Ab ins kühle Nass

Welche Wirkung hat kaltes Wasser auf das Immunsystem?

Kaltes Duschen, Eisbäder oder Wassertreten sollen unter anderem den Kreislauf anregen, die Durchblutung fördern und das Immunsystem stärken. Doch funktioniert das wirklich?

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Von Autor/in Daniel Güldner, Wolfgang Weber

Kaltes Wasser und damit auch kalt Duschen oder das Baden in kalten Seen oder Flüssen klingt für viele im ersten Moment abschreckend - zumindest im Herbst und Winter. Doch wer sich an die Herausforderung wagt und Schritt für Schritt eintaucht, den können positive Effekte erwarten.

Ist kalt duschen gesund?

Eine niederländische Studie hat herausgefunden, dass kaltes Duschen eine positive Wirkung aufs Immunsystem haben kann. Für die Studie musste ein Teil der 3.000 Probanden täglich 30 bis 90 Sekunden lang kalt duschen.

Die Vergleichsgruppe duschte warm. Das Ergebnis: Unter den Kalt-Duschenden gab es anschließend rund ein Drittel weniger Krankmeldungen.

Im Hintergrund ist Wasser zu sehen. Davor steht "Kreislauf anregen", "Durchblutung fördern" und "Immunsystem stärken".
Kalt Duschen oder auch Eisbäder sorgen unter anderem für eine verbesserte Durchblutung, regen den Kreislauf an und stärken das Immunsystem. Zudem kann das kalte Wasser für die Reduktion von Schmerzen sorgen und macht Körper wie auch Geist widerstandsfähiger.

Was ist Wassertreten und woher kommt es?

Anders als beim Duschen oder Eisbaden landen beim sogenannten Wassertreten nur Beine und Füße unter der Oberfläche. Entdeckt hat das Prinzip Pfarrer Sebastian Kneipp.

Als er an Tuberkulose erkrankte, soll er sich durch kurze eiskalte Bäder in der Donau selbst geheilt haben. Aus dieser Erfahrung entwickelte er über 100 Wasseranwendungen, mit denen er weltweite Bekanntheit erlangte und sich so ab 1855 einen Namen als "Wasserdoktor" machte.

Drei Personen laufen in einem Kneipp-Becken. Nur ihre Füße und Unterschenkel sind im Wasser. Sie betreiben Wassertreten, um ihr Immunsystem zu stärken.
Bei jedem Schritt wird - wie im Storchengang - ein Bein komplett aus dem Wasser gezogen. Die Fußspitze ist nach unten gestreckt. Anschließend taucht das Bein wieder ins Wasser ein.

Wie gesund ist Wassertreten?

Die Mitglieder des Kneipp-Bunds Saarland schwören auf das Wassertreten. Sie steigen bei nur acht Grad Wassertemperatur ins Becken.

Laut Claudia Zobel vom Kneipp-Bund Saarland führt der Reiz, der durch das kalte Wasser zum Beispiel die Beine erreicht, dazu, dass das Blut aus den Gefäßen fließt. Anschließend würden sich die Gefäße zusammenziehen, dadurch komme es zu einer Stressreaktion. Dann fließe das nährstoffreiche Blut inklusive Abwehrstoffe wieder zurück in die Gefäße.  

"Durch die regelmäßige Anwendung beim Wassertreten kommt es zu einer Abhärtung des Körpers", weiß Zobel. Dadurch soll man sich zum Beispiel weniger schnell eine Erkältung einfangen. Wenn doch, sollen die Verläufe milder sein oder die Erkältung nicht so lange andauern. Zudem regt Wassertreten den Kreislauf an und fördert die Durchblutung. 

Claudia Zobel vom Kneipp-Bund Saarland steht auf einer Wiese, hinter ihr ist ein Kneippbecken zu sehen.
Claudia Zobel vom Kneipp-Bund Saarland

Zu Hause ins kalte Wasser

Wassertreten ist tatsächlich auch im eigenen Badezimmer möglich. Kneipp-Coach Simone Ankele weiß wie: Wassertreten geht zum Beispiel in der Badewanne. Dazu die Wanne bis knapp unter der Kniekehle mit kaltem Wasser füllen und auf der Stelle schreiten.

"Man macht das eigentlich 30 Sekunden, eine Minute. Das kommt drauf an, wie angenehm es einem ist", erklärt Ankele. Anfänger oder Frostbeulen könnten die Zeit im kalten Wasser also auch etwas kürzer halten. "So lang, wie man sich wohlfühlt, so lang macht man das."

Wird der Kältereiz zu stark, sollte man zum Ende kommen. Nach dem Treten wird das Wasser dann nur abgestreift, um die Verdunstungskälte zu nutzen.

Kneipp-Coach Simone Ankele steht in ihrer Badewanne und zeigt, wie Wassertreten zu Hause funktioniert.
Kneipp-Coach Simone Ankele zeigt, wie Wassertreten in der eigenen Badewanne funktioniert.

Kalte Güsse für Gesicht, Arme und Knie

Wer keine Badewanne hat, kann gemäß Ankele auch auf kalte Armbäder, Gesichtsgüsse oder kalte Kniegüsse in der Dusche setzen. Für die Kniegüsse gibt es sogar spezielle Kneipp-Aufsätze.

