Der Hang rutscht weiter. Bei jedem Regen. Beim nächsten Starkregen könnte es zu spät sein.
Waldemar Grunwald hat Angst. Der Familienvater wohnt mit Frau, Kleinkind und Hund im gefährdetsten der drei Häuser. Direkt hinter seiner Terrasse beginnt die Abrisskante: Eine hölzerne Gartentreppe endet im Nichts. Das gähnende Loch darunter ist mit einer Spezialfolie abgedeckt, damit kein Wasser eindringt und der Hang nicht weiter rutscht.
Gmünder Hang rutscht schon seit Jahren
Es war im Juni 2024: Ein gewaltiger Starkregen löst im Westen von Schwäbisch Gmünd einen Erdrutsch aus - der wirft einen ICE aus den Gleisen. Doch auch im Osten der Stadt sorgen die Wasserfluten für Ungemach: Richtung Bettringen gerät ein Hang massiv ins Rutschen. Vor allem drei Häuser werden dadurch extrem bedroht.
"Wir haben es in den Flitterwochen mitbekommen", erzählt Waldemar Grunwald. Als er und seine Frau wieder zu Hause sind, sehen sie nicht nur, was das Unwetter angerichtet hat - sondern weiterhin anrichtet: "Jede Woche ist ein Baum umgestürzt, die Abrisskante ist immer näher gerückt."
Dabei bringt der Starkregen 2024 nur das Fass zum Überlaufen. Der Hang ist schon viel länger in Bewegung, mindestens seit den 1990er Jahren: Die drei Mehrfamilienhäuser bekommen die Baugenehmigung nur unter der Bedingung, dass sie speziell gegründet werden. Laut dem Schwäbisch Gmünder Baurechtsamt handelt es sich um eine alte Rutschung, die wieder aktiv geworden ist.
Hangrutsch: Abwasser-Beseitigungsanlage könnte ausfallen - die Häuser wären dann unbewohnbar
Auch Eleanor von Winter, ebenfalls Eigentümerin in einem der betroffenen Häuser macht sich Sorgen. Nicht nur, dass die Häuser instabil werden könnten. Die Abwasser-Beseitigungsanlage, die sich die drei Häuser teilen - eine so genannte "Hebeanlage", liegt schon jetzt praktisch direkt neben der Abbruchkante. Sollte sie defekt werden oder ganz ausfallen, könnte die Stadtverwaltung die Häuser für unbewohnbar erklären. Dann würden die insgesamt 21 Wohnungen evakuiert.
Gutachten bestätigt akute Gefährdung durch Hangrutsch
Die durch den Hangrutsch gefährdeten Häuser im Schwäbisch Gmünder Osten sind zwar Privateigentum. Trotzdem beobachtet die Stadtverwaltung die Situation genau. Mehrere Treffen mit den Eigentümern habe es schon gegeben, sagt der Erste Bürgermeister Christian Baron (CDU) dem SWR. Außerdem hat die Stadt für 44.000 Euro ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das liegt nun vor - und bestätigt die akute Gefährdung der Häuser.
Der Hangrutschung wurde durch Regen ausgelöst, stellt das Gutachten unmissverständlich fest. Sie liegt zwar derzeit unter dem mittleren der drei Häuser, könne sich aber jederzeit auf die beiden Nachbarhäuser ausdehnen. Schlimmer noch: Künftiger Starkregen könne eine Hangmure auslösen und dadurch nicht nur die Häuser oberhalb des Hangs gefährden, sondern auch die darunter.
Im Gutachten schlagen die Aalener Geotechniker aber auch Wege zur Sicherung der Gebäude vor: Drainagen zur kontrollierten Ableitung des Wassers gehören dazu. Vor allem aber muss die Böschung mit Mikropfählen verdübelt werden. Entwässerung und Sicherung der drei Häuser könnten über anderthalb Millionen Euro kosten.
Bewohner in Schwäbisch Gmünd müssen schleunigst handeln
Die Bewohner müssen nun schleunigst handeln, auf Grundlage des Gutachtens, mahnt Bürgermeister Baron. Er geht davon aus, dass die Elementarversicherungen die Kosten tragen. Um das zu klären, habe die Stadt Vertreter der Versicherungen bereits zu einem Gespräch eingeladen. Damit die drei Häuser gerettet werden und auch künftigen Starkregen trotzen.