Sonnenschutz-Aktionswoche, Allergie-Week, Coupons, Sammelpunkte, Dauerpreis-Garantie – Versandapotheken werben massiv um Kunden.
Wir haben in drei Kategorien Preise verglichen: bei rezeptfreien Medikamenten, bei rezeptpflichtigen Medikamenten und bei sogenannten "apothekenexklusiven" Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln, Sonnenschutz und Hautlotion.
Ersparnis von bis zu 30 Prozent bei Onlineapotheken
Nasenspray, Hustenlöser, Schmerztabletten und ein Mittel gegen Magen-Darm-Beschwerden - aus diesen vier rezeptfreien Medikamenten haben wir eine Hausapotheke zusammengestellt.
Shop Apotheke, Doc Morris und dm lagen preislich dicht beieinander. Dm war mit insgesamt rund 51 Euro am billigsten, bei Shop Apotheke und Doc Morris haben wir rund 52 Euro bezahlt.
In einer zufällig ausgewählten stationären Apotheke lag der Preis am gleichen Tag bei über 70 Euro. Am größten war der Unterschied beim Magen-Darm-Mittel Iberogast: knapp 20 Euro bei dm med, knapp 30 Euro bei der Apotheke vor Ort. Preise vergleichen lohnt sich also.
Rezeptfrei im Internet Dm startet mit Apotheke: verschreibungsfreie Medikamente online
Bisher gibt es Schmerz-, Halsweh-Tabletten und Co nur in der Apotheke. Das ändert sich: Die Drogeriekette dm verkauft nun rezeptfreie Medikamente - zunächst allerdings nur online.
Cremes und Nahrungsergänzungsmittel
Wenn eine Pflegeserie oder ein Nahrungsergänzungsmittel "apothekenexklusiv" angeboten wird, ist das eigentlich nur ein Marketingtrick, oft mit entsprechend hohen Preisen. Um Medizin handelt es sich nicht.
Wir haben eine Lotion für trockene Haut, eine Sonnencreme und ein Nahrungsergänzungsmittel gekauft. Die Preisabstände bei den Onlinebestellungen waren etwas größer. Dm hatte den günstigsten Preis mit 62 Euro. Doc Morris war zwei Euro teurer, die Shop Apotheke vier Euro teurer. Die stationäre Apotheke war mit 78 Euro am teuersten.
Rabatt auf Zuzahlung bei rezeptpflichtigen Medikamenten
Bei rezeptpflichtige Medikamenten bezahlt man in der Apotheke eine feste Zuzahlung, zum Beispiel 5 Euro für ein Asthmaspray. Versandapotheken geben auf die Zuzahlung aber oft Rabatte. Dadurch war das Asthmaspray bei Doc Morris kostenlos, bei der Shop Apotheke blieben nach Abzug des "E-Rezept-Rabatts" 2,50 Euro Eigenanteil. Dm liefert keine rezeptpflichtigen Medikamente.
Anders als die Versandapotheken dürfen Vor-Ort-Apotheken keine Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben. Das liegt an der Preisbindung.
Über die ungleichen Wettbewerbsbedingungen gibt es viel Unmut bei Apothekern und Verbänden, die gegen Prämien und Boni der Versandapotheken bisher allerdings erfolglos geklagt haben.
Logistik-Standorte direkt hinter der Grenze
Während in Deutschland die Zahl der Apotheken sinkt und die Apotheker mit Protesttagen auf ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufmerksam machen, sitzen die Versandapotheken im europäischen Ausland.
Dm hat seine Apotheke in Bor in Tschechien eröffnet, wo sich auch das Logistikzentrum für Drogerieartikel befindet.
Shop Apotheke und Doc Morris betreiben Logistikzentren kurz hinter der Grenze in den Niederlanden. Dort will auch Rossmann demnächst eine Versandapotheke eröffnen. Der Vorteil: Die Versandapotheken müssen sich dort nicht nach dem strengen deutschen Apothekenrecht richten. Wegen des freien Warenverkehrs in der EU dürfen sie trotzdem Medikamente nach Deutschland schicken.
Widersprüchliche Rechtslage
In Deutschland gilt für Apotheken ein Fremdbesitzverbot. Ein Apotheke muss von einer Apothekerin oder einem Apotheker als Person geführt werden. Im Ausland dürfen das auch Kapitalgesellschaften.
Drogerien dürfen in Deutschland keine apothekenpflichtigen Medikamenten anbieten. Der Wirtschaftsverband "Wettbewerbszentrale e.V." klagt deshalb gegen die Versandapotheke von dm.
Er kritisiert, dass die Sortimente vermischt werden, weil Kunden Medikamente auf der gleichen Internetseite bestellen können wie Shampoo und Putzmittel. Für den digitalen Vertriebsweg dürften nicht andere Maßstäbe angelegt werden als für Geschäfte in Deutschland.
Dm med liefert Medikamente auf Wunsch nicht nur nach Hause, sondern auch in die Filialen, in den Click&Collect-Schrank.
E-Rezept in Onlineapotheke einlösen
Bisher sind die Bestseller in den Versandapotheken rezeptfreie Medikamente, z.B. gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die Einführung des elektronischen Rezepts 2024 macht es den Online-Apotheken aber leichter, auch verschreibungspflichtige Medikamente zu verkaufen. Kunden müssen Rezepte nicht mehr einscannen. Die Übertragung funktioniert, indem man die Versicherungskarte ans Handy hält.
Auch in den Versandapotheken im Ausland arbeiten Apotheker und prüfen die Rezepte. Sie nehmen zu Kunden Kontakt auf, wenn zum Beispiel Wechselwirkungen drohen oder die Dosierung unklar ist.
Apotheken vor Ort werben für eigene Apps
Wer lokale Apotheken stärken möchte, kann trotzdem online bestellen. Viele Vor-Ort-Apotheken haben eigene Apps gestartet oder sich Portalen wie gesund.de oder ihreapotheken.de angeschlossen.
Auch hier kann man Rezepte hochladen und die Medikamente auf Wunsch vom Boten liefern lassen. Sie kommen dann aus einer Apotheke in der Nähe. Das geht oft sogar schneller, weil die Wege kurz sind.