In den Hoffnungshäusern in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) zeigt sich, was Ankommen heißt: Menschen aus Syrien, Liberia, Nigeria, Afghanistan, der Ukraine und aus Deutschland leben Tür an Tür, teilen Alltag und engagieren sich gemeinsam. So wird deutlich: Integration ist mehr als als ein Job und ein Sprachkurs. Hier entsteht Stück für Stück etwas, das viele lange vermisst haben: das Gefühl von Heimat.
Hoffnungshäuser-Community: Kleine Fußball-WM im Innenhof
"Mahmoud schießt das 6:0!", brüllt der "Stadionsprecher" ins Mikro. Wenige Sekunden später wird das Spiel abgepfiffen. Mahmoud ist völlig außer Puste und muss sich erst mal hinsetzen. Aber er strahlt. Seine Mannschaft Japan hat gewonnen. Japan? Tatsächlich ist Mahmoud Syrer, genauer gesagt syrischer Kurde. Die Dreiermannschaften des Fußballturniers sind allerdings nach den Teilnehmer-Nationen der kommenden WM benannt. Am Ende gewinnt übrigens Ghana.
Inzwischen hat sich Shirav neben seinen Mannschaftskameraden gesetzt. Der 24-Jährige arbeitet bei der Post. Auch er ist syrischer Kurde und lebt seit rund sechs Jahren in den Hoffnungshäusern. Von Angeboten wie dem Fußball-Turnier lebt das Miteinander, weiß Shirav. "Diese Gemeinschaft, wo alle Menschen zusammen sind und zusammen spielen, diese Verbundenheit zwischen Menschen macht einfach große Freude, und ich möchte gerne solche Aktionen in meinem Leben haben."
Hoffnungshäuser: Miteinander leben und voneinander lernen
Das gelebte Miteinander ist in den Hoffnungshäusern nicht nur Programm, es spiegelt sich bereits in der Bauweise wider. Die Gebäude stehen zueinander gewandt um den Innenhof, das Ensemble erinnert an eine Arena. Das schafft ebenso Kommunikation wie die durchlaufenden Balkons. Beim Fußballturnier stehen viele Bewohnerinnen und Bewohner auf den Balkonen zusammen und jubeln gemeinsam.
Volkshochschul-Erfolgsprojekt "Deutsch mit Kick" Internationaler Fußballtreff in Ulm: Kicken und Deutsch lernen
Was vor elf Jahren eine Idee an der Volkshochschule Ulm war, ist heute ein Erfolgsprojek: Deutsch lernen auf dem Fußballplatz. Das geht spielend leicht mit Deutschlehrer Kürsat Celik.
115 Menschen wohnen derzeit in den Schwäbisch Gmünder Hoffnungshäusern: Neben Syrien kommen sie aus Liberia, Eritrea, Nigeria, Afghanistan, Bulgarien, Peru, China, England, der Ukraine - und etwa zur Hälfte aus Deutschland.
Auch das gehört zum Konzept, erklärt Denise Schechinger. Sie leitet das Haus, gemeinsam mit ihrem Mann. Geflüchtete und Einheimische leben miteinander und dieses Miteinander schafft Integration, so ihre Erfahrung. In einem umfassenden Sinn. "Integration bedeutet ja nicht nur, dass ich eine Sprache erlerne und einen Job finde, sondern ein Gefühl von Heimat, von "ich darf hier sein, ich gehöre dazu."
Christliches Denken und Handeln als Grundkonzept
Dabei spielt nicht nur die Herkunft der Bewohnerinnen und Bewohner keine Rolle - auch die Religion. Die Schwäbisch Gmünder Hoffnungshäuser sind zwar die größten, aber keineswegs die einzigen. Unter anderem in Esslingen, Konstanz, Nagold (Kreis Calw) und Öhringen (Hohenlohekreis) gibt es sie. Getragen werden sie von der Hoffnungsträger Stiftung mit Sitz in Leonberg (Kreis Böblingen). Sie ist christlich-freikirchlich, in den Hoffnungshäusern wohnen aber unter anderem Muslime, Buddhisten, orthodoxe und evangelische Christen.
Sogar ein katholischer Priester im Ruhestand hat hier seinen Altersruhesitz gefunden: Anton Seeberger war Pfarrer in Stuttgart. In den Hoffnungshäusern genießt er das Miteinander mit so unterschiedlichen Menschen. Mit Geflüchteten hatte er ständig zu tun, aber immer auf der Verwaltungsseite. Hatte sich darum gekümmert, dass die Menschen versorgt sind. "So nah wie hier habe ich noch nie mit Flüchtlingen zusammengelebt. Und das ist ganz wunderbar", so seine Erfahrung.
Alle bieten an - und alle profitieren
Klar, dass sich der frühere Pfarrer auch in die Gemeinschaft einbringt: Er bietet ein Bibelgespräch an und hat mit anderen eine Backgruppe gegründet. Solches Engagement fördert die Integration, betont Leiterin Denise Schechinger - ob beim Fitnessangebot für Frauen, beim Sprachtreff für Männer oder bei der Hausaufgabenbetreuung für Kinder.
Habiba, die Mutter von Shirav, lebt seit fast sechs Jahren in den Hoffnungshäusern. Von ihren deutschen Nachbarn hat sie vor allem Pünktlichkeit gelernt, erzählt sie und schmunzelt. Umgekehrt haben sich die Deutschen von ihr ein wenig Gelassenheit abgeguckt, etwa im Umgang mit den Kindern. "Wir haben hier gefeiert und die deutschen Kinder mussten früher ins Bett, obwohl Wochenende war. Aber jetzt lassen sie den Kindern mehr Zeit."