Um kurz nach 6 Uhr in die eiskalte Donau springen? Für die meisten mag das eher nach dem härtesten Wecker der Welt klingen als nach einem gelungenen Start in den Tag. Nicht aber für die Mitglieder des "6AM Club" in Ulm. Was als spontane Idee begann, hat sich mittlerweile zu einer echten Bewegung entwickelt.
Wachwerden mit einem Sprung in die eiskalte Donau
Es ist kurz nach 6 Uhr am Neu-Ulmer Donauufer. Daher auch der Name "6AM Club". Der Himmel ist klar, die Luft eisig, das Thermometer zeigt weniger als fünf Grad. Plötzlich durchbrechen laute, rhythmische "Huh"-Rufe die morgendliche Stille. 25 Frühaufsteher sitzen bis zur Brust in der eiskalten Donau und klatschen immer wieder die Hände über ihren Köpfen zusammen. Wasser spritzt durch die Luft, alle sind klatschnass. Es ist das Ritual zum Abschluss eines zehnminütigen Eisbads.
Wer’s schafft, früh aufzustehen, hat den absoluten Gewinn.
Die Stimmung in der Gruppe ist locker, aber die Kälte? Die ist gnadenlos. Für viele fühlt es sich an wie Eisbaden. Der eine oder die andere zittert am ganzen Körper. "Ich spür' gleich gar nichts mehr!", ruft jemand in die Runde. Und prompt kommt die Antwort: "Ja, aber das ist gut!" Dann ist das Eisbad vorbei. Spätestens jetzt sind alle hellwach. Draußen am Ufer warten warmer Kaffee und Tee.
Mittendrin im Getümmel am Donauufer: Tim Nöring aus Ulm. Der 25-Jährige ist überzeugter Frühaufsteher und hatte die Idee für den "6AM Club". Für ihn ist der Morgen die beste Zeit des Tages. "Wer’s schafft, früh aufzustehen, hat den absoluten Gewinn. Zwei Stunden vor allen anderen wach zu sein, das fühlt sich an wie ein Vorsprung. Ich denk mir immer: 'Geil, ich bin schon wach, während andere noch schlafen'", erzählt er lachend.
Neue Community in Ulm: Die Frühaufsteher vom 6AM Club
Beim 6AM Club kann jeder kostenlos mitmachen, fast ausschließlich junge Menschen sind beim Club der Frühaufsteher dabei. "Voll geil!", ruft Eisbader Yatharth, während er aus der Donau steigt. Eisbaderin Amelie trocknet sich mit ihrem Handtuch ab, lacht und sagt: "War mega, ich fühl' mich jetzt total wach." Die 23-jährige Rosi war zum ersten Mal dabei. Für sie geht es nach dem Adrenalinkick am Morgen direkt zur Arbeit: "Ich geh' jetzt ins Büro. Jetzt nochmal heimzugehen und ins Bett zu liegen, ist ja Quatsch."
Tim Nöring organisiert zusammen mit seinem Kumpel Philipp Botsch seit rund einem Monat die Aktionen der Gruppe. Gemeinsam posten sie auf ihrem Instagram-Kanal, der mittlerweile schon über 1.400 Follower hat. Auch über eine WhatsApp-Gruppe geben sie die nächsten Termine weiter. Ihr Ziel: Eine Gemeinschaft aufbauen, Spaß haben und dabei im besten Fall noch etwas lernen.
Jeden Tag was Neues lernen, was Neues machen, einfach mal über sich hinauswachsen - darum geht's.
Heute hat der 22-jährige Philipp den Teilnehmern im Wasser zum Beispiel eine Atemtechnik erklärt. Warum er schon früh morgens in die Donau springt? "Es ist immer ein ultra belebendes Gefühl so frisch aus dem Wasser zu kommen und auch drinnen zu sein, seinen Körper zu spüren", sagt Philipp Botsch.
DASDING-Reporterin Julia wagt den Selbstversuch beim 6AM Club in Ulm:
6AM Club: Gänsehaut inklusive - aber auch ein Lächeln
Es geht nicht nur darum, früh aufzustehen, sondern auch darum, sich selbst zu überwinden. Für Tim Nöring ist es eine Art Challenge, die er mit anderen teilen will. "Ich liebe es, Leute zu motivieren und neue Herausforderungen zu setzen", erklärt er. "Jeden Tag was Neues lernen, was Neues machen, einfach mal über sich hinauswachsen - darum geht's", sagt der 25-Jährige.
Immer sonntags, manchmal auch am Donnerstagmorgen, treffen sie sich. Der "6AM Club" will sich zukünftig übrigens nicht ausschließlich zum Eisbaden treffen, sondern zum Beispiel auch Jogging-Gruppen anbieten.
"Hat alles geklappt", sagt Tim zufrieden, nachdem alle wieder aus dem Wasser sind. "Ich hoffe es war für alle angenehm, aber es sieht so aus." Mit Gänsehaut, aber auch breitem Grinsen machen sich die Eisbader anschließend auf den Weg in den Tag. Denn der hat ja gerade erst angefangen.