Wegen Kundgebungen an Martinskirche

Deutsch-Israelische Gesellschaft: Langenau tut zu wenig gegen Antisemitismus

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm wirft der Stadt Langenau zögerliches Vorgehen gegen Antisemitismus vor. Grund sind die pro-palästinensischen Proteste nahe der Martinskirche.

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Stand

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Ulm/Neu-Ulm übt scharfe Kritik am Gemeinderat und der Stadtspitze von Langenau (Alb-Donau-Kreis). In einem offenen Brief an Bürgermeisterin Daria Henning (CDU) hieß es, das bisherige Vorgehen gegen Antisemitismus in der Stadt sei zu zögerlich gewesen. Henning hat prompt geantwortet und die Vorwürfe zurückgewiesen.

Nun legt die DIG nach: In einem Schreiben fordert sie die Behörden auf, die sonntäglichen Kundgebungen nahe der Martinskirche zu verbieten. In einem weiteren fordert die DIG jetzt mehr öffentliche Präsenz von Gemeinderatsmitgliedern. An Sonntagen müsse es beispielsweise eine breite Front aus Gemeinderäten und Bürgern gegen die anti-israelischen Proteste geben. Es habe sich in Langenau Stillschweigen breitgemacht, heißt es im jüngsten Schreiben.

Plakate und Parolen vor der Kirche

Mit anti-israelischen Plakaten, verstümmelten Kinderpuppen voll roter Farbe und hasserfüllten Parolen stehen sie seit Wochen sonntags nahe der Martinskirche in Langenau: Pro-palästinensische Demonstrierende, die der evangelischen Kirche und Pfarrer Ralf Sedlak vorwerfen, sich des Mordes an palästinensischen Kindern mitschuldig zu machen. Alles in Sicht- und Hörweite von Gottesdienstbesuchern, die die Kirche verlassen.

Diesen Zustand hält die Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm für untragbar. Und wirft in einem offenen Brief den Mitgliedern des Gemeinderates und Bürgermeisterin Henning vor, zu wenig gegen Antisemitismus in Langenau zu tun. Seit Monaten trete ein 75-jähriger Aktivist - unterstützt von Gleichgesinnten - regelmäßig an der Martinskirche mit klar antisemitischen Plakaten auf und beschimpfe Pfarrer Sedlak und seine Gemeinde. Auch eine Allgemeinverfügung von Mitte Juli, wonach die Kundgebungen nicht mehr direkt vor der Kirche stattfinden dürfen, habe die Lage nicht geändert.

Briefwechsel zwischen Stadt und Deutsch-Israelischer Gesellschaft

Die Antwort von Daria Henning kam prompt. In einem dreiseitigen Schreiben verteidigt die Bürgermeisterin ihr Vorgehen. Die Stadt Langenau nehme die Entwicklungen sehr ernst und habe sich klar gegen Antisemitismus und Volksverhetzung gestellt. Bei der Situation vor der Martinskirche handele es sich um ein komplexes Spannungsfeld zwischen Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. In enger Abstimmung mit der Polizei prüfe man weitere Maßnahmen.

Die Behörden müssen dagegen endlich konsequenter durchgreifen.

Doch der Deutsch-Israelischen Gesellschaft reicht das offenbar nicht. Zwar sei man dankbar für die schnelle Antwort aus dem Rathaus, heißt es von Irene Hahn, zweite Vorsitzende der DIG Ulm/Neu-Ulm. Das eigentliche Problem werde in dem Schreiben aber verkannt: "Jeden Sonntag brüllen Demonstrierende antisemitischen Hass und Hetze durchs Megafon. Die Behörden müssen dagegen endlich konsequenter durchgreifen", sagte sie dem SWR.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft erhofft sich zudem ein Treffen mit dem Gemeinderat in Langenau. Zumindest dieser Punkt scheint möglich. In ihrem Antwortschreiben bietet Bürgermeisterin Henning ein Gespräch im Sitzungssaal des Rathauses an. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft betont in diesem Zusammenhang, es sei wichtig, in Langenau gemeinsam zu handeln. Nur so könne der Kampf gegen Antisemitismus erfolgreich sein.

Erneut Proteste an der Martinskirche Langenau angemeldet

Auch für Sonntag war wieder eine Kundgebung nahe der Martinskirche mit 50 Teilnehmenden angemeldet. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Ulm fand diese jedoch nicht statt. Der Veranstalter habe sie am Sonntagmorgen abgesagt, heißt es.

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SWR

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