In einem unscheinbaren Haus am Rand der Ulmer Innenstadt, in dem sich heute ein Steakhouse befindet, hat Hildegard Frieda Albertine Knef rund ein halbes Jahr gelebt. Geboren wurde sie in Ulm am 28. Dezember 1925 als Tochter des Tabakkaufmanns und Prokuristen Hans Theodor Knef und seiner Frau Frieda Auguste Knef, geborene Gröhn. Getauft wurde Hildegard in der Dreifaltigkeitskirche, dem heutigen Haus der Begegnung. Doch als sie sechs Monate alt war, starb ihr Vater an Syphilis. Die Mutter zog mit ihrer Tochter nach Berlin, wo Hildegard aufwuchs und später in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs ihre Karriere begann. Sie war die erste große Schauspielerin der Nachkriegszeit.
Meine aller erste Rolle war am Deutschen Theater in Berlin. In einem Stück, das hieß ‚Der kleine Herr Niemand.‘ Und das war also in der schwersten Kriegszeit und wir konnten fast nie eine Vorstellung zu Ende spielen, weil also entweder Fliegeralarm war oder andere Scherze.
Hobbyhistorikerin Silberberger: Nacktszene sorgte auch in Ulm für Aufregung
Die ehemalige Lehrerin und Hobby-Historikerin Ursula Silberberger aus Ulm hat zu den Verbindungen von Hildegard Knef zu Ulm recherchiert. "Sie sagte selber mal: Der Name Ulm begleitet einen eigentlich durchs ganze Leben. Wann immer sie ihren Pass vorlegen musste. Und Ulm ist natürlich stolz auf sie, auch wenn das damals bei dem Skandal um die Sünderin nicht unbedingt zum Tragen gekommen war."
Eine kurze Nacktszene im Film "Die Sünderin" (1951) sorgte damals für eine Welle der Empörung. Millionen Menschen strömten aus Neugierde in die Kinos, Millionen boykottierten den Film - auch in Ulm. "Da müssen vor allem Jugendliche, und zwar konfessionelle, evangelische und katholische, den Aufstand gemacht haben. In den Zeitungen steht, die seien auf das Dach geklettert und hätten von oben Wasser und Dreck auf die Besucher geworfen", erzählt Urusla Silberberger im SWR-Interview.
Knef besuchte Ulm immer wieder und warb für die Stadt
Hildegard Knef blieb jedoch in einer "symbolischen Liebe" ihrer Geburtsstadt verbunden - hauptsächlich als Erinnerung an ihren Vater, den sie nie kennengelernt hatte, wie sie in ihrer Autobiografie "Der geschenkte Gaul" schrieb. Auch als gefeierter Filmstar besuchte Hildegard Knef einige Mal Ulm und warb bei ihren Freunden für ihre Geburtsstadt. Der Schriftsteller Henry Miller besuchte die Stadt tatsächlich und schrieb ihr 1961 auf einer Postkarte aus Ulm: "bin hier, und mag es sehr". Kurz nach ihrem Tod im Jahr 2002 wurde ein Platz in der Ulmer Oststadt neben dem Congress Centrum nach Hildegard Knef benannt.
Hommage erinnert an die Sängerin und Schauspielerin
Ulm, Berlin, Hollywood und zurück nach Europa. Die Lebensstationen von Hildegard Knef, ihre berühmten Chansons und auch ihr Können als Schrifstellerin beleuchten zwei Veranstaltungen zu ihrem 100. Geburtstag. Das Theater Ulm widmet der Grande Dame des Deutschen Chansons einen Liederabend mit der Sängerin Tini Prüfert. Die Sängerin war schon vor zehn Jahren an einem Hildegard-Knef-Abend beteiligt.
Am Samstag kommt eine Neufassung auf die Ulmer Theaterbühne. Der schlichte Titel lautet: "Knef". Am Sonntag folgt eine Knef-Matinée bei der Museumsgesellschaft Ulm in der Neuen Straße. Die Hommage an Knef umfasst einen Vortrag von Ursula Silberberger, umrahmt von einem Konzert des Scherer-Ensembles, einer Ulmer Vokalgruppe. Der Titel der Veranstaltung: "Die Sünderin aus Ulm".