Wie viele Abermillionen Autos und Lastwagen mögen in knapp sechs Jahrzehnten wohl über sie gefahren sein? Eine wilde Hochrechnung. Fakt ist: Eine Brücke als Teil der B10 überdeckte seit 1967 ein Stück Ulmer Geschichte - das historische Blaubeurer Tor. Jetzt ist sie bald selbst Geschichte. Sie wird zurückgebaut.
Jetzt wird es richtig zur Sache gehen, aber alles läuft nach Plan.
Tunnel statt Brücke: Anfang 2029 soll Blaubeurer Tor-Tunnel fertig sein
Die Blaubeurer-Tor-Brücke kommt weg, der Verkehr bleibt. Er rollt aber anderswo. Als Ersatz für die Brücke geht es ab sofort auf der Hauptverkehrsader Richtung Norden zur Autobahn neben der Brücke durch eine Unterführung. Die Gegenrichtung ist schon seit Ende November letzten Jahres gesperrt. Anfang 2029 soll dann als Ersatz der Blaubeurer-Tor-Tunnel fertig sein.
Die provisorische Straße durch eine Unterführung wurde Mitte Januar asphaltiert, "mit zugegeben nicht ganz idealen Bedingungen bei den eisigen Temperaturen", sagte Projektleiter Gerhard Fraidel von der Stadt Ulm dem SWR. Aber alles wurde rechtzeitig fertig.
Im Überblick: Wo geht es lang?
- B10 in Richtung Norden/Dornstadt/A8: Statt über die Brücke geht es durch die neue Unterführung rechts neben der B10
- Von der B28 in Richtung Norden/Dornstadt/A8: Führt die Umleitung zunächst nach Süden. Im Söflinger Kreisel müssen die Verkehrsteilnehmer wenden und Kurs nach Norden nehmen
- B10 in Richtung Süden/Neu-Ulm/A7: Fernverkehr über A8, im Kreuz Ulm-Elchingen auf die A7 oder örtliche Umleitungen durch Ulm
Blaubeurer Tor aus dem 19. Jahrhundert seit 1967 verkehrsbelagert
Die neue Unterführung ist nur eine Interimslösung für die kommenden drei Jahre, aber auch danach wird sie genutzt: Fußgänger und Fahrradfahrer sollen darin komfortabel und abseits des Verkehrs von A nach B kommen.
Die Brückensperrung ist ein denkwürdiger Tag für Ulm, der Historikern Freudentränen in die Augen treiben dürfte: Das historische Blaubeurer Tor aus dem 19. Jahrhundert werde ohne die Einzwängung unter der Brücke wieder in voller Pracht zur Geltung kommen, sagt Matthias Burger, Vorsitzender vom Förderkreis Bundesfestung. Die Ulmer würden sich ein Stück Ulm "zurückerobern".
Blaubeurer Tor wird beim Rückbau eingepackt
Immerhin: Bislang habe die historische Substanz im Verlauf der 59 Jahre kaum gelitten, minimal durch Streusalz, sagt Burger. Bevor die B10-Brücke abgerissen wird, wird das Blaubeurer Tor zum Schutz in Folien eingepackt. Im laut Projektleitung schwierigsten Rückbauabschnitt wird die ganze Brücke um 75 Zentimeter angehoben. Dazu sollen 40 Hydraulikpressen zum Einsatz kommen.