Schon die Attacke auf den israelischen Rüstungskonzern Elbit in Ulm hatte für viel Aufsehen gesorgt, zu Prozessbeginn herrschte nun Chaos im Gerichtssaal in Stuttgart-Stammheim. Den Angeklagten wird vorgeworfen, im September 2025 in das Gelände des Unternehmens eingedrungen zu sein und dabei Sachschaden in Höhe von rund einer Million Euro verursacht zu haben. Der Prozess wurde nach wenigen Stunden auf Anfang Mai vertagt.
Prozess startet turbulent mit über einer Stunde Verzögerung
Die Verhandlung im Prozessgebäude in Stammheim wurde begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen und einer hohen Polizeipräsenz. Noch vor Beginn der Verhandlung verteilten Unterstützer mehrfach Presseerklärungen an die Journalisten im Saal, die von Justizbeamten umgehend eingesammelt wurden.
Mit anderthalbstündiger Verzögerung wurden die Angeklagten in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Mehrere Zuschauer brachen daraufhin in Jubel und Geschrei aus. Diese grüßten ihre Anhänger, lächelten und zeigten mit ihren Händen das Victoryzeichen. Die Richterin konnte das Verfahren kaum eröffnen, da unterbrachen zwei Verteidiger ihre Rede. Die Anwälte redeten durcheinander und stellten Anträge.
Die Anwälte der fünf Angeklagten verließen geschlossen den Gerichtssaal, als das Gericht die Personalien ihrer Mandanten feststellen wollte. Zuvor hatten sie vergeblich beantragt, dass ihre Mandanten nicht hinter einer dicken Sicherheitsglasscheibe von ihnen getrennt sitzen müssen.
Nach einer Unterbrechung setzten sich die Verteidiger auf die Plätze der Angeklagten und verließen diese trotz Aufforderung der Richterin nicht. Daraufhin unterbrach sie die Sitzung und vertagte die Verhandlung auf kommende Woche.
Am Montagabend teilten die Anwälte in einer Pressemitteilung mit, dass sie einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin stellen - wegen einer "nicht hinnehmbaren" Verletzung des Anspruchs ihrer Mandanten auf ein faires Verfahren.
Prozess am Landgericht Stuttgart Überfall auf Rüstungsfirma in Ulm: Das sind die Vorwürfe gegen die fünf Verdächtigen
Im vergangenen September sollen fünf junge Leute Räume einer Rüstungsfirma in Ulm verwüstet haben. Am Montag beginnt in Stuttgart der Prozess gegen sie. Die Vorwürfe wiegen schwer.
Vorwürfe: Angriff auf Rüstungsfirma und Mitgliedschaft in krimineller Vereinigung
Den drei Frauen und zwei Männern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren mit irischer, britischer, spanischer und deutscher Staatsangehörigkeit werden Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Laut Anklage sollen sie der Organisation "Palestine Action Germany" angehören. Sie sollen im September 2025 in das Firmengelände des isrealischen Rüstungsherstellers Elbit in Ulm eingebrochen sein, Inventar zerstört, Wände besprüht und damit einen Millionenschaden verursacht haben.
Die Angeklagten hatten sich am Tatort widerstandslos festnehmen lassen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft, unter anderem wegen Fluchtgefahr. Die Verteidigung hat die Haftbedingungen bereits im Vorfeld kritisiert.