In Ulm wird die Fernwärme massiv ausgebaut. In Schwäbisch Gmünd-Bettringen hingegen würden sich einige Bürger darüber freuen, auf eine andere Wärmequelle umsteigen zu können. Doch das ist aufgrund alter Verträge erstmal nicht möglich.
- Protest gegen Nutzungspflicht von Fernwärme in Schwäbisch Gmünd-Bettringen
- Ulm sieht Fernwärme als Zukunftsmodell
Fernwärme muss in Schwäbisch Gmünd-Bettringen genutzt werden
Thomas Kuchinke aus Schwäbisch Gmünd-Bettringen im Ostalbkreis hat sein Haus eigentlich nach den neuesten Standards saniert. Die Solaranlage auf dem Dach ist installiert. Im Keller ist bereits alles vorbereitet für den Einbau einer Wärmepumpe.
Heizen darf er damit aber nicht. Wegen eines alten Vertrags mit der Stadt - der sogenannten Grunddienstbarkeit - ist er gezwungen, Fernwärme zu nutzen. Das steht so im Grundbuch. "Ich kann raus aus dem Liefervertrag, aber es wird darauf hingewiesen, dass weiterhin die Grunddienstbarkeit besteht", fasst er seine Situation zusammen. Im Klartext: Den Fernwärmevertrag hat er zwar gekündigt, eine andere Art von Heizung betreiben darf er aber nicht.
Fernwärme in Bettringen: Stadt schlägt Alternative vor
So wie ihm geht es auch seinen Nachbarn. Trotz steigender Preise und eines maroden Fernwärnenetzes sind sie daran gebunden. Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat als Lösung vorgeschlagen, am neu geplanten Nahwärmenetz des Nachbarviertels mitzumachen. Bis das fertig ist, dürften Jahre vergehen.
So lange will Thomas Kuchinke nicht warten. Er würde lieber früher als später seine eigene Wärmepumpe nutzen. Eine Bürgerbefragung soll klären, was die Anwohner lieber haben wollen: eigene Heizung oder Wärmenetz. Im Mai entscheidet dann der Gemeinderat über die Zukunft des Fernwärmenetzes in Schwäbisch-Gmünd Bettringen.
Ulm sieht Fernwärme als Zukunftsmodell
Dass es auch anders laufen kann, zeigt sich in Ulm. Die "Fernwärme Ulm GmbH" (FUG) baut hier die Fernwärme massiv aus. Ein Drittel aller Ulmer Haushalte ist bereits an die Fernwärme angeschlossen, Ziel sind mehr als 50 Prozent.
Auch, weil die Nachfrage nach Fernwärme stetig steigt, meint Michael Berger, Technischer Geschäftsführer der FUG. "Wenn wir früher zwanzig bis fünfundzwanzig Anschlüsse im Jahr gemacht haben, sind wir heute bei siebzig bis achtzig. Wobei nicht nur eine Partei angeschlossen wird, sondern große Wohnblocks."
Deshalb werden jedes Jahr auch bis zu fünf Kilometer Fernwärmerohre in der Stadt verlegt. Die FUG baut außerdem auch einen neuen Wärmespeicher. Der hat so gewaltige Ausmaße, dass er künftig das Stadtpanorama prägen wird. 84 Meter hoch und einen Durchmesser von 35 Metern wird der Koloss haben wenn er fertig ist. Darin soll dann das warme Wasser gespeichert werden, dass durch die Rohre der Fernwärmeleitungen fließt.
Fernwärme: Nachhaltig und wartungsarm
Durch den Ausbau der Fernwärme will die Stadt Ulm die Wärmewende vorantreiben und die Ziele des kommunalen Wärmeplans einhalten. Der schreibt vor, dass Ulm bis 2040 klimaneutral werden soll. "Ich sehe die Fernwärme als den größten Player bei der Wärmeplanung", meint Fabian Briemle von der Stadt Ulm. Er ist Projektleiter für die kommunale Wärmewende der Stadt Ulm. "Wenn man den Energieträger umstellt, kann man auf einen Schlag zehntausende Haushalte umstellen."
Denn die Fernwärme Ulm GmbH verbrennt statt Kohle mittlerweile größtenteils Altholz um die Wärme zu erzeugen. So soll sie dabei helfen, fossile Energieträger einzusparen und den CO2-Ausstoß zu verringern.
Die Fernwärme in Ulm bietet außerdem einen weiteren, ganz zentralen Vorteil: Kunden, die sich hier anschließen lassen, sind - anders als Thomas Kuchinke und seine Nachbarn in Bettringen - nicht dauerhaft daran gebunden. Der Vertrag kann jährlich gekündigt werden, um dann auf eine andere Wärmequelle umzusteigen. Zum Beispiel eine Wärmepumpe, wie Kuchinke sie gerne hätte.