Nach dem Unwetter der vergangenen Woche

Also doch: Deutscher Wetterdienst bestätigt "starken Tornado" über Ulm

Eine Allee abgeknickter Bäume, abgedeckte Dächer, demolierte Autos: Der Deutsche Wetterdienst bestätigt nun, dass in der vergangenen Woche ein "starker Tornado" über Ulm gezogen ist.

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Von Autor/in Rainer Schlenz

Tornados hinterlassen in der Regel eine Spur der Verwüstung. Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben die Spuren des Unwetters in Ulm-Donaustetten untersucht und kommen nun zum Ergebnis: Ja, das war ein Tornado - und nicht nur ein kleiner.

Zeichen von Zerstörung gibt es derzeit jede Menge in Ulm-Donaustetten: Das Haus einer Familie, vor allem das Dach, ist so stark beschädigt, dass es vorerst unbewohnbar ist.

Zahlreiche Bäume sind abgeknickt, auch die Landwirtschaft um Donaustetten herum hat mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen. Die Erdbeerernte ist hinüber, erzählt Ernst Buck vom Bauernverband Ulm-Ehingen. Auch das Grün der Kartoffelpflanzen sei zerfetzt. Fehlt das Grün, wächst die Knolle untendrunter nicht richtig.

Ulm

Großes Aufräumen im Ulmer Teilort Donaustetten "Und dann hat's reingehagelt" - Abgedeckte Dächer und demolierte Autos nach dem Unwetter in Ulm-Donaustetten

Die vom Deutschen Wetterdienst angekündigten "baseballgroßen" Hagelkörner blieben aus. Aber lokal gibt es erhebliche Schäden. Besonders betroffen: Ulm-Donaustetten.

Tornado oder kein Tornado in Ulm? Allmähliche Steigerung der Einschätzung

Nach dem Unwetter in der vergangenen Woche haben die Experten verschiedene Thesen ins Spiel gebracht: War es ein Tornado? Der Deutsche Wetterdienst war zunächst zurückhaltend: "Wir sehen das eher skeptisch. Wir gehen davon aus, dass es eher kein Tornado war", sagte ein Meteorologe noch am Donnerstag.

Später am Tag dann eine neue Einschätzung: "Ein zumindest kurzlebiger Tornado kann nicht ausgeschlossen werden", sagte DWD-Meteorologe Adrian Leyser Sturm. Auch die Feuerwehr in Ulm erhielt über Augenzeugenberichte Hinweise auf einen Tornado.

