Ein Kinderferienprogramm mit uniformierten Soldaten: Friedensaktivisten sprechen von Werbung für die Bundeswehr, der Bürgermeister von Ferienspaß. Jetzt organisieren beide Seiten Demonstrationen.
Demonstrationen für und gegen Kinderferienprogramm der Bundeswehr in Kellmünz
Rund 30 Menschen stehen mit Plakaten und Fahnen vor der Grundschule in Kellmünz. Auf einem der Transparente steht groß "Kein Werben fürs Töten und Sterben". Friedensaktivist Rainer Schmid hat die Demonstration mitorganisiert. Er sagt, Kinder sollen zum Frieden, und nicht zum Krieg erzogen werden.
"Hier handelt es sich um Frühmilitarisierung. Die Kinder werden gewöhnt an Militäruniformen, an Militärgeräte. Das ist Gewöhnung an den Gedanken, dass man Konflikte mit Waffengewalt lösen könnte", sorgt sich Schmid. Dass die Bundeswehr nach Nachwuchs suche, würde "in die Linie" passen. Kinderfreizeiten solle es geben, so Schmid. "Aber nicht von einer gewaltbereiten Organisation wie der Bundeswehr."
Das ist Gewöhnung an den Gedanken, dass man Konflikte mit Waffengewalt lösen könnte.
Kinderfreizeit der Bundeswehr in Kellmünz hat Tradition
Unweit der Grundschule findet nahe des Marktplatzes eine Gegendemonstration statt. Die Aktion hat auch der Kellmünzer Bürgermeister und Reserveoffizier Michael Obst mitorganisiert. "Wenn unser Ferienspaß jetzt als Projektionsfläche dienen soll für eine allgemeine Angst in der Bevölkerung, dann sind wir der falsche Adressat."
Dass die Friedensaktivisten demonstrieren, findet er aber grundsätzlich gut. Auch weil durch den Austausch eine Debatte um die Frage entstehe, wie die Gesellschaft mit der Bundeswehr umgehen sollte. "Das sind Männer und Frauen in Uniform. Aber das sind alles Brüder, Schwestern, Töchter, Enkel und Enkelinnen. Das sind Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft und das müssen wir wertschätzen."
Das sind Männer und Frauen in Uniform. Aber das sind alles Brüder, Schwestern, Töchter, Enkel und Enkelinnen. Das sind Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft und das müssen wir wertschätzen.
30 Kinder bei Bundeswehr-Ferienprogramm dabei
Seit etwa fünfzehn Jahren gibt es das Bundeswehr-Ferienprogramm in Kellmünz. Nach Auskunft des Bürgermeisters wurden noch nie so viele Kinder für die Ferienfreizeit mit der Bundeswehr angemeldet, wie in diesem Jahr. Mehr als 30 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren kommen für zwei Tage im Garten der Kellmünzer Grundschule zusammen.
Mit den Kindern wird gespielt und gebastelt, auch eine Wasserschlacht ist geplant. Es gibt eine Hüpfburg, Torwandschießen und Stockbrotbacken. An das Militär erinnern nur einzelne Elemente: Die Uniformen der Soldatinnen und Soldaten, ein grünes Tarnnetz als Sonnenschutz, und ein Bundeswehrfahrzeug.
Bundeswehrpressesprecher Hagen Messer findet die Kritik akzeptabel, steht aber zum Ferienprogramm in Kellmünz. "Solange die Marktgemeinde das möchte, und die Bundeswehr die Kapazitäten hat, auch mit freiwilligen Soldaten die sich engagieren, solange wird es auch diese Kinderfreizeit weiter geben."