Tipps von Apothekern aus Ulm und Freiburg

Wirksamkeit erhalten: So lagern Medikamente bei Hitze am besten

Hohe Temperaturen sind für die meisten Medikamente schädlich. Bei welchen sollte während Hitzewellen Vorsicht walten? Tipps kommen von Apothekern aus Ulm und Freiburg.

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Von Autor/in Ole Hilgert

Der diesjährige Sommer hat schon jetzt mehrere Temperaturrekorde gebrochen. Das heiße Wetter macht vielen Menschen körperlich zu schaffen. Auswirkungen auf die Gesundheit kann aber laut Wissenschaftlern und Apotheken auch die Lagerung von Medikamenten haben. Denn die meisten Arzneimittel sind hitzeempfindlich. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Medikamentengruppen und Wirkstoffen.

Insulin könnte bei Hitze die Wirkung verlieren

Betroffen sind vor allem Menschen, die ständig auf gekühlte Medikamente angewiesen sind. Dazu gehören etwa Diabetiker. Alina Kneisel aus Ulm hat Diabetes seit ihrer Kindheit. Ein Sensor auf den Haut misst ihren Blutzuckerwert. Dieser sendet Signale an die Insulinpumpe. Normalerweise läuft alles automatisch. Aber an heißen Tagen kann es Probleme geben.

Ich muss darauf achten, dass die Insulinpumpe im Schatten ist.

"Ich muss drauf achten, dass die Insulinpumpe im Schatten ist. Wenn ich in der Sonne sitze oder liege, verstecke ich sie hinter dem Rücken oder stecke sie unters T-Shirt", sagt die 26-Jährige. Denn Temperaturen von mehr als 25 Grad schaden dem Insulin, es kann seine Wirkung verlieren.

Medikamente ins Schlafzimmer oder den schattigen Flur

Was für eine Insulinpumpe gilt, gilt für die meisten anderen Medikamente auch. Sie können bei Zimmertemperatur gelagert werden, also in der Regel zwischen 15 und 25 Grad. Doch bei Hitzewellen wird es in der Wohnung oft wärmer. Für die Lagerung von Arzneimitteln empfehlen Fachleute deshalb dauerhaft den kühlsten und dunkelsten Ort daheim. In der Regel ist das das Schlafzimmer oder ein schattiger Flur.

Medikamente bei Hitze: Ein Apotheker misst mit einem Thermometer die Temperatur im Lager der Apotheke. Die Temperatur beträgt 21.3 Grad Celsius.
Die meisten Medikamente sollten bei Zimmertemperatur gelagert werden. In der Apotheke ist das durch die Klimaanlage abgesichert.

Zu beachten ist aber: Arzneimittel reagieren unterschiedlich auf Hitze. Am wenigsten empfindlich seien trockene Medikamente, sagt Philipp Klemm, Apotheker aus Ulm: "Bei einfachen Tabletten spielt eine Überschreitung von Stunden oder wenigen Tagen über 25 Grad keine entscheidende Rolle. Bei anderen Medikamenten, wie zum Beispiel Adrenalin-Notfallpens oder Verhütungstabletten, sollten Hitzespitzen aber vermieden werden, weil sonst die Wirkung nicht mehr gewährleistet ist."

Bei einfachen Tabletten spielt eine Überschreitung von Stunden oder wenigen Tagen über 25 Grad keine entscheidende Rolle.

Badezimmer, Auto und Fensterbank sind tabu

Als besonders ungeeignet gelten alle Orte mit großen Temperaturschwankungen, hoher Luftfeuchtigkeit oder direkter Sonneneinstrahlung. Die Hausapotheke sollte deshalb auch nicht im Badezimmer lagern. Absolut tabu ist laut Apotheker Klemm im Sommer das Auto: "Da erreichen wir Temperaturen von bis zu 80 Grad, das ist jenseits von Gut und Böse! Aber auch am Strand oder am Badesee wird es in der Sonne sehr heiß." Abhilfe leisten hier Kühltaschen oder spezielle Medikamentenboxen.

Kühlschrank ist keine Lösung

Was viele nicht wissen: Alle Medikamente im Kühlschrank zu lagern ist auch nicht die beste Lösung. Denn zu niedrige Temperaturen können einzelnen Wirkstoffen schaden, berichtet Martin Hug, Leiter der Klinikapotheke des Universitätsklinikums Freiburg. Das gilt etwa für manche flüssigen oder halbfesten Arzneimittel wie Säfte, Cremes oder Salben.

Woran erkennt man ein Medikament mit Hitzeschäden?

Doch was, wenn Medikamente doch mal länger in der Hitze waren? Leider seien Hitzeschäden bei den meisten Arzneimitteln nicht zu erkennen, so Mediziner Martin Hug. Es gebe aber Warnhinweise, auf die man achten kann: "Wenn sich zum Beispiel eine weiße Tablette verfärbt, wenn auf der Tablette Flecken zu sehen sind. Bei Cremes und Salben sieht man häufig, dass sich die Struktur verändert oder sich Wassertröpfchen bilden. Dann sollten die Produkte entsorgt werden."

Wer sich unsicher ist ob ein Arzneimittel überhitzt wurde, sollte am besten in der Apotheke nachfragen und seine Medikamente mitbringen. Dort übrigens lagern sie dank Klimaanlage immer bei einer moderaten Zimmertemperatur. Und die wird regelmäßig überprüft. Was kühl bleiben muss, sollte schon beim Kauf entsprechend verpackt werden.

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