Für seine Expansionspläne hat der Kranhersteller Liebherr in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) im vergangenen Jahr 54 Hektar Land von der Stadt gekauft und somit seinen bestehenden Standort im Stadtteil Berg auf rund 150 Hektar erweitert. Bereits beim offiziellen Spatenstich im September vergangenen Jahres war klar: Die Pläne, neue Lager- und Produktionsflächen zu bauen, müssen an die aktuelle wirtschaftliche Lage angepasst werden. Vorerst wird lediglich die Hälfte der neuen Fläche erschlossen. Das sei allerdings keine Abkehr vom Standort Ehingen, versichert das Unternehmen.
Containerlösung: Das plant Liebherr in Ehingen "am Berg"
Auf 25 Hektar werden gerade täglich 100 bis 120 Lkw-Ladungen Bodenmaterial durch Schotter ersetzt. "Um das Gelände tragfähig zu bekommen", sagt Tobias Ilg, Sprecher des Liebherr-Werks Ehingen, auf SWR-Anfrage. Etwa zehn Hektar des neuen Geländes direkt am Stammwerk im Ehinger Teilort Berg werden als Lager- und Logistikfläche vorbereitet. Liebherr Ehingen mietet zurzeit in ganz Süddeutschland Lagerflächen an - die sollen aufgegeben und "am Berg" zentralisiert werden.
Außerdem ist ein Gebäude für die Übergabe von fertigen Kränen an Kunden geplant sowie Platz für Umkleiden, Schulungs- und Sozialräume. Die Räumlichkeiten werden alle nicht in üblicher Weise gebaut - sondern aus Containern in Systembauweise errichtet. Das gebe dem Unternehmen einen gewissen Grad an Flexibilität, sagt Ilg: "Wir wissen noch nicht, wie viel wir auch in Zukunft davon brauchen werden."
Spatenstich für Großprojekt Kranbauer in Ehingen: Liebherr baut Standort um weitere 50 Hektar aus
Der Kranhersteller Liebherr erweitert seinen Standort im Ehinger Stadtteil Berg um 500.000 Quadratmeter. Am Mittwoch war symbolischer Spatenstich für das Großprojekt.
Keine Abkehr vom Standort Ehingen
Das bedeute nicht die Abkehr vom Standort Ehingen, versichert Ilg. Ganz im Gegenteil: Man wirtschafte entlang der Nachfrage und des Marktes. Die Pandemie, Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine, steigende Energiekosten, das Zölle-Pingpong von Donald Trump - in der aktuellen Lage sei es schwer für Unternehmen, den Markt vorherzusehen, so Ilg.
Wir haben vor fünf Jahren anders geplant als heute.
Vor fünf Jahren sei die Erweiterung für den Standort Ehingen geplant worden. Erst viereinhalb Jahre später, also 2025, habe man das Grundstück erwerben können. "Wir haben vor fünf Jahren anders geplant als heute", sagt der Unternehmenssprecher.
Betriebsrat: Arbeitnehmerschaft unterstützt vorsichtige Strategie
Laut Betriebsrat wurden 2025 in Ehingen rund 300 Krane weniger produziert als im Vorjahr. Liebherr verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzeinbruch um 10 Prozent. Dennoch war 2025 das zweitbeste Jahr in der Firmengeschichte des Liebherr-Werks Ehingen. Angeführt von 2024, mit 13 Prozent mehr Umsatz als 2023.
"Die Arbeitnehmerschaft ist nicht unglücklich, dass das Unternehmen da sehr vorsichtig agiert und investiert", sagt der Betriebsratsvorsitzende Rolf Ebe zu den Entwicklungen in Berg. "Es ist durchaus richtig, in so unklaren Zeiten eher aus der bisher bestehenden Fabrik die Möglichkeiten zu nutzen und das neue Gelände entlang der Nachfrage zu aktivieren."
Geschäftsführung "vorsichtig optimistisch"
Man sei für 2026 wieder "vorsichtig optimistisch", bestätigt Sprecher Ilg. Die Produktion sei ausgelastet, der Auftragseingang sei "gut". Man erwarte einen Umsatz zwischen den beiden Erfolgsjahren 2024 und 2025. Auch sei man bereits an der konkreten Ausarbeitung für ein Produktionsgebäude, das auf das neue Gelände tatsächlich gebaut werden soll.
"Liebherr hat uns immer gesagt, dass die Entwicklung in Berg entlang der Nachfrage erfolgen wird", zeigt sich Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann (CDU) verständnisvoll. Das Unternehmen habe in den letzten Jahren mehr als 1.000 Mitarbeitende in Ehingen aufgebaut und sei seit vielen Jahren ein verlässliches Unternehmen in der Stadt - mit heute rund 5.000 Beschäftigten.
30 Hektar in Ehingen weiterhin an Landwirte verpachtet
Die übrigen rund 30 Hektar Gelände in Ehingen-Berg sind weiterhin an Landwirte verpachtet. Das Land werde erst nach Bedarf in den kommenden Jahren erschlossen, so Tobias Ilg: "Gerade in der heutigen Zeit muss man nicht versiegeln, was nicht versiegelt werden muss."