Fernwärme, Gasheizung und Wärmepumpe - das Interesse an Themen rund um die Wärmewende scheint groß zu sein. Auf den Aufruf von SWR und CORRECTIV, über eigene Erfahrungen zu berichten, haben allein am ersten Tag Hunderte reagiert. Kurze Zeit später waren es mehr als 1.000 - und es werden immer mehr. Die Beteiligung läuft noch bis Anfang November.
- Welche Themen beschäftigen die Menschen?
- Große Bereitschaft Heizung umzustellen und zu investieren
- Zufrieden mit Umstellung: Positive Beispiele
- Ablehnung gegenüber Wärmewende: Nicht alles sehen Handlungsbedarf
- Reaktion auf "Habeck Heizhammer" und Diskussionen um Wärmepumpen
- Es geht teilweise um viel Geld - Angst vor hohen Kosten
- Bitte und Wünsche an SWR und CORRECTIV
Welche Themen beschäftigen die Menschen?
Egal ob Wärmenetz, Pellet- oder Gasheizung, ob Ölheizung, Wärmepumpe oder Solarthermie - zu allen Themen rund ums Heizen kommen etliche Einsendungen. Oft genannt werden auch die Themen Handwerker, Beratung und Fördermittel. Ein Hauseigentümer aus Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) würde beispielsweise gern von Öl auf eine Wärmepumpe umstellen. Doch er berichtet von "Totaler Überforderung und sehr unterschiedlichen Aussagen bezüglich der Machbarkeit. Die einen sagen, unser Haus ist für eine Wärmepumpe überhaupt nicht geeignet, die anderen sagen, es geht".
Eine Person aus Karlsruhe würde gern statt mit Gas künftig mit einer Wärmepumpe heizen. Aber sie hat nach eigenen Angaben schlechte Erfahrungen mit Handwerkern gemacht. Sie schreibt: "Handwerker sind rar und oft nicht willig, sich zu den neuen Technologien fortzubilden."
"Druck im Kessel - Wie trifft mich die Wärmewende?" Wärmewende-Projekt beendet: Vielen Dank für Ihre Beteiligung
Welche Erfahrungen haben Sie mit einem Heizungstausch gemacht? Welche Fragen haben Sie? SWR und CORRECTIV wollten wissen, was die Menschen in BW rund um die Wärmewende beschäftigt.
Schwierig wird es, wenn Leistungen nicht erbracht werden. Jemand aus Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) schreibt, dass er die mehr als 30 Jahre alte Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt habe. Der KfW-Zuschuss sei zügig abgewickelt worden. Doch sie warte immer noch auf die Abrechnung für den Wärmepumpenstrom - und das obwohl der Einbau der Wärmepumpe bereits 2023 gewesen sei. Nun steht die Überlegung im Raum, einen Anwalt einzuschalten.
Ich wünsche mir Kontrollmöglichkeiten für Fernwärmepreise.
Wer sich für den Anschluss an ein Wärmenetz entscheidet, muss sich zwar nicht um Instandhaltung und Reparatur von Heizkessel oder Wärmepumpe kümmern und auch die Kaminkehrerkosten entfallen, aber er oder sie hat auch keinen Einfluss auf den Fernwärmepreis. Ein Wohnungseigentümer aus Villingen-Schwenningen spricht von einem "quasi Monopol". Er schreibt: "Ich wünsche mir Kontrollmöglichkeiten für Fernwärmepreise, zumindest Vergleichsmöglichkeiten und Transparenz und Verpflichtungen der Fernwärmeanbieter, sparsam zu wirtschaften."
Auch das Thema Alter der Menschen spielt eine Rolle, schließlich geht es um weitreichende Weichenstellungen und finanzielle Beträge, die sich in der Regel nicht besonders kurzfristig rechnen. So schreibt eine 88-jährige Person aus Stuttgart: "Es muss eigentlich dringend was gemacht werden an meinem Haus. Die Fenster sind 50 Jahre alt. Aber die Modernisierung würde ich meinen Kindern überlassen. Da möchte ich mich jetzt nicht mehr darum kümmern."
