk in Tübingen.
BioNTech begründete die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen und dem Fokus auf die Krebsmedizin. Die Nachfrage nach Corona-Impfstoff, der das Unternehmen während der Pandemie weltbekannt machte, sei massiv zurückgegangen. Schwerpunkt sei nun die Entwicklung neuer Produkte vor allem in der Onkologie.
Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies wird verkauft
Fest steht: Im Zuge der Umstrukturierung trennt sich das Unternehmen auch von seiner Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies. Die werde nun von der Dubag Group aus München inklusive der gesamten Belegschaft mit rund 130 Stellen übernommen. JPT gelte als führender internationaler Anbieter peptidbasierter Dienstleistungen für Forschung und Entwicklung.
Neuer CEO übernimmt BioNTech macht größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte
BioNTech hat im zweiten Quartal 820 Millionen Euro Verlust gemacht. So viel wie noch nie in drei Monaten. Ein neuer Chef soll das Mainzer Unternehmen wieder profitabel machen.
Führungswechsel und Milliardenverlust bei BioNTech
BioNTech beschäftigt weltweit etwa 8.000 Menschen. Unternehmensmitbegründer Özlem Türeci und Ugur Sahin verlassen den Impfstoffhersteller. Sie kündigten ein neues Unternehmen an. Spätestens im Februar 2027 soll Guido Oelkers den Vorstandsvorsitz bei BioNTech übernehmen. Wegen der weltweit geringeren Nachfrage nach Covid-19-Impfstoff verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro.