Vorerst letzter Gottesdienst im Hauptschiff

Jahrelange Baustelle: Ulmer Münster bekommt Riesen-Gerüst

Gottesdienstbesucher haben am Dreikönigstag die letzte Chance genutzt, den Innenraum des Ulmer Münsters unverstellt zu erleben. Für Renovierungsarbeiten wird jetzt ein riesiges Gerüst aufgestellt.

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Wer das Ulmer Münster besichtigen will, braucht jetzt erstmal ein wenig Geduld: Der Innenraum wird saniert, zwei Monate lang finden die Gottesdienste in einem Vorraum statt. Und für mindestens fünf Jahre zieht ein 40 Meter hohes Baugerüst ein. Am Dreikönigstag war der vorerst letzte Gottesdienst im gewohnten Umfeld.

Noch einmal den Kirchenraum erleben

Rund 40 Gottesdienstbesucher nutzten die Chance, den Innenraum noch einmal ohne Großbaustelle zu erleben. Es sei doch ein Abschied auf längere Zeit, so ein Besucher. Er sei gespannt, wie es dann mit dem Gerüst sein werde. Eine Frau war extra zu diesem Gottesdienst gekommen, um alles nochmal so zu sehen, wie man es gewohnt ist, wie sie dem SWR sagte. Es sei natürlich schade für die vielen Touristen, die jetzt vorerst auf den tollen Eindruck verzichten müssten, den dieser große Kirchenraum bietet.

Das Ulmer Münster ist vorübergehend geschlossen. Dort wird ein Gerüst aufgebut, dass mindestens fünf Jahre stehenbleibt.
Von Mittwoch bis Freitag, 9. Januar, bleibt das Münster komplett geschlossen.

Drei Tage bleibt das Ulmer Münster komplett geschlossen

Von Mittwoch bis Freitag, 9. Januar, bleibt das Münster komplett geschlossen. Zunächst soll mit Fotoaufnahmen der Zustand des Kirchenraums vor den Bauarbeiten und der anstehenden Renovierung dokumentiert werden.

Außerdem werden 13 Bankreihen ausgebaut. Experten der Weißenhorner Firma Peri erstellen einen 3D-Scan, um den Aufbau eines Gerüstes zu planen, das dann einige Jahre im Münster stehen wird. Das Gerüst wird 42 Meter hoch und 110 Tonnen schwer sein.

Bevor das neue Gerüst aufgebaut wird, haben die Arbeiter ein bisheriges abgebaut. Der Grund: Am Donnerstag sollen Drohnenaufnahmen gemacht werden - damit sich Interessierte wenigstens am Bildschirm das Innere des Münsters anschauen können, während es in Wirklichkeit versperrt ist.

Das mehr als 550 Jahre alte Weltgerichts-Fresko im Ulmer Münster soll restauriert werden.
Das mehr als 550 Jahre alte Weltgerichts-Fresko im Ulmer Münster soll restauriert werden.

Weltgericht wird restauriert

Geplant sind umfangreiche Sanierungsarbeiten. Vor knapp drei Jahren waren Verputzteile von der Decke gefallen. Deshalb soll nun zunächst der Zustand des Gewölbes genauer untersucht werden. Danach entscheidet sich der Umfang der notwendigen Sanierungsarbeiten. Außerdem wird ein großes Wandfresko, das mehr als 550 Jahre alte "Weltgericht", restauriert. Das Bild mit einer Fläche von 145 Quadratmetern ist eines der größten dieser Art nördlich der Alpen.

Vor dem Ulmer Münster gibt es überraschte Gesichter. Immer wieder rütteln Menschen an der Türe der Bürgerkirche und wollen rein. Zwei Studentinnen ziehen enttäuscht wieder ab. Ungewohnt ruhig ist es für Iris Ettrich: "Wir haben normalerweise 364 Tage im Jahr offen", sagt die Leiterin des Besucherbetriebs im Münster. Das sei "sehr ungewohnt". Aber immerhin könne sie Klarschiff machen und die Zeit nutzen.

Das Ulmer Münster ist vorübergehend geschlossen. Dort wird ein Gerüst aufgebut, dass mindestens fünf Jahre stehenbleibt.
Immer wieder rütteln Menschen an der Türe der Bürgerkirche und wollen rein - doch vergeblich.

Gottesdienste im Ulmer Münster finden übergangsweise in der Turmhalle statt

Bis Palmsonntag sollen die Münster-Gottesdienste übergangsweise in der Turmhalle stattfinden, wie Münsterpfarrer Julian Scharpf im SWR-Interview sagte. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir in dieser Zeit Gottesdienste feiern können", so Scharpf. "Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Und sind dann eben drauf gekommen, dass hier ein guter Ort dafür sein konnte. Wir stellen Stühle auf und wir werden auch einen Altar und eine Altarorgel haben. Das heißt, für die Menschen, die hier in den Gottesdienst kommen, wird es ein ungewohnter Ort, aber ein gewohnter Gottesdienst sein."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Frank Polifke
Frank Polifke
Torsten Blümke
Torsten Blümke

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