Energiewende und Heizungstausch Verbraucherschützer: "Viele Angebote für Wärmepumpen unvollständig"
Die Verbraucherzentrale RLP hat rund 160 Angebote für Luft-Wasser-Wärmpumpen in Einfamilienhäusern ausgewertet. Teils fehlen Hinweise auf notwendige Arbeiten und deren Kosten.
Große Bereitschaft Heizung umzustellen und zu investieren
Die Themen Wärmewende, Heizungstausch und Sanierung sind komplex und anspruchsvoll. Das schildern uns viele Personen. Zentrale Fragen sind dabei: Wem kann ich vertrauen? Welche Maßnahmen kann ich mir leisten? Rechnen sie sich und wenn ja, wann?
Nie mehr Gas, kein Geld mehr für fossile Energie und autoritäre Staaten!
Auffallend ist, dass bislang ein weit überwiegender Anteil der Antworten positiv gegenüber dem Thema Wärmewende ist. Zwar seien die Kosten teilweise hoch, aber man investiere das Geld bewusst, heißt es mehrfach. Oft werden als Motivation Klimaschutz und Kostenersparnis genannt. Ein Mann aus Tettnang (Bodenseekreis) schreibt beispielsweise, er habe 2022 eine Wärmepumpe eingebaut, seitdem herrsche "große Genugtuung" und begründet es mit den Worten: "Nie mehr Gas, kein Geld mehr für fossile Energie und autoritäre Staaten!" Er selbst habe einen 35-prozentigen Zuschuss über die KfW erhalten. Nur ein Heizkörper habe vergrößert werden müssen. Insgesamt habe er 13.500 Euro investiert.
Zufrieden mit Umstellung: Positive Erfahrungen
Viele Personen berichten auch von einer bereits getätigten Umstellung. Eine Mieterin aus Lörrach schreibt beispielsweise, dass der Vermieter von Gas auf Fernwärme umgestellt habe. Damit ist sie sehr zufrieden. Sie schreibt: "Kein Aufwand von uns und ist ja insgesamt billiger, deswegen haben wir uns gefreut."
In Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) ist ein Hauseigentümer selbst aktiv geworden. Nachdem seine Gasheizung kaputt gegangen war, habe er mit Heizungsbauern "lange Diskussionen mit abartig hohen Angeboten und auch mit unwissenden Elektrikern ziemlich viel Zeit verschwendet". Letztlich habe er sich eine Wärmepumpe selbst eingebaut. Kosten nach eigenen Angaben: 5.500 Euro. Sein Fazit: "Jetzt ist es ausreichend warm, umweltfreundlich, nachhaltig und zukunftssicher. Da können die anderen Technologien wie Wärmenetze und so weiter kostenseitig nicht mithalten. Würde ich sofort wieder machen."
Ablehnung gegenüber Wärmewende: Nicht alle sehen Handlungsbedarf
Die Themen Heizen und Wärmewende treiben viele Menschen um. Das leiten wir aus der großen Zahl der Rückmeldungen ab und aus der Art, wie engagiert, kompetent und ausführlich die Fragen beantwortet werden. Aber es gibt auch Menschen, die keinen Handlungsbedarf sehen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
So kommt eine Rückmeldung aus Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis), bei der es darum geht, die Ölheizung weiter zu nutzen: "Eine funktionierende Heizungsanlage möchte ich nicht verschrotten, ist ökologisch wenig sinnhaft. Die Umstellung auf erneuerbare Wärmeträger ist aber bei einem Austausch vorgesehen."
Ökologische Wärmeversorgung ist Schwachsinn und pure grüne Ideologie.
Das sieht jemand aus Ebersbach an der Fils (Kreis Göppingen) anders. Der Mann oder die Frau lehnt eine ökologische Wärmeversorgung grundsätzlich ab. Diese sei "Schwachsinn" und "pure grüne Ideologie".
