Waschbär im Garten: Wie gefährlich ist das Tier, wie kann ich es vertreiben?

Sie sind putzig – und ein Problem: Waschbären breiten sich rasant aus, gefährden heimische Tierarten und machen Ärger im Garten und Haus. Ihr Kot kann zudem Krankheiten übertragen. Wie aber wird man sie los?

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Von Autor/in Fabian Ziehe

Ist ein Waschbär im Garten oder Haus gefährlich?

Waschbären sind Wildtiere. Insofern sollte man Abstand halten, auch wenn sie normalerweise nicht aggressiv sind und die Flucht ergreifen, wenn man sich ihnen nähert. Bissig und aggressiv werden sie nur, wenn man sie in die Enge treibt. Da die Tiere nachtaktiv sind, wird man ihre Anwesenheit ohnehin zunächst eher hören: Sie fauchen, schnattern, schnurren, schreien, knurren und mehr. Auch das Tapsen sowie das Scheppern, wenn etwas um- oder herunterfällt, hört man. Nervig, aber harmlos.

Nicht harmlos ist, dass sie auch Beeren und mehr anknabbern, Mülltonnen und Kompost durchwühlen. Die Allesfresser schätzen das Nahrungsangebot durch den Menschen. Was leicht zu haben ist, holen sie sich. Was die aus Nordamerika eingeschleppten Kleinbären zur Gefahr für heimische Tiere macht: Vögel und deren Eier, Amphibien, Insekten, Weichtiere, Kleinsäuger – der Speisezettel ist lang. Über Kot und Urin kann der Waschbär Krankheitserreger und Parasiten auf Mensch und Haustiere übertragen, wie die Staupe oder den Spulwurm.

Was tun bei einem Waschbären im Dach?

Ursprünglich lebt der Waschbär in Mischwäldern nahe von Gewässern auf Bäumen, in Höhlen und verlassenen Bauten. Im Garten, also in menschlicher Nachbarschaft, tut's auch ein Holzstapel, eine Hütte oder Ähnliches. Oder eben das Wohnhaus, etwa der Dachstuhl. Manchmal bleibt er nur eine Nacht. In anderen Fällen aber richten die Weibchen im Frühjahr dort ihre Kinderstube ein. Oder die Tiere überwintern dort. Dann zerrupfen sie auch mal Dämmungen und hinterlassen Kot und Urin.

Ein Waschbär schiebt seinen Kopf unter einer Dachpfanne hervor: Um ins Innere von Häusern zu gelangen, nutzen Waschbären jeden Weg, der sich ihnen bietet. Um ihn zu vertreiben, müssen alle Zugänge versperrt werden.
Ein Waschbär schiebt seinen Kopf unter einer Dachpfanne hervor: Um ins Innere von Häusern zu gelangen, nutzen Waschbären jeden Weg, der sich ihnen bietet. Um ihn zu vertreiben, müssen alle Zugänge versperrt werden.

Wer im Haus keinen ungebeten Mitbewohner haben möchte, der sollte so vorsorgen wie beim Marder: Zugänge verschließen, Klettermöglichkeiten und Bewuchs ums Haus entfernen, Dachrinnen mit Manschetten sichern, Katzenklappen über Nacht verschließen oder mit einem Chip sichern. Zudem kann man es mit Geräuschen, Licht oder unangenehmen Gerüchen versuchen. Die Tipps dazu im Internet sind groß, was tatsächlich hilft ist aber unklar. Gut ist auf jeden Fall: das Nahrungsangebot einschränken: Alles Essbare sollte für Waschbären unerreichbar sein – auch Katzenfutter!

Was tun, wenn man Waschbären im Garten hat?

Das gilt auch für den Garten: Um Waschbären von Mülltonnen fernzuhalten, hilft oft nur ein schwerer Stein auf dem Deckel oder ein fester Verschluss. Müllsäcke sollten erst kurz vor der Abholung raus. Bei Obstbäumen kann helfen, das Fallobst abzusammeln, bodennahes Obst zu entfernen und mit einem Kragen ein Hinaufklettern zu verhindern. Auch Vogelfutter und -häuschen sollte unerreichbar sein für die Tiere. Auf den Kompost sollten nur Gartenabfälle und Gemüsereste, keine tierischen Abfälle oder Lebensmittel.

Ein Waschbär im Garten: Um den ungebetenen Gast zu vertreiben, sollte man ihm die Umgebung so unattraktiv wie möglich machen – gerade was einen Unterschlupf und Nahrungsquellen angeht.
Ein Waschbär im Garten: Um den ungebetenen Gast zu vertreiben, sollte man ihm die Umgebung so unattraktiv wie möglich machen – gerade was einen Unterschlupf und Nahrungsquellen angeht.

Zudem hilft es im Garten, jeden möglichen Unterschlupf zu beseitigen – etwa im Gartenschuppen oder beim aufgeschichteten Brennholz. Hobby-Geflügelhalter sollten ihre Ställe über Nacht sichern, was eh wegen Füchsen und Mardern ratsam ist. Das Vertreiben der Tiere per Geruch, Ultraschall oder Infrarotlicht funktioniert in der Praxis kaum, zumal sich die Tiere an die Vergrämung gewöhnen. Ziel sollte prinzipiell sein, Waschbären, wie allen anderen unerbetenen kleinen Säugetieren, keinen Unterschlupf und kein Futter zu bieten.

Wie werde ich einen Waschbären wieder los?

Klar ist aber: Wie eben Fuchs und Marder, sind auch Waschbären nicht von menschlichen Siedlungen ganz fern zu halten. Zumal Privatleuten die Tiere nicht fangen und töten dürfen. Gift auszulegen kann zudem gefährliche Konsequenzen haben, etwa wenn Kinder die Kadaver finden. Bei "Problemwaschbären" kann ein Kammerjäger, Jäger oder Wildtierbeauftragter des Kreises helfen. Wobei klar ist: Gefangene Tiere müssen getötet werden, Umsiedeln ist verboten. Und wo der eine Waschbär weg ist, ist Platz für einen Neuen.

Dieser Waschbär wurde in einem Garten mit einer Lebendfalle gefangen. Solche Fallen dürfen nur von Fachleuten aufgestellt werden. Gefangene Tiere müssen getötet werden.
Dieser Waschbär wurde in einem Garten mit einer Lebendfalle gefangen. Solche Fallen dürfen nur von Fachleuten aufgestellt werden. Gefangene Tiere müssen getötet werden.

Ausrotten wird man den Waschbären nicht. Der Deutsche Jagdverband hält eine konsequente Jagd auf die Tiere für notwendig. Andere widersprechen: "Die Gefahren lassen sich durch passive Schutzmaßnahmen in Grenzen halten", sagt das Umweltbundesamt. Die Bedrohung der heimischen Tierwelt durch den Menschen selbst sei ungleich größer als die Folgen der Waschbär-Populationen, sagt die Tierschutzorganisation Peta. Der Naturschutzverband Nabu will nur in Einzelfällen eine Bejagung. Sinnvoller sei es, bedrohten Tierarten, denen der Waschbär nachstellt, mehr Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen.

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Fabian Ziehe
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