Einsatzkräfte von Feuerwehr waren in der Nacht in Ulm im Einsatz, nachdem durch das Unwetter das Dach eines Reihenhauses stark beschädigt wurde. Die Feuerwehr gehe von einer starken Windhose aus.
Einsatzkräfte von Feuerwehr sind in Ulm im Einsatz, nachdem durch das Unwetter das Dach eines Reihenhauses stark beschädigt wurde. Bild in Detailansicht öffnen
Ein umgestürzter Baum liegt über einem Gartenzaun und einer Hütte. Er muss erst zersägt werden, bevor er herausgehoben werden kann.
Ein Baum ist in einen Garten gekracht und hat dort Schäden angerichtet. Er muss erst zersägt werden, bevor er herausgehoben werden kann. Bild in Detailansicht öffnen
Am Tag danach: Nicht nur die Ziegel sind abgedeckt, auch jede Menge Dämmmaterial muss entsorgt werden.
Am Tag danach: Nicht nur die Ziegel sind abgedeckt, auch jede Menge Dämmmaterial muss entsorgt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Diesen Baum hat's übel erwischt in Donaustetten. Die Böen haben ihn aus seiner Verwurzelung regelrecht herausgedreht.
Diesen Baum hat's übel erwischt in Donaustetten. Die Böen haben ihn aus seiner Verwurzelung regelrecht herausgedreht. Bild in Detailansicht öffnen
Das Dach ist abgedeckt, herabstürzende Ziegel haben auch parkende Autos demoliert.
Das Dach ist abgedeckt, herabstürzende Ziegel haben auch parkende Autos demoliert. Bild in Detailansicht öffnen
Besondere Begegnung von Auto mit Baum. Beides zu trennen, kostet viel Kraft.
Besondere Begegnung von Auto mit Baum. Beides wieder zu trennen, kostet viel Kraft. Bild in Detailansicht öffnen
Die Scheiben zerdeppert, das Blech eingedellt. Auch hier viel Arbeit für die Bewohner von Ulm-Donaustetten.
Die Scheiben zerdeppert, das Blech eingedellt. Auch hier viel Arbeit für die Bewohner von Ulm-Donaustetten. Bild in Detailansicht öffnen
Weiße Pracht im Frühling: Zum Glück sind die Hagelkörner im Raum Ulm nicht wie befürchtet auf "Baseball-Größe" angewachsen.
Weiße Pracht im Frühling: Zum Glück sind die Hagelkörner im Raum Ulm nicht wie befürchtet auf "Baseball-Größe" angewachsen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Baumstämme haben durchgehalten in Ulm-Donaustetten, nicht aber die Äste.
Die Baumstämme haben durchgehalten in Ulm-Donaustetten, nicht aber die Äste. Bild in Detailansicht öffnen
Durchgehende Hageldecke kurz nach dem Unwetter über Ulm.
Durchgehende Hageldecke kurz nach dem Unwetter über Ulm. Bild in Detailansicht öffnen
Die Nacht über hat die Hageldecke gehalten in Ulm. Aber langsam schmilzt der Hagel wieder weg.
Die Nacht über hat die Hageldecke gehalten in Ulm. Aber langsam schmilzt der Hagel wieder weg. Bild in Detailansicht öffnen
Sogar eine Straßenlaterne wurde von den starken Windböhen umgeknickt.
In Ulm wurden durch das Unwetter Dächer abgedeckt und Autos beschädigt. Bild in Detailansicht öffnen
Abgeknickte Bäume säumen nach einem Gewitter in Ulm den Straßenrand.
Abgeknickte Bäume säumen nach einem Gewitter in Ulm den Straßenrand. Bild in Detailansicht öffnen
Hagel liegt auf den Feldern bei Laupheim (Kreis Biberach).
Hagel liegt auf den Feldern bei Laupheim (Kreis Biberach). Bild in Detailansicht öffnen
Durch das Unwetter in Ulm wird ein Baum in einem Garten umgeworfen.
Durch das Unwetter in Ulm wird ein Baum in einem Garten umgeworfen. Bild in Detailansicht öffnen

Endgültige Einschätzung

SWR-Wetterexperte Hartmut Mühlbauer erwähnte noch eine andere Möglichkeit: Möglicherweise hätten "Fallböen" zu den Schäden geführt. Der Unterschied: Ein Tornado schleudert Gegenstände kreisförmig von ihrem Ursprungsort weg. Fallböen drücken die Gegenstände einfach nach unten.

Exakt solche Spuren hat der DWD nun genauer untersucht. Und das Ergebnis klingt deutlich drastischer als in der vergangenen Woche. Ein "starker Tornado" sei in der vergangenen Woche über Ulm-Donaustetten gezogen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme.

Der Tornado habe eine "ausgesprochen lange Zugbahn von über zehn Kilometern" gehabt, berichtete der Tornado-Experte Marcus Beyer vom DWD. Der Tornado habe auf der internationalen Intensitätsskala die Stufe "IF 2" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde erreicht. Von dieser Stärke an werde von signifikanten oder auch starken Tornados gesprochen. "Es ist der erste signifikante Tornado dieser Saison", so Beyer. 

Die Baumstämme haben durchgehalten in Ulm-Donaustetten, nicht aber die Äste.
Die Baumstämme haben durchgehalten in Ulm-Donaustetten, nicht aber die Äste.
Ulm

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Rainer Schlenz
Rainer Schlenz