Schon am Vormittag nach der bitteren 0:2-Niederlage gegen Mainz und dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zieht es Jens Fehleisen und Lara Heinzmann aus dem knapp 20 Kilometer entfernten Bartholomä schon wieder zur Voith-Arena. Die beiden FCH-Fans wollen das Erlebte noch ein wenig "nachklingen" lassen mit einem Spaziergang um das Stadion und einer Einkehr in die Vereinsgaststätte "Albstüble".
Klar sei man ein wenig enttäuscht, meinen die beiden. "Aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen", sagt Fehleisen, "die Reise in die Bundesliga war für uns ein Traum." Und dafür sei er dankbar. Jetzt greife man halt in der Zweiten Liga wieder an. "Der FCH wird immer Teil von mir bleiben." Und seine Freundin ergänzt: "Immer nur gewinnen und aufsteigen, wäre ja langweilig."
Gleich nach dem Gottesdienst am Sonntagmorgen ist FCH-Fan Thomas, der nur seinen Vornamen nennen will, mit dem Fahrrad auf den Schlossberg gekommen. Bei einer Tasse Kaffee auf der sonnigen Terrasse des "Albstübles" blickt er zurück. Das Ergebnis dieser Saison sei für ihn völlig in Ordnung. Er sei nicht enttäuscht. "Der FCH geht jetzt gefestigt in die Zweite Liga."
Das viel gepriesene Heidenheimer Wir-Gefühl sieht Thomas allerdings auch etwas kritisch. "We are family" sei hier der allgegenwärtige Slogan. "Dabei finde ich persönlich, dass hier zu wenig Kritikoffenheit herrscht. Entweder Du gehörst zur Familie oder eben nicht."
Abstieg ist Stadtgespräch in Heidenheim
Unten in der Stadt hängt noch die FCH-Trikotsammlung auf der Wäscheleine über der Hinteren Gasse. Die hatte Wirt Frank Zeger vor seiner Gaststätte für den letzten Bundesligaspieltag hochgezogen. Doch das Café Mélange hat sonntags geschlossen.
Auch in der Fußgängerzone wird über Fußball und den Abstieg geredet. "Man hat damit rechnen können, dass es diese Saison nichts wird", erklärt Stefan Schuster. Der Kader sei einfach zu schwach gewesen. Dennoch sei er stolz auf den FCH und die drei Jahre Bundesliga. "Sie werden sich wieder erholen," sagt Schuster, "und nächstes Jahr sind sie wieder da."
Fans halten zu ihrem FCH
Robert Obermeier war im Stadion und berichtet trotz Abstiegs von einer positiven Stimmung. "Ich fand es ganz toll, wie die Fans nach dem Abpfiff gesungen und das Team unterstützt haben." Auch Obermeier werde in der kommenden Zweitliga-Saison weiterhin ins Stadion gehen und seinem FCH die Daumen drücken.
Ein einzelner Mainz-05-Fan ist in der Heidenheimer Fußgängerzone am Tag danach unterwegs. Er hat hier übernachtet und ist noch ganz beeindruckt von den einheimischen Fans. "Trotz des Abstiegs herrschte eine großartige Stimmung. Eine Mega-Fankultur in Heidenheim", sagt der Mainzer Anhänger. Und aus Sicht des Auswärtsfans fügt er noch hinzu: "Ich glaube jeder in Deutschland hat Sympathien für den FCH - wenn man sich nur überlegt, wie viel die mit wie wenig Mitteln erreicht haben."
Heidenheimer OB sieht keine Tragik im Abstieg
Von Heidenheims Stadtoberhaupt kommen am Montag Lob und Anerkennung für den FCH. "Drei Jahre Bundesliga, Europapokal, Chelsea auf dem Schlossberg. Das hätte sich, glaube ich, niemand erträumen lassen", sagt Michael Salomo (SPD) am Montag im Interview mit dem SWR.
"Drei Jahre Bundesliga, Europapokal, Chelsea auf dem Schlossberg. Das hätte sich, glaube ich, niemand träumen lassen."
Natürlich sei auch er ein bisschen enttäuscht, gibt er zu. Doch große Tragik sieht Salomo im Abstieg in die Zweite Liga nicht. "Das ist auch wirklich sehr hochwertiger Fußball, und da können wir weiterhin als Heidenheimer und Heidenheimerinnen stolz sein."
Nach der Niederlage hätten sich mehrere Bundestagsabgeordnete bei ihm gemeldet und Trost gespendet, erzählt der OB. Sogar ein früherer Bundesminister. "Rudolf Scharping hat mir gestern noch eine SMS geschickt, wo er geschrieben hat: Ihr schafft das wahrscheinlich bald wieder in die Erste Liga zurück".
"Das Stadion wird trotzdem voll bleiben."
Pläne zum Ausbau der Voith-Arena unverändert
Auf den für das kommende Jahr geplanten Ausbau der Voith-Arena auf dem Schlossberg wirkt sich der FCH-Abstieg nach Kenntnis von Michael Salomo nicht aus. "Das Stadion wird trotzdem voll bleiben", ist der Heidenheimer OB überzeugt. Und gibt sich optimistisch. "Ich bin mir noch nicht so sicher, ob wir auf Ewigkeiten in der Zweiten Liga bleiben, oder ob wir uns jetzt einfach neu sortieren und dann vielleicht wieder zurückkommen."