Kleinere Kliniken immer mehr auf Universitätsniveau

Weltkrebstag: Warum man als Tumorpatient nicht immer zur Uniklinik muss

Die Krebsbehandlung wird immer besser. Für Chemo oder Operation müssen Patienten oft nicht mehr in eine Uniklinik - die Versorgung auf dem Land wird immer besser.

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Von Autor/in Julia Klebitz

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Laut Statistischem Bundesamt führt Krebs bei Menschen in jüngerem und mittlerem Alter heute seltener zum Tod als noch vor 20 Jahren. Es bewegt sich also viel in der Krebsforschung, Behandlung und Betreuung - auch auf dem Land. Die Kliniken in Sigmaringen und im Zollernalbkreis sind sogar überzeugt, dass sie eine Betreuung auf Universitätsniveau bieten können.

Karl-Heinz Jenter aus Rosenfeld-Heiligenzimmern und Elke Oesterle aus Hechingen-Stein sind zwei Betroffene, die aktuell am Zollernalb Klinikum behandelt werden. Beide haben Darmkrebs und sind mit der Betreuung direkt in ihrem Heimatkreis sehr zufrieden. Zum Uniklinikum Tübingen müsste er für seine Chemotherapie jedesmal lange mit dem Taxi fahren, erzählt Jenter im Gespräch mit dem SWR. Das wäre selbst ohne Stau mindestens eine Stunde Fahrzeit pro Strecke. Stattdessen bekommt er die notwendigen Infusionen nun in Balingen. "Da kann mich meine Frau morgens kurz fahren und am Mittag wieder abholen", sagt er. Außerdem schätze er, dass er nicht mit vielen anderen Patienten in einem großen Raum sitzen müsse.

Ähnlich sieht es Elke Oesterle. Ihr Mann ist 2010 an Krebs gestorben. "Seither hat sich schon einiges verändert", sagt sie. "Da bin ich schon froh, dass man einem so helfen kann". Weil sie und andere Krebspatienten regelmäßig in der Klinik sind, kenne man sich mit der Zeit zudem. "Da entstehen auch Freundschaften", sagt Elke Oesterle.

Portrait von Elke Oesterle, die am Zollernalb Klinikum wegen Krebs behandelt wird.
Elke Oesterle wird wegen Darmkrebs am Zollernalb Klinikum betreut. Sie ist froh darüber, dass sie in einem kleineren Krankenhaus in Heimatnähe behandelt werden kann.

Krebs führt bei Jüngeren seltener zum Tod als früher

Krebs ist noch immer die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Das hat das Statistische Bundesamt festgestellt. Zum Weltkrebstag am Mittwoch hat es aber eine gute Nachricht: "Krebs führt bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter seltener zum Tod als noch vor 20 Jahren". Auch auf dem Land können Tumorpatienten immer besser behandelt werden. Die Krankenhäuser im Zollernalbkreis und in Sigmaringen beispielsweise betreuen Krebspatienten, ohne dass diese weite Wege auf sich nehmen müssen.

"Vieles ist mittlerweile gut behandelbar. Man kann durch Prävention selbst was tun und die Zahl derer, die an Krebs tatsächlich sterben, wird immer geringer", sagt André Mihaljevic. Er ist ärztlicher Direktor für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Uniklinikum Tübingen und Chefarzt am Zollernalb Klinikum. Mit ein Grund ist, dass Tumorpatienten auch auf dem Land eine immer bessere Versorgung erhalten.

Zollernalb Klinikum arbeitet direkt mit Uniklinik zusammen

Das Zollernalb Klinikum beispielsweise hat ein neues Modell aufgestellt, mit dem es universitäre Medizin aufs Land bringen will. Das Klinikum mit seinen Standorten in Albstadt und Balingen arbeitet direkt mit dem Tübinger Uniklinikum (UKT) zusammen - durch André Mihaljevic, der für beide Kliniken arbeitet, aber auch mit anderen Fachleuten und Fachabteilungen.

