Waschbären breiten sich in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) immer weiter aus - wie an vielen anderen Orten im Land. Sie verdrängen heimische Arten und sorgen für Ärger bei Anwohnern. Stadtjäger Julian Moosbauer soll den Konflikt zwischen Mensch und Tier entschärfen - ohne dabei die Natur aus den Augen zu verlieren.
Besuch von Waschbären im Garten: Ein Job für den Stadtjäger
"Eigentlich wollten wir mit der Wildtierkamera Igel beobachten", erzählt Bernd Dauner. Doch er und seine Frau Monika waren überrascht, als sie in ihrem Garten stattdessen unerwarteten Besuch von einer Waschbärenfamilie bekamen. Aufnahmen ihrer Wildtierkamera zeigen, wie sich die Waschbären durch das kleine Türchen ins Igelhaus zwängen.
Stadtjäger, ein oft missverstandener Job
"Seitdem kommen keine Igel mehr. Vermutlich wurden sie verdrängt", sagt Dauner. Um ihr Waschbär-Problem zu lösen, hat sich das Ehepaar Rat bei Blaubeurens Stadtjäger Julian Moosbauer geholt. Wobei: "Die Bezeichnung Stadtjäger wird oft missverstanden", sagt Moosbauer. "Wir laufen schließlich nicht mit dem Gewehr herum und erschießen Waschbären."
Die Hauptaufgabe des 32-Jährigen liege stattdessen darin, "Wildtierakzeptanz" zu schaffen. Dafür spricht er mit den Bürgern und berät sie schnell und unkompliziert. Und er verhindert, dass Betroffene die Wildtiere illegal einfangen.
Wie Futter in Gärten Waschbären anlockt
Wenn Moosbauer gerufen wird, macht er sich zunächst ein Bild vor Ort. Anrufe wegen Waschbären bekommt er alle zwei bis drei Wochen. Meistens reicht ein aufklärendes Gespräch per Telefon aus. Im Fall der Dauners scheinen die Waschbären aber hartnäckig an einem Ort zu bleiben. Und das liegt am Futter, das die Tiere im Garten des Ehepaars finden.
Auf der großen Wiese stehen Obstbäume, an den Ästen hängt Vogelfutter, im Igelhäuschen versteckt sich ein Futternapf. "Futterquellen ziehen die Tiere immer an, die sind im Idealfall zu entfernen und Komposthaufen zu verschließen, damit das Tier einfach nicht herankommt", erklärt Moosbauer dem Ehepaar.
Von wegen süß: Vorsicht vor dem Waschbärspulwurm
Mit seinen niedlichen Knopfaugen wirkt der Waschbär fast harmlos. Doch als invasive Art vertreibt er heimische Tierarten, kann Schaden anrichten und im schlimmsten Fall die Gesundheit gefährden. Denn der Waschbärspulwurm, der im Darm des Wildtiers lebt, kann auch bei Menschen Organe und Gewebe angreifen. Julian Moosbauer rät daher: Beim Entfernen von Kot im Garten unbedingt Handschuhe und einen Mundschutz tragen.
Waschbär müsste nach dem Einfangen erschossen werden
Gegen die Waschbären hilft es, den Garten so unattraktiv wie möglich für die Waschbären zu gestalten. Eine Falle aufstellen darf aber nur der Stadtjäger selbst. Denn: Wenn ein Tier eingefangen wird, muss er es erschießen. So sollen Jäger laut einer EU-Verordnung invasive Arten besser in den Griff bekommen.
Zurück bei Familie Dauner: In deren Garten stellt Moosbauer zwar eine Falle auf, aber nicht, um die Waschbären einzufangen. Der Stadtjäger will die Tiere anlocken, um zu sehen, ob eines Junge trägt. Denn Muttertiere dürfen nicht eingefangen werden. Moosbauer betont, die Tiere einzufangen und zu erschießen sei für ihn die letzte Konsequenz, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen. Als Stadtjäger möchte er für ein friedliches Zusammenleben von Waschbären und Menschen sorgen.