Ein Hauseigentümer aus Kehl, der mit Öl heizt, schreibt: "Ölheizung ist langlebig, robust, sparsam, kostengünstig. Des Weiteren kann ich unabhängig bei zum Beispiel einem 3.000-Liter-Tank rund 30.000 Kilowattstunden Energie lagern.
Reaktionen auf "Habeck-Hammer" und Diskussionen um Wärmepumpen
Kaum eine Heizart wurde zuletzt so emotional diskutiert wie die Wärmepumpe. Viele Teilnehmende schreiben, dass sie die Ablehnung nicht nachvollziehen könnten und andere Erfahrungen gemacht hätten. So schreibt eine Person aus Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg): "Die 'Habeck-Diskussion' ist mir völlig unverständlich. Nach meinen Erfahrungen nach zwei kompletten Heizperioden, sehe ich, dass die Wärmepumpe ordentlich installiert und eingestellt sehr gut und günstig auch im Altbau (aber mit Fußbodenheizung) bestens und sehr effektiv funktioniert, auch ohne andere Investitionen wie Fassadendämmung oder gar Photovoltaik."
Eine Hauseigentümerin aus Kehl nutzt ihre Wärmepumpe nach eigenen Angaben schon über zehn Jahre. Die durchschnittlichen Heizkosten pro Monat gibt sie mit 80 bis 90 Euro an. Das ist vergleichsweise wenig, allerdings nur bedingt aussagekräftig, da die Heizkosten vor allem auch von der zu beheizten Fläche abhängen. Günstig wirkt sich sicherlich aus, dass sie einen Teil des Stroms über die eigene Photovoltaikanlage bezieht.
Die Zuschüsse für Wärmepumpen sind viel zu hoch. Damit wird Schindluder betrieben.
Auch eine Person aus Baden-Baden kommt mit sehr geringen Heizkosten aus - und zwar mit 65 Euro nach eigenen Angaben. Sie heizt das eigene Haus mit einer selbst eingebauten Wärmepumpe. Dafür habe sie keine Förderung in Anspruch genommen, heißt es weiter. Kritik übt sie an der Politik: "Die Zuschüsse für Wärmepumpen sind viel zu hoch. Damit wird Schindluder betrieben."
Ein Teilnehmer aus Stuttgart übt aus einem anderen Grund Kritik an der Politik: Diese verspreche, dass Wärmepumpen 15 bis 18 Jahre halten würden. Das sei schlichtweg falsch, heißt es. "Es ist bereits die zweite Wärmepumpe innerhalb von 15 Jahren und die aktuelle hat bereits mehrmals im Winter ihren Dienst versagt. Deshalb bin ich aktuell in der Planung einer dritten Wärmepumpe. Die erste ging nach 7 Jahren mit dem Kompressor defekt, die jetzige steigt regelmäßig in der Steuerung aus. Ich hatte bislang durch den Umbau von Öl auf Wärmepumpe Kosten in einem hohen fünfstelligen Bereich. Wenn ich jetzt die dritte Wärmepumpe anschaffen muss, lande ich annähernd bei 70.000 Euro."
Nachfrage bei Carsten Herbert, Wärmepumpenexperte und vor allem bekannt als "Energiesparkommissar". Er antwortet: "Das klingt tatsächlich alles andere als gut. Ich bin mir aber sicher, dass es sich nicht um einen Regelfall handelt." Die meisten Probleme bei Wärmepumpen haben seiner Erfahrung nach mit der Planung und der Ausführung zu tun. Hier würden in der Regel die Fehler gemacht, die sich letztlich auch auf die Lebensdauer der Wärmepumpen auswirkten. Außer es handele sich um ein sogenanntes "Montagsgerät", die es eben auch gebe und immer geben werde. Zu Fehlern und Bugs, die beim Wärmepumpen-Einbau passieren können, hat Energiesparkommissar Carsten Herbert mehrere Erklärvideos gemacht.
Wärmewende in Ihrer Gemeinde Baden-Württemberg heizt noch größtenteils fossil
Baden-Württemberg heizte 2022 noch überwiegend mit Öl und Gas, in Neubauten werden Wärmepumpen aber immer beliebter. Eine Datenanalyse zeigt, wie es bei Ihnen vor Ort aussieht.
