Stadt setzt Ultimatum

Hangrutsch in Schwäbisch Gmünd: Müssen die Bewohner ihre Häuser verlassen?

Drei Häuser, eins davon unmittelbar am Abgrund: Nachdem ein Hangrutsch in Schwäbisch Gmünd immer mehr voranschreitet, ist nun Handeln angesagt. Im schlimmsten Fall müssen die Bewohner ausziehen.

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Der Hang rutscht weiter. Drei Meter in drei Monaten. Das steht in einem Gutachten vom Dezember über drei Häuser in der Oberbettringer Straße in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis). Jetzt müsse gehandelt werden, sagt die Stadt und setzt den Eigentümern der 21 Wohnungen ein Ultimatum bis zum 20. Februar.

Die Eigentümer der von einem Hangrutsch bedrohten Schwäbisch Gmünder Häuser sollen die Standsicherheit der Gebäude bis zum 20. Februar nachweisen.

Standsicherheit der Häuser in Schwäbisch Gmünd muss nachgewiesen werden

"Bis dahin muss uns die Standsicherheit der Häuser nachgewiesen werden", bestätigt Christian Baron (CDU), Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, die Frist dem SWR. "Damit wir wissen, dass die Bewohner weiterhin sicher in ihren Wohnungen leben können."

Es muss jetzt Dynamik in die Sache kommen.

"Es muss jetzt Dynamik in die Sache kommen", sagt Baron. Im Frühjahr komme die Schneeschmelze. Und die Wassermassen seien leider nur förderlich für einen weiteren Hangrutsch. Wichtig sei jetzt, dass der Hang nicht weiter rutsche. Dagegen könne beispielsweise eine Drainage helfen, die das Wasser sammelt und ableitet. In einem weiteren Schritt müsse der Hang stabilisiert werden - mit baulichen Maßnahmen oder tiefwurzelnden Pflanzen.

Sollte bis Mitte Februar der geforderte Nachweis nicht vorliegen, muss die Stadt als Ordnungs- und Baurechtsbehörde für die Sicherheit der Bewohner sorgen. "Und das bedeutet, dass man in diesen Häusern nicht mehr wohnen kann. Das ist die Ultima Ratio", erklärt Christian Baron die Lage. "Wir hoffen natürlich alle, dass die Häuser standsicher sind, aber es steht eben zur Debatte."

Sollten sich Bewohner in einem solchen Worst-Case-Szenario weigern, dann müsse die Stadt die Nutzung des Hauses untersagen. Bei drohender Obdachlosigkeit wäre die Stadt in der Pflicht, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. "Ich gehe aber davon aus, dass die Leute sich erst einmal selbst helfen".

Die Eigentümer der von einem Hangrutsch bedrohten Schwäbisch Gmünder Häuser sollen die Standsicherheit der Gebäude bis zum 20. Februar nachweisen.
Im Frühjahr käme die Schneeschmelze und die Wassermassen seien leider nur förderlich für einen weiteren Hangrutsch, sagt Bürgermeister Baron.

Sicherungsmaßnahmen können bis zu 1,4 Millionen Euro kosten

Für die Sicherung des Hauses unmittelbar an der Abbruchkante veranschlagt die Geotechnik Aalen in ihrem Gutachten aus dem vergangenen November insgesamt 350.000 bis 500.000 Euro. Für die Nachbarhäuser und rund 150.000 bis 200.000 Euro. "Da geht's um viel Geld und für einige Eigentümer und Bewohner ist das ein finanzieller Kraftakt", sagt Bürgermeister Baron. "Und das macht die Sache natürlich schwierig."

Bis zum 20. Februar müssen die Eigentümer der vom Hangrutsch bedrohten Häuser die Standsicherheit der Gebäude nachweisen, fordert die Stadt Schwäbisch Gmünd. Andernfalls müssen sie die Wohnungen räumen.

Wenn der tragende Fels freigelegt wird, wird es gefährlich

Zwei der drei Häuser werden von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Vereinigte Gmünder Wohnungsbau (VGW) verwaltet. Deren Chef Celestino Piazza hofft, dass bis dahin ein neues Gutachten vorliegt. Oder zumindest belastbare Informationen. Er ist mit der Geotechnik Aalen im Gespräch. Das Unternehmen habe bereits im November das Gutachten erstellt und kenne sich daher mit der Situation aus, sagte Piazza dem SWR.

Zur Gefährdung der Häuser stellt Verwalter Piazza klar: Sie stehen auf massivem Fels, im Jahr 1997 eine Bedingung für die Baugenehmigung. Sollte der allerdings durch den Hangrutsch freigelegt werden, könnte er sich zersetzen. Das würde die Standsicherheit der Häuser dann doch gefährden.

Das vom Hangrutsch bedrohte Gelände soll mit Mikropfählen gesichert werden, so die Empfehlung der Geotechniker.
Die Treppe ins Nichts. Bis zum 20. Februar müssen die Eigentümer der Häuser die Standsicherheit nachweisen. (Archivbild)

Mögliche Kostenlawine macht Eigentümern Sorgen

Welche Summen auf die Eigentümer der 21 Wohnungen genau zukommen, um Häuser und Hang zu sichern, ist derzeit noch unklar. Das November-Gutachten nennt allein für die Entwässerung des Hangs 1 bis 1,5 Millionen Euro. Ein Riesenbrocken für die Eigner, die ihre Wohnung womöglich noch nicht mal abbezahlt haben. Bei einer außerordentlichen Eigentümerversammlung wollen die Eigentümer über die nötigen Reparaturen und Kosten sprechen.

Mit den Versicherungen laufen auch Gespräche - wobei die sich bisher noch zurückhalten. "Wenn man nicht weiterkommen würde, müsste man dann juristisch vorgehen, gegen die Versicherungen", stellt Celestino Piazza unmissverständlich klar.

Schwäbisch Gmünd

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Drei Häuser in Schwäbisch Gmünd sind nach mehreren Hangrutschen akut bedroht. Seit einem Starkregen letztes Jahr steht eines der Häuser direkt an der Abbruchkante. Handeln tut Not.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Hannah Schulze
Hannah Schulze
Frank Polifke
Frank Polifke

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