Das Ulmer Münster muss sich einen neuen Baumeister suchen. Die amtierende Münsterbau-Architektin Heidi Vormann wird zum Ende des Monats März ihr Amt niederlegen. Seit Februar 2021 hatte sie die Stelle inne. Wer ihr nachfolgt, ist noch unklar.
Erstmal keine Auswirkungen auf Arbeiten am Ulmer Münster
Für die Dauerbaustelle Ulmer Münster bedeutet das ganz praktisch, dass es ab Ende März keine Leitung mehr gibt. "Keine Architektin oder Architekten, der sich um die Arbeit im Münster kümmert", erklärt Torsten Krannich, Dekan am Ulmer Münster. Die genauen Hintergründe für die Trennung sind unklar. Vormann und Krannich haben laut dem Dekan Stillschweigen vereinbart. Auch auf eine SWR-Anfrage antwortete Vormann schriftlich, dass sie sich zu den "Gründen und Regularien" nicht äußern wolle. Ein Architekt aus Blaubeuren soll sie ab April vertreten.
Also im Moment ist es gut eingespurt dadurch, dass diese Projekte, an denen wir jetzt gerade sind, alle sehr langfristig laufen.
Auf die Arbeiten am und im Münster selbst wird das direkt erstmal keine Auswirkungen haben, da die derzeitigen Projekte sehr langfristig laufen. Wie die Sanierung im Innenraum, für das ein 40 Meter hohes, 28 Meter langes und 13 Meter breites Gerüst aufgebaut wurde. "Für die neuen Kampagnen gibt es einige Sachen, die sind klar, aber vieles muss man jetzt tatsächlich etwas improvisierend gucken, wie wir das gut hinkriegen, dass das für die nächste Zeit gut weiterläuft", so Münsterdekan Krannich. Die Planung für die nächsten ein bis anderthalb Jahre steht fest. "Alles, was dann so in die mittelfristige Planung und langfristige Planung geht, muss dann einfach neu aufgesetzt werden mit dem Nachfolger oder der Nachfolgerin."
Ausschreibung für Baumeisterstelle am Ulmer Münster
Für die Stelle als Münsterbaumeister soll es zeitnah eine Stellenausschreibung geben. Die Anforderungen für das Amt seien neben einem klassischen Architekturstudium ein Aufbaustudiengang Denkmalpflege oder auch eine wissenschaftliche Promotion in dem Bereich der Denkmalpflege, erklärt Krannich. Für die Großbaustelle Ulmer Münster benötige man viel Verständnis für historische Zusammenhänge. "Das macht es natürlich auch für die Stellenausschreibung schwierig, dass man da jemanden finden muss, der aus diesem Bereich kommt, der sich da auskennt und von daher auch ein Gefühl für das Gebäude hat", sagt Krannich.
Bei der Neubesetzung der Stelle sprechen mehrere Gremien mit. Der Gesamtkirchengemeinderat mit dem Münstergremium, der für das Gebäude verantwortlich ist, dazu kommen Vertreter des evangelischen Oberkirchenrats der Landeskirche sowie des Landesamtes für Denkmalschutz.
Ulmer Münster: Turm soll zum Jubiläum komplett öffnen
2027 feiert das Münster den 650. Jahrestag seiner Grundsteinlegung. Dann soll der Aufstieg im Münsterturm wieder bis auf die 143 Meter möglich sein. Aktuell geht es nur 102 Meter hoch. Das Ziel ist es, so Dekan Torsten Krannich, dass noch in diesem Jahr die Arbeiten in der Zentralspindel abgeschossen werden. Hier ist die Münster-Bauhütte, also die Restaurierungswerkstatt des Ulmer Münsters, gerade dabei, die kaputten Stufen zu erneuern und auszubessern.