Er hat bei der Nationalen Volksarmee (NVA) gedient und bei der Bundeswehr Karriere gemacht. Heute ist Brigadegeneral Thomas Seifert Chef des Stabes im Multinationalen Kommando Operative Führung in der Wilhelmsburgkaserne in Ulm. Über seine außergewöhnliche Karriere, die aktuelle Weltlage und wie der Vater von zwei Söhnen zur Wehrpflicht steht, darüber hat er mit dem SWR gesprochen.
Brigadegeneral Seifert über die geänderte weltpolitische Lage
Ukraine-Krieg, NATO-Herausforderung, Iran-Krieg - die weltpolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Das hat auch Auswirkungen auf Thomas Seifert und seine Kameraden in der Ulmer Wilhelmsburgkaserne. "Wir hatten eine lange Zeit, wo wir meinten, nur von Freunden umgeben zu sein", sagt Seifert. Plötzlich sind wir von Kriegen, von Unsicherheit umgeben, aber auch bereit, wirklich was zu tun, so der Brigadegeneral weiter.
Als Soldat blicke er gelassen auf die Herausforderungen. "Es ist ein Zeichen unseres Berufs, dass man mit Bedrohung, mit Gefahren, mit Risiken leben muss. Das, was uns am Ende die Ruhe und Gelassenheit gibt, ist eine professionelle Ausbildung."
Es ist ein Zeichen unseres Berufs, dass man mit Bedrohung, mit Gefahren, mit Risiken leben muss.
Diskussion um die Wehrpflicht auch für den Brigadegeneral ein Thema
Der 61-jährige Brigadegeneral ist Vater von zwei minderjährigen Söhnen. Bei der Diskussion um die Wehrpflicht schlagen zwei Herzen in seiner Brust: das des Vaters und das des Soldaten.
"Ich bin gern Soldat bisher gewesen, und ich bin natürlich mit Leib und Seele Vater. Da mache ich keinen Unterschied. Was ich mir wünschen würde, ist, dass meine Kinder, meine Söhne, in Frieden aufwachsen können. Dazu will ich meinen Beitrag leisten", sagt Seifert.
Was ich mir wünschen würde, ist, dass meine Kinder, meine Söhne, in Frieden aufwachsen können. Dazu will ich meinen Beitrag leisten.
Er hat Verständnis, dass die junge Generation gegen die Wehrpflicht demonstriert. Es sei ein Ausdruck der Demokratie, dass diejenigen, die betroffen sind, auch ihre Meinung äußern können. Für ihn als Bundeswehrmitglied mit Verantwortung sei es wichtig, dass es genügend Soldaten gibt, um eben diesen Verteidigungsauftrag wahrzunehmen. "Und dazu braucht man auch Nachwuchs, dazu braucht man Menschen. Aber das muss man jedem selbst überlassen, wozu er sich verpflichten möchte."
Aktuell der einzige Brigadegeneral mit NVA-Vergangenheit
Der 61-Jährige ist zurzeit der einzige Brigadegeneral der Bundeswehr, der auch Offizier in der DDR-Armee NVA war. "Das ist auch eine Altersfrage", sagt Seifert. "Ich glaube, ich werde auch der Letzte sein, weil alles, was jetzt nachkommt, die Zeit der NVA nicht mehr erlebt hat."
1983 ist Thomas Seifert in die NVA eingetreten. "Alles, was mit Fliegerei zu tun hatte, war genau mein Ding", sagt er. Gelandet ist er dann bei der Luftfahrzeugtechnik. "Wir haben an Waffensystemen gearbeitet, die interessant für die westdeutschen Kameraden waren, nämlich an der MiG-29. Das war damals eines der modernsten Kampfflugzeuge."
Nach der Wende hat die Bundeswehr sich entschieden, als einziges Kampfflugzeug aus dem Osten die MiG-29 zu übernehmen. "Also brauchten sie jemanden, der die instandsetzen, warten kann, damit umgehen kann, und da hatten sie eigentlich gar nicht viel Wahl. Also entweder man übernimmt uns oder man kann das Flugzeug nicht übernehmen", erzählt Seifert.
Für ihn persönlich sei der Schritt ein Prozess gewesen. Zunächst fühlte sich der Schritt wie ein Verlust des Vaterlands an, sagt Seifert. "Ich bin mir sicher, das ging vielen Menschen anders, aber mir persönlich ging es so. Erstmal war der Rahmen weg, den man gewohnt war und alles andere hat sich dann mit der Zeit ergeben." Als Seitenwechsel hat er seinen Weg von der NVA zur Bundeswehr nicht empfunden, denn die andere Seite gab es ja nicht mehr.