Es geht teilweise um viel Geld - Angst vor hohen Kosten
Viele Menschen geben auch an, wie viel Geld sie investiert haben. Dabei variieren die Beträge enorm. Während manche Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen die Heizungsumstellung selbst in die Hand genommen haben und nach eigenen Angaben mit deutlich unter 10.000 Euro auskamen, schreibt ein Hausbesitzer aus Isny (Kreis Ravensburg), er habe 350.000 Euro investiert. Er schreibt aber auch dazu, was die Summe alles beinhaltet: Dachsanierung, Montage einer Solaranlage mit 17 Kilowatt Leistung, eine Wallbox für das E-Auto, Wärmepumpe, teilweise Fussbodenheizung, neue Fenster, Aussenwanddämmung und der Wohnungstausch mit seiner Tochter.
Eine Person, die in Stuttgart zur Miete wohnt, heizt bislang mit Gas. Sie schreibt: "Ich hätte nix gegen eine Wärmepumpe, aber nur dann, wenn die Kosten pro Monat bleiben." Sie schränkt selbst ein: Das sei komplett unrealistisch, weil auch die komplette Heizung umgebaut werden müsse. "Das sind massive Kosten, die der Vermieter ganz sicher nicht bereit ist zu übernehmen - zumindest nicht ohne das auf die Miete umzulegen. So geht es sicher vielen Mietern und somit ist das ganze Thema Wärmewende kompletter Mist."
Bitte und Wünsche an SWR und CORRECTIV
Es gibt auch Personen, die ihre Antworten mit direkten Wünschen und der Bitte um Ratschläge verbinden. So schreibt eine Frau aus Herbolzheim (Kreis Emmendingen): "Ich bin verunsichert, weil es immer wieder heißt, dass die Wärmepumpe im Altbau nicht geht, doch der Installateur hier vor Ort meinte, dass das kein Problem wäre. Kann es sein, dass das eine falsche Aussage einiger Medien damals um Habecks Initiative war?"
An dieser Stelle bitten wir um Verständnis, dass wir keine Einzelberatungen übernehmen können. Hier verweisen wir beispielsweise auf die regionalen Energieagenturen oder die Verbraucherzentralen. Außerdem haben wir viel Hintergrundmaterial zusammengestellt:
Dossier: Heizen in Baden-Württemberg Druck im Kessel - Wie trifft mich die Wärmewende?
Heizen betrifft alle. Es geht um viel Geld und Entscheidungen, die langfristige Folgen haben. Alle Infos zu Gas, Öl, Wärmepumpen und Fernwärme.
Auch teilen uns Menschen aus Baden-Württemberg ihre Meinungen und Emotionen rund um das Thema Wärmewende mit. So schreibt eine Person aus Stuttgart: "Wir sind ziemlich erschüttert und frustriert, wie die Energie- und Wärmewende in der Öffentlichkeit diffamiert wird. Notwendig sind positive Berichte zur Aufklärung."
Eine Person aus Karlsruhe schreibt: "Deutschland ist verantwortlich für 1,8 Prozent des weltweiten CO2-Aufkommens. Selbst wenn das alles wegfiele, brächte es dem Weltklima so gut wie nichts." Ähnlich äußert sich ein Eigentümer aus Waiblingen, der mit Gas heizt und nicht plant, seine Heizung umzustellen. Er schreibt: "Bitte keine Überpriorisierung des Klimaschutzes und Fokus auf einen nachhaltigen Finanzhaushalt und Förderung der deutschen Wirtschaft."
Und wir bekommen Antworten von Menschen, die uns auffordern, Beteiligungen wie diese zur Wärmewende auch zu anderen Themen zu machen. So schreibt eine Person aus Heidenheim: "Wir wünschen uns eine entsprechende Befragung für E-Auto-Fahrer, weil wir hier regelmäßig Erfahrungen machen, die in der aktuellen Berichterstattung nicht erwähnt werden."