Einen Tag nach dem Messerangriff mit mehreren Verletzten im Ulmer Media Markt hat die Staatsanwaltschaft Ulm Haftantrag wegen versuchten Mordes gestellt. Den hat die zuständige Haftrichterin des Amtsgerichts Ulm erlassen. Unterdessen werden immer mehr Details über den Tatverdächtigen bekannt: Der 29-jährige Mann aus Eritrea war 2017 nach Deutschland gekommen. Im Januar 2024 beantragte das Regierungspräsidium Tübingen seine Ausweisung. Nach Angaben des baden-württembergischen Justizministeriums konnte der Mann jedoch nicht in sein Herkunftsland Eritrea abgeschoben werden.
Tatverdächtiger hätte 2024 nach Eritrea abgeschoben werden sollen
Wie das Ministerium dem SWR weiter mitteilte, war der 29-Jährige in Bayern unter anderem wegen Körperverletzung und Angriffs auf Vollstreckungsbeamte mehrfach verurteilt worden. Er saß von 2020 bis 2024 knapp vier Jahre lang in Haft und war zuletzt von Juli bis Dezember 2025 im Gefängnis.
2023 wurde sein Flüchtlingsstatus widerrufen, seit 2024 ist er ausreisepflichtig. Dass er nicht abgeschoben werden kann, liege an seinem Herkunftsland Eritrea, so das Justizministerium, da die "Machthaber [...] nicht kooperieren und ihrer völkerrechtlichen Pflicht, die eigenen Staatsangehörigen zurückzunehmen, nicht nachkommen." Die für eine Abschiebung notwendigen Identitätsdokumente lägen im Fall des 29-Jährigen nicht vor, teilte das Ministerium am Donnerstag weiter mit.
"Die Bundesregierung setzt alles daran, auf internationaler Ebene, Abschiebungen zu ermöglichen. Für Afghanistan und Syrien ist das bereits gelungen, für Eritrea noch nicht", sagt dazu der Staatssekretär für Migration, Siegfried Lorek. "Genau für Fälle wie diesen prüft der Bundesinnenminister deshalb auch die Möglichkeit, Zentren im Nicht-EU-Ausland zu schaffen, wo abgelehnte Asylbewerber untergebracht werden, deren Heimatländer eine Wiederaufnahme verweigern. Das unterstütze ich ausdrücklich."
Motiv des Tatverdächtigen nach wie vor unklar Messerangriff in Ulmer Media Markt: "Es ist ein Schockmoment für alle"
Ein Tag nach dem Messerangriff im Media Markt in Ulm sitzt der Schock bei allen Betroffenen tief. Der Elektronikfachmarkt bleibt am Donnerstag geschlossen, das Motiv der Tat ist noch immer unklar.
Mutmaßlicher Täter nicht vernehmungsfähig
Nachdem der 29-Jährige seine Haft im Dezember 2025 abgesessen hatte, wurde eine Führungsaufsicht bis 2029 angeordnet. Am Mittwoch soll der Eritreer im Ulmer Media Markt mit einem Messer drei Beschäftigte verletzt haben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Ulm am Donnerstagabend mitteilten, befindet sich ein 25 Jahre alter Mitarbeiter weiterhin in intensivmedizinischer Behandlung. Sein Zustand müsse auch immer noch als kritisch bezeichnet werden. Ein 22-jähriger leicht verletzter Mitarbeiter habe das Krankenhaus wieder verlassen können. Eine Kollegin, die den beiden zur Hilfe eilte, sei ebenfalls leicht verletzt worden. Die 36-Jährige wurde ambulant behandelt.
Der mutmaßliche Täter verließ nach der Tat am Mittwochmittag den Fachmarkt. Kurze Zeit später stoppten ihn Einsatzkräfte der Polizei in der Nähe mit Schüssen. Dabei wurde der 29-Jährige schwer verletzt. Er befindet sich auf der Intensivstation und kann derzeit nicht vernommen werden, so die Ermittler.