Im Reutlinger Wellenfreibad ist Wellenfreibadfest - über 5.000 Menschen sind gekommen.Es gibt Hüpfburgen, Spiele und natürlich ganz viel Wasserspaß. Für die Gäste ein Vergnügen, für das Freibadpersonal ein stressiger Tag. Denn die Freibäder sind inzwischen nicht immer ein Ort der Erholung, sondern manchmal auch ein Ort des Streits und der Respektlosigkeiten.
Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg eine Aktion ausgerollt: "Respekt ist keine Einbahnstraße". Mit Plakaten machen die Mitgliedsfreibäder auf die Missstände aufmerksam.
Bäderchef Mantar: "Leute sind schnell auf 180"
Der oberste Bäderchef Necdet Mantar ist besorgt über die Entwicklung in Baden-Württembergs Freibädern. "Die Hemmschwelle das Badefachpersonal verbal oder sogar körperlich anzugehen ist gesunken", sagt er. Die Leute seien schnell auf 180, meint er.
Aus diesem Grund seien Securities im Reutlinger Wellenfreibad notwendig. An einem heißen Sommertag wie diesem sind sechs Securities vor Ort, sagt Bademeister Marcel Buchhauser. "In meiner Jugend hat es das nicht gebraucht", bedauert Bäderchef Mantar.
Deshalb sei die Respekt-Aktion wichtig, betont er. Die Plakate wurden im Freibad aufgehängt und sollen die Gäste zum Nachdenken bringen, erklärt Mantar.
Reutlingen: "Respektlotsen" auch sinnvoll für Freibäder?
Bademeister Buchhauser sucht explizit das Gespräch mit den Leuten um aufzuklären.
Wir probieren auf die Gäste aufzupassen, aber im Endeffekt fühlen sich viele Leute immer wieder von uns provoziert.
Das Konzept der "Respektlotsen", wie es sie in Stuttgarter Freibädern bereits gibt, gefällt ihm. Dort sind Ehrenamtliche im Stadtgebiet unterwegs, um vornehmlich Jugendliche auf das Thema "Respekt" anzusprechen. "Das könnten wir im Freibad auch gebrauchen", sagt er. Was er für nicht respektlos hält, ist das Wort Bademeister. "Das mag ich, wenn mich die Leute so nennen", schmunzelt er. Der Begriff "Fachangestellter für Bäderbetriebe" sei ja auch nicht jedem geläufig.
Wellenfreibad Reutlingen: Badegäste bemerken Veränderungen
Die Badegäste im Reutlinger Wellenfreibad haben ebenfalls Veränderungen bemerkt. Im Gespräch mit einigen Gästen fällt häufig die Bemerkung "bestimmte Personengruppen" würden für Unruhe sorgen. Gemeint sind der Beschreibung nach meist Jugendliche.
"Ich fühle mich im Freibad nicht mehr so wohl - besonders als Frau. Ich gehe inzwischen lieber an den See", erzählt Badegast Leonie. Auch weil sich in den letzten Jahren die Bevölkerung ein Stück weit verändert habe, so ihr Empfinden.
Auch die beiden Jugendlichen Killian und Marcel nehmen mehr Auseinandersetzungen wahr. Beide kommen regelmäßig ins Wellenfreibad. "Es gab mehr Polizeieinsätze in den letzten Jahren", sagt Killian.
Andere wiederum bekommen von dem Trubel kaum etwas mit. "Selbst habe ich keinerlei negative Erfahrungen mit aggressivem Verhalten gemacht", sagt Rentner Werner. Allerdings sei er auch das erste mal seit 15 Jahren wieder im Freibad.
Straftaten im Freibad: Was sagt die Statistik?
Das Gefühl der Leute ist die eine Seite, die Statistik eine andere. Diese berichtet von sinkenden Zahlen bei den Straftaten - zumindest in Baden-Württemberg. Im Jahr 2024 wurden knapp über 900 Straftaten der Polizei gemeldet. Das geht aus dem Sicherheitsbericht des Innenministeriums hervor. Im Jahr zuvor waren es über 17 Prozent mehr.
Aber: Über einen längeren Zeitraum gesehen sind die Zahlen tatsächlich gestiegen, so das Innenministerium. Die Zeit der Corona-Pandemie sei ein Knackpunkt gewesen, ab da ging es steil nach oben. In den letzten zwei, bis drei Jahren hatten sich die gemeldeten Zahlen dann aber wieder stabilisiert.