Fast ein halbes Jahrhundert lang haben die beiden riesigen Kühltürme des Atommeilers in Gundremmingen im bayerischen Kreis Günzburg das Landschaftsbild geprägt. Am Samstag sind die 160 Meter hohen Giganten mit lautem Knall in sich zusammengefallen. Laut Polizei kamen rund 30.000 Menschen, vor allem aus Bayern und dem benachbarten Baden-Württemberg, um sich das Ereignis anzuschauen.
AKW Gundremmingen: Kühltürme sind Geschichte
Pünktlich um 12 Uhr war es soweit: Nach einer ersten sogenannten Vergrämungssprengung knallte es zwei Mal - dann sackten die beiden Kühltürme in sich zusammen. Nur wenige Sekunden lagen zwischen den beiden Sprengungen des Energiekonzerns RWE. Dieser hatte vor dem Abbruch bereits 2024 die Kühlturm-Einbauten entfernt.
Im vergangenen Sommer hatte man mit den notwendigen Markierungen begonnen. Dabei wurden auch die Kühltürme mit Fallschlitzen versehen, damit sie jetzt geplant einstürzen konnten. Deren Durchmesser betrug 129 Meter an der sogenannten Oberkante, direkt über den Stützen. An der Mündung, also dem höchsten Punkt, betrug der Durchmesser 85 Meter, erklärt der Konzern auf seiner Internetseite.
Rund 600 Kilogramm Sprengstoff
Rund 600 Kilogramm Sprengstoff in insgesamt 1.800 Bohrlöchern seien erforderlich gewesen, um die beiden Kühltürme – die in der Betriebsphase nie mit Radioaktivität in Berührung gekommen sind – niederzulegen, teilt das Unternehmen RWE mit. Die rund 56.000 Tonnen Material sollen zu Recycling-Schotter aufbereitet werden.
Besucheransturm und Partys rund um AKW Gundremmingen
Viele Schaulustige hatten sich bereits morgens auf Beobachtungsposten begeben, um den Einsturz der gigantischen Bauten vom besten Platz aus zu beobachten. Ganz nahe konnten sie den beiden Kühltürmen allerdings nicht kommen. Das Landratsamt Günzburg hatte bereits im Vorfeld mit einem riesigen Besucheransturm gerechnet und aus Sicherheitsgründen eine Sperrzone eingerichtet. Diese konnte am frühen Nachmittag aufgelöst werden, hieß es. Die Polizei war am Samstag mit hunderten Einsatzkräften vor Ort. Zwei angemeldete Versammlungen von einigen Atomkraftbefürwortern seien ohne Störungen verlaufen, so die Polizei.
Vier Jahre nach dem Abschalten von Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen sind nun die markanten Türme Vergangenheit. Dies wollten manche bei "Sprengwurst" und Getränken bei spontanen Abbruchpartys in der Umgebung feiern und das Ereignis beobachten, wie etwa in Rammingen (Alb-Donau-Kreis). Doch die schlechte Sicht machte hier den Zuschauern teilweise einen Strich durch die Rechnung.
Einige Anwohner aus der Umgebung reagierten aber auch wehmütig auf das Verschwinden der markanten Bauwerke. "Mit dem Abriss der Kühltürme geht für uns alle ein Stück Heimat verloren", sagte Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler (CSU). Nach der Sprengung kam es wegen der Abreise der Interessierten zu langen Staus rund um Gundremmingen.
An die Stelle des AKW kommt der größte Batteriespeicher Deutschlands
Das Kernkraftwerk ging 2021 mit der Abschaltung des dritten Blocks endgültig vom Netz. Seitdem wird die Atomanlage zurückgebaut, was noch Jahre dauern kann. Der Energiekonzern RWE bereitet nach eigenen Angaben die Folgenutzung des Standorts vor.
Seit den 60er Jahren wurde das Areal für die Kernkraft genutzt. Für kommenden Mittwoch ist dort bereits der Spatenstich für einen Batteriespeicher geplant. Mit einer Kapazität von rund 700 Megawattstunden soll er laut RWE der aktuell größte in Deutschland werden.