Nichts für schwache Nerven

Chaos auf den Straßen: Ulm, die Stadt der kurzen Wege - und der vielen Baustellen

Ulm, die Stadt der kurzen Wege, wird derzeit auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Baustellen prägen das Stadtbild. Doch wie geht jemand damit um, der beruflich auf die Straßen angewiesen ist?

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Von Autor/in Stefanie Schmitz

Für viele Autofahrer ist Ulm gleichbedeutend mit: Stau, Umleitungen und Frust. Doch wie geht jemand damit um, der beruflich auf die Straßen angewiesen ist? Jamie-Darleen Nünke vom Fahrdienst "Ulmerle" gibt Einblicke in ihren Alltag – und zeigt, wie sie sich durch das Baustellenchaos navigiert. 

"Verwirrung pur": Baustellen als tägliche Herausforderung 

Jamie-Darleen Nünke kennt die Straßen Ulms wie ihre Westentasche, als Fahrdienst für Dialysepatienten, Kranken- und Rollstuhlfahrten - doch selbst für sie wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. "Nerven, die braucht man", sagt sie und nennt den Blaubeurer Ring als besonders herausfordernd: "Verwirrung pur."

Im Stadtgebiet von Ulm gibt es Baustellen über Baustellen. Für viele Autofahrer ist Ulm gleichbedeutend mit: Stau, Umleitungen und Frust.
Für viele Autofahrer ist Ulm gleichbedeutend mit: Stau, Umleitungen und Frust.

Mit über 3.000 angemeldeten Baustellen allein in diesem Jahr, wie die Verkehrsbehörde mitteilt, bleibt kaum eine Straße unberührt. Am schlimmsten betroffen sind der Blaubeurer und Berliner Ring, die B10, das Ehinger Tor und die großen Brücken in Ulm. Einer der Hauptgründe: die großen Umbauten für die Landesgartenschau 2030. Die Stadt wird von vielen Bausünden frührerer Jahrzehnte befreit.

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Für Nünke ist das nicht nur eine Frage der Geduld, sondern auch der Wirtschaftlichkeit. "Mir zahlt die Mehrzeit keiner", erklärt sie. "Die Krankenkassen weigern sich, den Mehraufwand zu bezahlen. Jetzt brauche ich für eine Fahrt, die früher 15 Minuten gedauert hat, 45 Minuten." Sie muss Kunden "ausdünnen", wie sie sagt, kann nicht mehr so viele am Tag fahren, weil die Zeit nicht reicht.

Jamie-Darleen Nünke kennt die Straßen Ulms wie ihre Westentasche und auch die Tricks, die Baustellen zu umfahren.
Jamie-Darleen Nünke kennt die Straßen Ulms wie ihre Westentasche und auch die Tricks, die Baustellen zu umfahren. Stefanie Schmitz

Lieber mit dem Fahrrad durch das Baustellenchaos 

Während Autofahrer wie Nünke im Stau stecken, nutzen immer mehr Ulmer das Fahrrad als Alternative. Michael Schuon, ein Pendler, erklärt: "Im Feierabend steht man halt im Stau, und mit dem Fahrrad fahre ich halt eine Seitenstraße, ist ganz einfach." Auch der Radler Benjamin Erhardt sieht die Situation positiv: "Die Fahrradwege in die Stadt sind super. Ein bisschen schneller wäre nett, aber in Summe passt schon." 

Für Jamie-Darleen Nünke ist es entscheidend, flexibel zu bleiben. Jeden Tag neue Sperrungen, selbst der Stadt gehen schon die Umleitungsstrecken aus. "Da muss man schon auf Zack sein. Und vor allem, man braucht auch eine gute Ortskunde. Sonst kommt man mit den ganzen Schleichwegen, die wir nutzen, einfach gar nicht weiter." Doch selbst die besten Schleichwege helfen nicht immer, wenn täglich neue Sperrungen hinzukommen. 

Die Busspur darf der Fahrdienst nicht nutzen, wenn Jamie-Darleen allerdings einen Bus vor sich hat, freut sie sich. "Der Bus kann die Ampeln auf grün schalten lassen. Da kommen wir ein wenig schneller voran."

Chaos auf den Straßen: Ulm, die Stadt der vielen Baustellen. Mancher hat da so seine eigene Strategie, um dennoch pünktlich zur Arbeit zu kommen.
Chaos auf den Straßen: Ulm, die Stadt der vielen Baustellen. Mancher hat da so seine eigene Strategie, um dennoch pünktlich zur Arbeit zu kommen. Stefanie Schmitz

"Schmerzvolle" Baustellen in Ulm als Dauerzustand 

Seit vielen Jahren prägen Baustellen das Stadtbild von Ulm. Baubürgermeister Tim von Winning (parteilos) erklärte bereits 2016 als die Straßenbahnlinie 2 ausgebaut wurde: "Sie haben immer die Frage, hat man lieber über einen längeren Zeitraum Schmerzen oder über einen kürzeren Zeitraum große Schmerzen." Doch irgendwie scheinen die Schmerzen in Ulm nicht zu enden. Es scheint, als hätte sich die Stadt für die härteste Variante entschieden: große Schmerzen über lange Zeit - sehr zum Leidwesen der Autofahrer. 

Doch während die einen im Stau stehen, kommen andere schneller ans Ziel: Fahrradfahrer profitieren von den neuen Radwegen und der Möglichkeit, Staus zu umfahren. Für Jamie-Darleen Nünke und viele andere bleibt jedoch die Hoffnung, dass die Bauarbeiten irgendwann ein Ende finden - und die Stadt der kurzen Wege ihrem Namen wieder gerecht wird. 

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Stefanie Schmitz
SWR-Aktuell Redakteurin Steffi Schmitz

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