In Freudenstadt hat die Universität Stuttgart am Donnerstag die Wasserstoff-Forschungsplattform "Wave-H2" offiziell eingeweiht. Laut der Uni handelt es sich dabei um ein bundes- und europaweit einzigartiges Projekt. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) waren bei der Eröffnung vor Ort. Özdemir dankte der Bundesregierung für die Investition von 36 Millionen Euro in das Projekt.
"Wenn wir unsere Klimaziele erreichen und gleichzeitig unseren Wohlstand sichern wollen, brauchen wir Innovationen, die den Weg aus dem Labor in die Praxis finden. Wasserstoff ist dafür ein zentraler Baustein", sagte Özdemir. Die Test-Anlage in Freudenstadt befindet sich auf dem ehemaligen Gelände eines Energieversorgers, das in etwa so groß ist wie ein Fußballfeld. Dort steht zum Beispiel ein Recyclingofen, der Aluminium zum Schmelzen bringt.
Klimaneutrales Gas statt klimaschädliches CO2
Für diesen Prozess braucht es viel Energie. Läuft der Ofen mit Erdgas, wird eine Menge klimaschädliches CO2 freigesetzt. Kommt jedoch grüner Wasserstoff zum Einsatz, senkt es den Ausstoß deutlich. Das klimaneutrale Gas wird nur wenige Meter vom Ofen entfernt ebenfalls auf dem Gelände produziert und in großen Tanks gespeichert.
Industrieunternehmen, die zum Beispiel mit solchen Öfen arbeiten, sollen auf dem Gelände in Freudenstadt testen können, ob und wie es sich für sie lohnt, ihren Betrieb auf klimafreundliche Energie umzustellen. Die Forscher der Uni Stuttgart wollen so den Einsatz fossiler Energieträger in der Industrie reduzieren.
Grüner Wasserstoff bald günstiger als Erdgas?
"Wir wollen in der Industrie klimaneutraler werden – und das wird nicht ohne Wasserstoff funktionieren", sagte Projektleiter Alexander Sauer. Aber noch ist grüner Wasserstoff zu teuer. Sauer gab sich jedoch optimistisch, dass grüner Wasserstoff perspektivisch günstiger wird als Erdgas. Laut ihm wird es zwar noch Jahre dauern bis Wasserstoff in der Breite genutzt wird.
Aber manche mittelständischen Betriebe würden schon jetzt mit dem klimaneutralen Gas arbeiten. Zum Beispiel, um es als Energiespeicher zu nutzen: So kann man den selbst erzeugten überschüssigen Strom zwischenspeichern und ihn dann verwenden, wenn die eigenen PV-Anlagen an sonnenarmen Tagen nicht genug Strom liefern.
Auf dem neuen Testgelände in Freudenstadt können jetzt weitere Unternehmen prüfen, ob grüner Wasserstoff auch für ihren Betrieb in Frage kommt.