Fahrt nach Tübingen kann für Betroffene anstrengend sein

"Wir können in Kooperation mit Tübingen alles anbieten für die Patienten", betont Mihaljevic. Das reiche von der speziell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Chemotherapie bis zur Operation. Wer einen Tumor hat und in Rosenfeld, Geislingen, Hechingen, Winterlingen oder anderswo im Zollernalbkreis wohnt, muss also dem Mediziner zufolge nicht den für viele anstrengenden Weg bis in die nächste Uniklinik auf sich nehmen.

Portrait von Karl-Heinz Jenter aus Rosenfeld, der am Zollernalb Klinikum wegen Krebs betreut wird mit Infusionsständer.
Karl-Heinz Jenter bekommt seine Chemotherapie in seinem Heimatkreis. An die nächste Uniklinik müsste er mindestens eine Stunde pro Strecke fahren.

Im Fall der Fälle wird überwiesen

In den sogenannten "Tumorboards" besprechen Fachleute aus dem Zollernalb Klinikum mit Kolleginnd und Kollegen aus Tübingen, wie die beste Behandlung für einzelne Betroffene aussehen kann. Das sei nie eine Einzelentscheidung. Und wer an einer Uniklinik doch besser aufgehoben sei, der werde auch dorthin überwiesen, versichert Michael Bitzer, der Ärztliche Direktor des Zollernalb Klinikums. "Bei sehr seltenen Krebsformen kann das zum Beispiel sein oder im Bereich der Urologie oder bei Hirntumoren. Die können wir in Balingen nicht behandeln".

Versprechen: Untersuchung innerhalb von 48 Stunden

Auch in der Diagnostik, dem Erkennen von Krebserkrankungen, werde man immer besser, teilt das Zollernalb Klinikum mit. Seit vergangenem Jahr gibt es beispielsweise ein neues MRT-Gerät und ein Gynäkologisches Krebszentrum. Dort können beispielsweise Brustkrebs oder Eierstockkrebs erkannt und behandelt werden. Klinik-Geschäftsführer Gerhard Hinger verspricht Patientinnen, dass sie bei dringendem Krebsverdacht, etwa bei einem auffälligen Knoten in der Brust, innerhalb von 48 Stunden eine weiterführende Untersuchung bekommen.

"Krebstherapie auf Universitätsniveau" auch in Sigmaringen

Auch am SRH Klinikum in Sigmaringen sieht man sich gut genug aufgestellt, um den Menschen im Kreis heimatnah eine "Krebstherapie auf Universitätsniveau" bieten zu können. Es gibt zertifizierte Zentren für Darm-, Brust- und Prostatakrebs. In einem onkologischen Zentrum betreuen Medizinerinnen und Mediziner verschiedener Richtungen und speziell ausgebildetes Pflegepersonal die Patienten fachübergreifend, teilt die Klinik mit. Krebsperationen finden dort nach Möglichkeit minimalinvasiv statt, also über kleine Schnitte, und mit Unterstützung von Robotern.

Portraits der Leiter der Krebszentren am SRH-Klinikum Sigmaringen.
Zoltan Varga, Chefarzt Urologie, Leiter Prostatakrebszentrum; Emilia Wozniak, Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, Leiterin Brustkrebszentrum und Alexandros Kantas, Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie, Leiter Darmkrebszentrum am SRH Klinikum in Sigmaringen-

Bald hat das SRH-Klinikum außerdem einen neuen Chefarzt für den Bereich Onkologie. Jens Reese arbeite laut Klinik seit sieben Jahren als Honorararzt, habe eine Privatpraxis und sei zudem onkologischer Gutachter. Ab März ist er am SRH Klinikum in Sigmaringen angestellt und will die Versorgung dort noch weiter verbessern.

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Tübingen

Mit Immunzellen gegen Krebs Tübinger Forscher: Neue Perspektiven in Krebs-Therapie

Krebsforschende haben eine Methode entwickelt, um körpereigene Immunzellen mit Gentechnik so zu verändern, dass sie auch gegen aggressive Krebsarten eingesetzt werden können.

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Autor/in
Julia Klebitz
Julia Klebitz Reporterin SWR Aktuell Studio Tübingen Regionalbüro Albstadt

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