Seit bald 50 Jahren vergibt die Aktion Plagiarius mit Sitz in Elchingen (Kreis Neu-Ulm) ihren Negativpreis. Damit will der Verein Produkt- und Markenpiraterie und deren wirtschaftliche Folgen mehr in den öffentlichen Fokus rücken - aber auch die Verbraucher schützen. In diesem Jahr ist auch der Gesundheitsproduktehersteller Beurer aus Ulm betroffen: Ein Produkt wurde von einem chinesischen Hersteller kopiert und über einen deutschen Online-Händler vertrieben.
Dreiste Kopie eines Insektenstichheilers aus Ulm
Der markante Ring, die fast identische Form - dass sich der Hersteller aus China an dem Insektenstichheiler aus Ulm nicht nur orientiert hat, ist klar zu erkennen. In diesem Fall geht es aber nicht nur um das geschützte Design der Firma Beurer. Das Original ist auch ein medizinisches Produkt, muss für diese Bezeichnung zunächst strenge Anforderungen und Prüfungen der EU bestehen.
Diese Prüfungen habe das Plagiat allerdings gar nicht durchlaufen, teilte Beurer dem SWR mit. "Ohne diese Zulassung hätte es gar nicht vertrieben werden dürfen", so Julia Ott von der Abteilung Produktmanagement. "Plagiate bedrohen also nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Verbraucher, die darauf vertrauen müssen, dass ein Produkt höchste Standards erfüllt."
Verkauf des Beurer-Plagiats in der EU gestoppt, in China nicht
Der Verkauf dieses Plagiats ist in der EU mittlerweile gestoppt. Ein deutscher Online-Händler habe eine entsprechende Unterlassungserklärung bereits unterschrieben, erklärt Julia Ott. Allerdings: Der Designschutz des Ulmer Unternehmens gilt nicht für den chinesischen Markt. Dort hat laut der Aktion Plagiarius der Hersteller des Plagiats nun selbst einen Designschutz eintragen lassen und bietet seinen Insektenstichheiler weiter an.
Solche Fälle führen zu großen wirtschaftlichen Schäden bei den betroffenen Unternehmen. Gefälschte und potenziell gefährliche Waren im Wert von fast 3,4 Milliarden Euro hat der EU-Zoll allein im Jahr 2023 beschlagnahmt. So die aktuellsten Zahlen der Europäischen Kommission und des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Gerade Online-Händler aus China stehen hier im Fokus, so Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius.
Plagiate können gefährlich sein
Doch nicht nur die Verhinderung dieses wirtschaftlichen Schadens treibt den Verein an, sondern auch der Verbraucherschutz. "Es gibt ganz viele Beispiele, bei denen sich die Elektronik im wahrsten Sinne des Wortes als brandgefährlich entpuppt", so Lacroix.
Es wurden auch schon Feuermelder entdeckt, die kein Feuer melden.
Aber auch Kleidung mit zu viel Chemie oder zerbrechliches Material besonders bei Kinderspielzeug, das dann zu Verletzungen führen kann, sei oft ein Problem. "Es wurden auch schon Feuermelder entdeckt, die kein Feuer melden oder Medikamente mit falsch dosierten oder viel zu geringem Wirkstoff."
Günstigerer Preis oft schon der erste Hinweis auf ein Plagiat
Der oft günstigere Preis des Plagiats sei dabei natürlich ein erster Hinweis, dass es sich um eine Nachahmung handelt. "Es heißt immer so schön: "too good to be true", dann ist es das auch," erklärt Lacroix. Der Verbraucher solle aber auch besonders auf die Qualität und die Verpackung der Produkte schauen, um sicherzugehen, kein Plagiat oder eine Fälschung zu kaufen.
Beim Kauf im Internet rät Lacroix den Verbrauchern, zunächst einen Blick ins Impressum und auf die Zahlungs- und Widerrufbedingungen zu werfen. "Wenn es beispielsweise heißt, heute nur per Vorkasse möglich, dann sollten die Alarmglocken schrillen." Auch Kundenbewertungen können helfen.
Weitere Unternehmen aus Baden-Württemberg betroffen
Außer der Firma Beurer haben auch noch drei weitere betroffene Firmen aus Baden-Württemberg ihren Fall bei der Aktion Plagiarius eingereicht. Besonders bemerkenswert: Mit dabei ist auch ein Künstler aus dem Kreis Karlsruhe, der eines seiner Motive zufällig auf einer Porzellan-Serie entdeckt hat. Neun Jahre dauerte nach Angaben des Vereins der Prozess, weil der französische Händler, der diese Porzellan-Serie vertrieb, keine Urheberrechtsverletzung sah. Als "Belohnung" bekommt er nun den schwarzen Zwerg mit goldener Nase.
Auch globale Unternehmen wie Mercedes-Benz sind nicht vor Plagiaten und Fälschungen gefeit. In Spanien hat eine Firma einen Kühlergrill vertrieben, der dem Original des deutschen Automobilherstellers aus Stuttgart verdächtig ähnlich sieht. Das Kuriose: Laut der Aktion Plagiarius war die Fälschung sogar 150 Euro teurer als das Original.
Gefährlich wird's bei Plagiaten, die den Schraubendrehern der Firma Wiha in Schonach (Schwarzwald-Baar-Kreis) nacheifern wollen. Denn bei den kopierten Produkten eines chinesischen Herstellers soll die Gefahr eines Stromschlags bestehen, heißt es in der Begründung der Aktion Plagiarius, die diesen Fall ebenfalls mit dem Negativpreis auszeichnet.
Unternehmen oft uneinsichtig wegen Negativpreis Plagiarius
Persönlich überreicht wird der Plagiarius Negativpreis in der Regel übrigens nicht. Die Preisträger wurden am Freitag bei einer Pressekonferenz auf der Messe "Ambiente" in Frankfurt vorgestellt. Die nominierten Unternehmen bekommen aber im Vorfeld die Möglichkeit, sich zu äußern, so Lacroix. "Einige reagieren gar nicht. Manche bestreiten ganz vehement das Plagiat und weisen auf winzigste Unterschiede hin oder behaupten einfach, sie hätten es nie verkauft."
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Oft finde aber auch eine Einigung statt. "Aufgrund des Drucks, dass man öffentlich mit dem Plagiarius in Verbindung gebracht wird", erklärt Lacroix. So komme es in diesen Fällen dann zu einer Unterlassungserklärung des Nachahmers. Oder zumindest des Händlers, wie im Fall der Ulmer Firma Beurer.