Vereine von der Alb bis zum Schwarzwald sehen Problematik

Wie Rechtsextreme Jugendgruppen und Vereine unterwandern

Rechtsextreme Ideen werden nicht nur durch Parteien oder auf Social Media verbreitet, sondern auch in Vereinen und Institutionen. Wie ist die Lage auf der Schwäbischen Alb?

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Von Autor/in Theresa Krampfl

Immer öfter unterwandern Menschen mit demokratiefeindlichen und rechtsextremen Ansichten Vereine und Gruppen in BW und verbreiten so ihre Ideologien. Das hat zuletzt der Verfassungsschutz mitgeteilt. Sie gründen Jugendprojekte oder engagieren sich ehrenamtlich bei Initiativen, sagte einer der Geschäftsführer des Instituts für Rechtsextremismusforschung an der Universität Tübingen, Rolf Frankenberger, auf einer Tagung gegen gruppenbezogene Menschendfeindlichkeit in Balingen (Zollernalbkreis). So würden Menschen mit rechtsextremer Einstellung ihre Gedanken Stück für Stück alltagsfähig machen und Leute überzeugen, warnt Frankenberger. Ausgerichtet wurde die Tagung vom Albbündnis, das sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzt.

Rechtsextremismus in Vereinen?

Auch Vereine von der Alb bis zum Schwarzwald sehen diese Problematik. So zum Beispiel Heinz Högerle vom Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb. Er sagt, einige Vereine und Initiativen würden sich zum Beispiel nicht mehr an Demonstrationen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus beteiligen. Sie würden sich nicht offen positionieren wollen, was früher noch eine Selbstverständlichkeit war, erzählt Högerle.

Beim Forum des Albbündnisses ging es darum, wie Menschen mit rechtsextremem Gedankengut Vereine und Institutionen unterwandern. Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen teilte seine Erkenntnisse dazu.
Beim Forum des Albbündnisses ging es darum, wie Menschen mit rechtsextremem Gedankengut Vereine und Institutionen unterwandern. Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen teilte seine Erkenntnisse dazu.

Ein weiteres Problem sieht er darin, dass einige Mitglieder aus Gemeinde- oder Stadträten aufgrund ihres Amtes automatisch zum Beispiel im Beirat von Vereinen sind. So könnten rechtsextreme Gemeinderätinnen und -räte Einfluss auf Vereine nehmen und zum Beispiel Satzungsänderungen anstoßen.

Rechtsextremismus in der Jugendarbeit in Hechingen

Auch Cord Dette kennt Beispiele, in denen junge Menschen durch rechtsextreme Gedanken beeinflusst werden. Dette kommt aus der Jugendarbeit Mariaberg, einem diakonischen Träger für soziale Dienste im Kreis Sigmaringen. Er erzählt im SWR-Interview zum Beispiel von einem selbstverwalteten Jugendhaus in der Nähe von Hechingen. Dort würde sich rechtsextremes Gedankengut ausbreiten durch Einflüsse von AfD-nahen jungen Menschen.

Schwäbische Alb besonders anfällig?

Rechsextremismusforscher Frankenberger sieht auf der Schwäbischen Alb Potential zur Unterwanderung von Vereinen durch Rechtsextremisten. Zwar könne man die Region nicht als einheitlichen Raum bezeichnen, aber doch sehe man dort viele Konflikte.

Was Vereine tun können und müssen

Högerle vom Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb wünscht sich von den Vereinen, dass sie sich gerade jetzt zur freiheitlich demokratischen Grundordnung positionieren. Er verlangt das auch von nicht-politischen, zum Beispiel Fußball- oder Gesangsvereinen. Wenn sich diese etwa in ihren Satzungen dazu bekennen würden, würden Rechtsextreme gleich wissen, womit sie es zu tun haben.

Dette von Mariaberg plädiert dafür, Jugendliche für Demokratie zu begeistern und diese über Aktionen erfahrbar zu machen. So könne man Jugendliche vor rechtsextremen Einflüssen schützen. Frankenberger vom Tübinger Institut für Rechtsextremismus fordert, in Vereinen und auch generell sehr genau zuzuhören und rechtsextremen Aussagen zu widersprechen.

Vielleicht kann man die Menschen nicht überzeugen, aber es muss für die, die zweifeln klar sein, es gibt Menschen, die sind da dagegen.

Albbündnis: Landkreise und Initiativen stellen sich gegen Rechtsextremismus

Das Albbündnis will über Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit aufklären. Zum Bündnis gehören die Kreise Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb, aber auch Institutionen wie Mariaberg oder die Bruderhausdiakonie. Das Albbündis setzt sich für Menschenrechte und gegen Diskriminierung ein. Zuletzt hat es Anfang Juni in Balingen getagt. Es ging darum, wie rechtsextrem eingestellte Menschen ihre Ideologien verbreiten.

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