Ostern in Schechingen ist, wenn 13.500 bemalte Eier an ihrem genau vorherbestimmten Platz sitzen: Wachteleier, Hühnereier, Gänseeier, Straußeneier. Aber die Macherinnen und Macher des Osterbrunnens liegen gut im Rennen.
Erstmals Thema des Osterbrunnens: Peter Maffay und Wilhelma
Das Rathaus in der Gemeinde im Ostalbkreis wird zum Friseursalon: In einem Raum im Erdgeschoss schneiden zwei Frauen Peter Maffay mal eben noch ein paar Locken ab. Nicht dem echten. Einer Schaufensterpuppe. Der echte Maffay hatte im vergangenen Jahr ein Ei mit seinem Porträt überreicht bekommen. Ein weiblicher Fan hatte beim Besuch des Osterbrunnens das Ei entdeckt und wollte es den Machern abkaufen. Die lehnten zunächst ab, denn Osterbrunnen-Eier sind grundsätzlich unverkäuflich.
Stattdessen malten sie ein neues Maffay-Ei. Das überreichten Malerin und Verehrerin dem Sänger am Starnberger See. Der revanchierte sich ebenfalls mit einem Ei: signiert und mit Widmung versehen. Dieses Ei ziert nun dieses Jahr den Brunnen. Eine lebensgroße (besser gesagt überlebensgroße) Peter-Maffay-Puppe steht daneben, samt E-Gitarre und Leberfleck über der Oberlippe.
Daneben hängen oder stecken 375 bemalte Eier dieses Jahr erstmals am Schechinger Osterbrunnen. Neben dem Peter-Maffay-Ei ist ein komplett neues Thema dazugekommen: die Stuttgarter Wilhelma.
Die Besucherinnen und Besucher stehen einem Löwen, einem Gorilla und einem Koala Auge in Auge gegenüber - und das war nur eine kleine Auswahl. Sogar eine Tarantel umfasst mit ihren acht behaarten Beinen ein Gänseei.
Tolles Team mit tollen Talenten
Wer in die ausdrucksvollen und detailreichen Tiergesichter blickt, glaubt kaum, dass ihre Schöpferinnen und Schöpfer durch die Bank Amateure sind. Viele sind seit Jahren dabei und haben voneinander gelernt. Und alle im rund siebzigköpfigen Team sind Perfektionisten: Die Eierbemaler, die Grüngutsortierer, die Zweigeschneider, die Bögenbinder, die Aufbauer von Zelt und Verpflegungshütten.
In der Aufbauwoche des Osterbrunnens fangen sie in der Regel um 8 Uhr an und hören um 18 Uhr auf. "Das ist so ein tolles Miteinander, eine tolle Gemeinschaft, und deswegen tun sich die Leute das an", erzählt Iris Jekel. Sie ist seit dem ersten Osterbrunnen vor 24 Jahren dabei und eine der treibenden Kräfte des Teams.
Beschädigte Eier werden in Schechingen repariert
Auch einige Eier gehören sozusagen zur Stamm-Belegschaft. Iris Jekel lässt ihren Blick über den gelben Teil des Brunnens schweifen - dann tippt sie auf ein Ei mit einer Jahreszahl: 2003. Das war das zweite Jahr des Schechinger Osterbrunnens.
Schwund ist immer. Die alte Kaufmanns-Weisheit trifft auch auf den Schechinger Osterbrunnen zu. Jedes Jahr werden Eier vom Sturm zerdeppert oder gehen auf andere Weise verloren. Wobei: Nicht jeder Riss in der Schale bedeutet das unwiederbringliche Aus für ein Ei. Wenn immer möglich, wird es repariert. Mit einem Acryl-Kleber aus dem Baumarkt. Nach dem Kleben muss es wieder grundiert und lackiert werden. Genau 1.405 Eier hat ein versierter Mitarbeiter für diese Saison "gerettet".
Osterbrunnen Schechingen bleibt drei Wochen
Wenige Tage vor der Eröffnung stecken alle Eier an Schaschlikspießen und die wiederum in mit Grünzeug ummantelten Stroh-Streben. Auf den unbedarften Betrachter wirkt der Brunnen fertig, aber auf dem Schechinger Marktplatz geht es nach wie vor lebhaft zu: Mehrere Mamis von Kita-Kindern liefern von den Kindern gemalte Eier ab und auch die werden an dem für sie eingeplanten Platz vor dem Brunnen platziert. In einer Ecke stutzen mehrere Männer das Grünzeug zurecht. Zwei andere schleppen eine Gasflasche Richtung einer der beiden Verpflegungshäuschen.
Drei Wochen lang, bis 19. April, kann der Brunnen besichtigt werden. Allein 28 Busse sind bis jetzt angemeldet. Wie viele Besucherinnen und Besucher dieses Jahr kommen? Das hängt nicht zuletzt vom Wetter ab, weiß Iris Jekel. An einem Ostersonntag waren es mal zwischen 5.000 und 7.000. Über den Daumen gepeilt. Gezählt hat sie niemand.