Mit Feuerzeug an Zapfsäule

"Auf einmal eine riesige Stichflamme": Mitarbeiterin löscht Brand an Tankstelle in Ehingen

Ein Autofahrer soll an einer Zapfsäule in Ehingen mit einem Feuerzeug einen Brand verursacht haben. Geistesgegenwärtig löscht eine Mitarbeiterin das Feuer, bevor Schlimmeres passiert.

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Von Autor/in Ole Hilgert, Dennis Bechtold

In Ehingen im Alb-Donau-Kreis soll ein 18-jähriger Mann für einen Brand an einer Tankstelle verantwortlich sein. Mutmaßlich hat er sein Feuerzeug am Tankstutzen entzündet. Sein 17-jähriger Beifahrer erleidet dabei Verletzungen im Gesicht. Eine Mitarbeiterin griff beherzt ein und erstickte die Flammen mit einem Feuerlöscher.

Brand an Tankstelle in Ehingen

Dienstagabend, eine Tankstelle am Ortseingang, direkt an der Bundesstraße 311. Jennifer Halder hat gerade Schicht, als ein junger Mann an eine Zapfsäule fährt. Gemeinsam mit seinem Beifahrer steigt er aus und beginnt zu tanken. "Auf einmal ist eine riesige Stichflamme gekommen", erinnert sich Jennifer Halder. "Dann bin ich losgerannt und habe den Feuerlöscher geholt."

Währenddessen hatten der Boden und Teile des Autos Feuer gefangen. Ihr Eingreifen sei eine "Blitzreaktion" gewesen, so die 31-Jährige. "In dem Moment habe ich gar nicht darüber nachgedacht, ob mein Leben in Gefahr ist." Als sie an der Zapfsäule ankommt, sind die größten Flammen bereits aus. Jennifer Halder gelingt es, den restlichen Brand zu löschen, bevor noch Schlimmeres passiert.

Jennifer Halder mit einem Feuerlöscher in der Hand vor der Zapfsäule in Ehingen, an der ein Brand verursacht wurde.
Jennifer Halder hat sofort gehandelt und den Brand an der Tankstelle in Ehingen gelöscht.

Beifahrer erleidet Verbrennungen im Gesicht

Etwas Schlimmes war aber schon geschehen: Der 17-jährige Beifahrer erleidet Verbrennungen, Jennifer Halder hilft ihm daraufhin mit kaltem Wasser. "Sein ganzer Hals war verbrannt, sein Gesicht war angeschwollen, seine Augen waren ziemlich zu." Der 18-jährige mutmaßliche Brandverursacher hingegen soll sich mehrfach entschuldigt haben.

Nach dem Löschen des Brandes tankt der junge Mann weiter. Dabei werden noch einmal Flammen entdeckt. "Allerdings unten an der Bremsscheibe", so Jennifer Halder. Diese seien schnell gelöscht gewesen. Daraufhin habe sie dem 18-Jährigen geraten, das Tanken jetzt sein zu lassen und seinen Freund ins Krankenhaus zu fahren. "Ich glaube, er hat realisiert, dass er einfach einen großen Mist gebaut hat."

Jennifer Halder ruft daraufhin ihren Vorgesetzten Axel Kirsamer an und schildert ihm die Situation. Der Tankstellenbesitzer kommt aus dem Feierabend zurück und sichtet gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin das Überwachungsvideo.

Ich musste mir das mehrmals anschauen, weil ich es einfach nicht glauben konnte und wollte, was ich hier wirklich sehe.

Die Zapfpistole, die der junge Mann genutzt haben soll, um sein Auto zu betanken. Mutmaßlich mit einem Feuerzeug hat er den Brand an der Tankstelle in Ehingen verursacht.
Leichte Brandspuren sind an der Zapfpistole noch zu sehen. Der junge Mann soll sie sofort aus dem Auto gezogen haben, als das Benzin Feuer fing.

Videokamera zeichnet Brand auf

Dort sieht es so aus, als habe der 18-Jährige ein Feuerzeug aus seiner Hosentasche geholt und direkt am Tankstutzen entzündet, erklärt Kirsamer. Diese Version deckt sich auch mit der Mitteilung der Polizei. "Ich dachte wirklich, es ist ein Fake. Ich musste mir das mehrmals anschauen, weil ich es einfach nicht glauben konnte und wollte, was ich hier wirklich sehe."

Das Einschreiten seiner Mitarbeiterin Jennifer findet er "vorbildlich, tadellos, heldenhaft." Ihr Eingreifen sei keine Selbstverständlichkeit. "Ich bin froh, dass sie da war, dass sie so reagiert hat und unendlich dankbar." Einen Brand habe es bisher an seiner Tankstelle noch nie gegeben. Und auch von Kollegen habe er noch nie von einem ähnlichen Fall gehört. Er will künftig seine Mitarbeiter weiter sensibilisieren, damit sie im Notfall ähnlich reagieren wie Jennifer Halder.

Mutmaßlicher Brandverursacher kommt am nächsten Tag nochmal

Für das mutmaßlich fahrlässige Verhalten des jungen Mannes hat Kirsamer "null Verständnis." Jedes Kind spätestens in einer weiterführenden Schule wisse, dass Feuer an einer Tankstelle gefährlich ist.

Immerhin: Der 18-Jährige kam am nächsten Tag nochmal an die Tankstelle. "Er war reumütig. Ihm war eine Nacht später sehr deutlich bewusst, was er da angerichtet hat, dass es kein einfacher Streich war", so Kirsamer. "Ich fand es gut, dass er die Courage hatte, gekommen ist und sich entschuldigt hat."

Axel Kirsamer im Gespräch mit SWR Reporter Ole Hilgert über den Brand an seiner Tankstelle in Ehingen.
Tankstelleninhaber Axel Kirsamer (li.), hier im Gespräch mit SWR-Reporter Ole Hilgert, konnte seinen Augen kaum trauen, als er das Überwachungsvideo vom Brand an der Tankstelle in Ehingen gesehen hat.

Polizei ermittelt, Schäden überschaubar

Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen. "Zum Tatmotiv liegt uns noch nichts vor", so eine Polizeisprecherin. Der 18-Jährige habe bisher die Aussage verweigert. Aktuell sollen noch Vernehmungen durchgeführt und Videomaterial ausgewertet werden.

An der Tankstelle und der Zapfsäule selbst hat Besitzer Kirsamer bisher keine größeren Schäden entdeckt. Das werde allerdings auch noch "fachmännisch überprüft." Er möchte sich nicht ausmalen, "was da alles noch hätte passieren können", so Kirsamer. "Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Ole Hilgert
Dennis Bechtold
SWR-Aktuell Redakteur Dennis Bechtold

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