Viele Grünflächen sind in diesem Sommer vertrocknet, daran haben auch einzelne Regenschauer im Juli nichts geändert. Das Landratsamt Neu-Ulm ruft aktuell zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. Gleichzeitig laufen auf Sportplätzen teils stundenlang die Rasensprenger.
- Warum in Neu-Ulm Sportplätze während einer Hitzewelle täglich bewässert werden
- Darum wird Grundwasser für die Bewässerung benutzt
- Warum nur bei Oberflächenwasser zum Sparen aufgerufen wird
- Ulm bewässert Sportplätze mit Trinkwasser - Warum gibt es hier keine Verbote?
Warum in Neu-Ulm Sportplätze während einer Hitzewelle täglich bewässert werden
Dieses Phänomen ist Joachim Zahn aus Ulm aufgefallen. Gerade als die Nachricht zum Wassersparen im Radio kam, ist er an einem sattgrünen Neu-Ulmer Sportplatz vorbeigefahren, der offenbar täglich bewässert wird: "Warum soll ich Wasser sparen müssen, während anderswo diese kostbare Ressource vergeudet wird?", fragt er sich.
Die Stadt Neu-Ulm bestätigt seine Beobachtung. Wie die Verwaltung dem SWR auf Nachfrage mitteilte, werden alle städtischen Spielfelder mit Beregnungsanlagen bewässert. Bei der Hitzewelle im Juni täglich und stundenlang, wie es weiter heißt.
Darum wird Grundwasser für die Bewässerung benutzt
Wie die Stadt weiter mitteilte, werden die Beregnungsanlagen - bis auf eine Ausnahme - von Grundwasser gespeist. Die Grundwasserbrunnen würden das benötigte Wasser noch liefern.
Neben der Stadt Neu-Ulm nutzen viele Landwirte und Sportvereine, aber teils auch Privatpersonen mit Garten, Regenwasserzisternen oder Brunnen zur Bewässerung ihrer Flächen. Dabei wird Grundwasser nach oben gepumpt. Dafür gibt es aktuell keine Einschränkungen.
Außerhalb von Hitzewellen sei es allerdings üblich, die Spielfelder nur zwei- bis dreimal in der Woche nachts durchdringend zu wässern. Dass dient dazu, die Wurzeln der Gräser anzuregen, Wasser in größerer Tiefe zu suchen und so trittfester und resistenter gegen Trockenheit zu werden.
Warum nur für Oberflächenwasser zum Sparen aufgerufen wird
Ob das Wässern erlaubt oder eingeschränkt ist, hängt also damit zusammen, woher das Wasser kommt. Der Appell des Neu-Ulmer Landratsamtes zum Wasser sparen gilt für das Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen.
Die anhaltende Trockenheit habe in vielen Gewässern des Landkreises zu sehr niedrigen Wasserständen geführt. In der Donau, der Roth und der Leibi seien bereits Beeinträchtigungen des ökologischen und chemischen Gewässerzustands festzustellen, heißt es in einer Mitteilung. Bürgerinnen und Bürger sollten Oberflächenwasser nur "in unbedingt notwendigem Umfang" entnehmen.
Auch im benachbarten Alb-Donau-Kreis und der Stadt Ulm ist die Entnahme von Oberflächenwasser stark eingeschränkt worden. Der Alb-Donau-Kreis hat ein Verbot für Bäche, Flüsse und Quellen bereits Mitte Juni erlassen. Ab dem 27. Juli darf auch kein Wasser mehr aus Seen, Weihern und Tümpeln entnommen werden. Laut Umweltbehörden hat das Grundwasser in Baden-Württemberg zwar unterdurchschnittliches Niveau. Die Reserven reichen nach Angaben der Versorger derzeit aber aus.
Ulm bewässert Sportplätze mit Trinkwasser - Warum gibt es hier keine Verbote?
Auch beim Trinkwasser gibt es zwar Appelle zum Sparen, aber keine Verbote. Die Sportplätze der Stadt Ulm zum Beispiel werden zum größten Teil aus Trinkwasserleitungen bewässert. Die dafür nötige Infrastruktur stelle die Stadt, so der Abteilungsleiter für Sport- und Freizeitanlagen, Peter Häger. Das Bewässern und die Kosten fürs Wasser übernehmen die Vereine. Ein Platz, der bei langer Trockenheit nicht bewässert werde, gehe kaputt, so Häger. Gleichzeitig befürchtet er, dass das Trinkwasser in Zukunft immer knapper und teurer wird.
Joachim Zahn ist von der Begründung, dass für die Neu-Ulmer Sportplätze Grundwasser und kein Oberflächenwasser verwendet wird, nicht so ganz überzeugt. Wenn Wasser wirklich so knapp sei, dann müsse man doch auch am Grundwasser sparen, meint er.