"Den Aufsatz nimmt man, weil dann das Wasser in einem schönen, weichen Strahl herauskommt. Und wenn man den Guss macht, dann wird das Bein ummantelt", berichtet die Kneipp-Trainerin.  

Kalte Armbäder und Gesichtsgüsse sind zu Hause zum Beispiel im Waschbecken oder über der Badewanne leicht machbar. Besonders effektiv sind laut Ankele dabei die kalten Gesichtsgüsse.

Welche Vorteile hat kaltes Wasser für den Körper?

Sportmediziner Jens Stening setzt Kaltwasser-Anwendungen in seiner Praxis in Bad Kreuznach als Therapiemethode ein. Für ihn ist klar: Es hat eine positive Wirkung.

Kälte hat laut Dr. Stening verschiedene physiologische Wirkungen auf die Muskulatur. So änderten sich die Durchblutung der Muskulatur, die Reizweiterleitungsgeschwindigkeit der Nerven und damit auch das Schmerzempfinden.

"Also es gibt ein paar Reaktionen, die man durch Kaltwasser im Immunsystem provozieren kann."

Sportmediziner Dr. Jens Stening, hinter ihm sind medizinische Geräte und Bilder an der Wand zu sehen.
Sportmediziner Dr. Jens Stening

Auch Forschende aus Jena bestätigen eine Wirkung auf das Immunsystem: Sie konnten zeigen, dass regelmäßige kalte Güsse am Oberkörper die Immunabwehr ankurbeln. Die Probanden hatten danach mehr Abwehrzellen im Blut als vorher.

Kalt duschen ist nicht alles - Bewegung und Ernährung

Kaltes Wasser fürs Immunsystem kann also tatsächlich etwas bringen - auch wenn es nur schwer messbar ist und umfassende Studienerkenntnisse noch fehlen.

Für den Sportmediziner reicht kaltes Wasser allein jedoch nicht aus, um das Immunsystem zu stärken. "Dreimal in der Woche milden moderaten Ausdauersport, ein bisschen Krafttraining und die ausgewogene, gesunde Mischkost. Das klingt zwar nicht besonders sexy, ist aber sicherlich extrem gesundheitsfördernd", ergänzt Dr. Stening.

Wann sollte man besser nicht kalt duschen?

In bestimmten Situationen sollten Sie lieber von einer kalten Dusche, dem Wassertreten oder einem Eisbad absehen. So ist die Kälte beispielsweise bei einer Erkältung oder Erkrankung mit Fieber nicht optimal, weil es für den Körper eine zusätzliche Belastung darstellt. Und auch während der Menstruation wird oft zur Vorsicht geraten.

Darüber hinaus kann kaltes Wasser für Personen, die etwa von Nierenkrankheiten betroffen sind, mehr Nachteile als Vorteile bringen. Daher gilt: Wenn Sie beispielsweise Vorerkrankungen haben und sich unsicher sind, vor der ersten kalten Dusche am besten einen Arzt kontaktieren.

Trend Eisbaden

Eisbaden ist mittlerweile zu einem Trend geworden. Es soll Entzündungen lindern und das Immunsystem stärken.

Doch stimmt das auch? Sportmediziner Dr. Jens Stening erklärt: „Das Immunsystem kann unspezifisch aktiviert werden. Ähnliche Effekte wie wir sie durch moderate sportliche Aktivität haben, wie wir sie durch eine ausgewogene Ernährung haben, können wir durch Eisbaden mit unterstützen. Die Studienbasis ist sicher noch ziemlich dünn und kontrollierte Studien, die gegen ein Placebo durchgeführt werden, in großen Gruppen, so etwas existiert nicht.“

Risikogruppen, die besser nicht eisbaden sollten

Der Sportmediziner warnt, Eiswasserbaden ist nicht für jeden geeignet. „Je älter die Menschen werden, desto mehr Herz-Kreislauferkrankungen liegen vor. Erhöhung des Blutdrucks, Menschen mit Atemwegserkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Diabetiker - sie sollten sich eher vom Eiswasserbaden fernhalten.“

Was viele am Eisbaden lieben

Dr. Stening erklärt die postiven Effekte, die manche am Eisbaden lieben, so: „Über den Kältereiz werden mitunter tatsächlich Glückshormone, Endorphine, Serotonin ausgeschüttet, die einen gewissen euphorisierenden Charakter haben. Das kommt nicht von ungefähr, dass man sich nach einem Kältereiz besonders frisch fühlt. Es könnte aber auch kaltes Wasser, kaltes Duschen sein - das ist hinreichend für die meisten Menschen.“

Unterstützung für T-Zellen und Co. Immunsystem stärken - welche Maßnahmen wirksam sind

Wie unsere Abwehrkräfte funktionieren. Und wie Ernährung, Bewegung und Schlaf helfen, das Immunsystem zu stärken.

Doc Fischer SWR

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Daniel Güldner
Wolfgang Weber
Onlinefassung
Lea Spraul
Bild von Lea Spraul
Heidi Keller