Auf der Schwäbischen Alb gibt es 2.800 bekannte Höhlen. Sechs von ihnen gehören seit 2017 zum UNESCO-Welterbe. Denn in den Höhlen in den Tälern des Ach- und Lonetals im Alb-Donau-Kreis und im Kreis Heidenheim sind einige der ältesten bekannten Kleinkunstwerke der Menschheit gefunden worden. Auch die ältesten weltweit bekannten Musikinstrumente, Flöten aus Tierknochen, wurden hier entdeckt.
Überblick über die UNESCO-Welterbehöhlen und die Wanderwege
Mit dem Welterbe-Titel "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" war damals ein klares Vorhaben verbunden: die Höhlen und damit die Fundorte der urzeitlichen Kunstwerke und Musikinstrumente für alle zugänglich zu machen. Doch seit längerem sind nur zwei der sechs Welterbehöhlen geöffnet. Und das hat Gründe.
Vandalismus: Sirgensteinhöhle im Achtal abgesperrt
An der Sirgensteinhöhle im Achtal bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) hält ein Bauzaun seit Herbst 2024 Besucherinnen und Besucher davon ab, die Höhle zu betreten. An den Wänden haben sich Besucher mit Gemälden und Unterschriften verewigt. In der Höhle selbst wurde Feuer gemacht sowie Partys gefeiert - und Hobbyarchäologen haben hier wild gegraben und nach Artefakten gesucht. Dabei haben sie Einiges durcheinander gebracht, sagt Guido Bataille vom Landesamt für Denkmalpflege.
Denn für Archäologen sind nicht nur die urzeitlichen Funde wichtig. Auch die Erdschichten geben Aufschluss über die Steinzeitmenschen und ihre Gewohnheiten. In der Sirgensteinhöhle ist das an manchen Stellen unter anderem durch die Raubgrabungen durcheinander geraten "Das ist hier oben alles vermischt. Und hier weiter unten ist das in der originalen Lage abgelagert", erklärt Bataille.
In der Sirgensteinhöhle wollen Archäologen der Universität Tübingen ab Herbst wieder forschen: Denn bei Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass es in der Höhle noch unberührte Stellen gibt, die bis in 2,50 Metern Tiefe Funde aufweisen können.
Steinschlag: Welterbe Geißenklösterle gesperrt
Aber es gibt auch andere Gründe, warum einige der UNESCO-Welterbehöhlen derzeit nicht zugänglich sind. So hat es etwa im Achtal auf dem Weg zum Geißenklösterle bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) Steinschlag gegeben. Der Weg direkt zur Höhle ist deshalb aus Sicherheitsgründen gesperrt - laut Stadt Blaubeuren mindestens noch bis Ende des Jahres.
Unfall: Bocksteinhöhle im Lonetal gesperrt
Die Bocksteinhöhle in der Nähe von Rammingen und Öllingen (beide Alb-Donau-Kreis) ist dagegen bis auf weiteres gesperrt. Laut Beschluss des Öllinger Gemeinderates soll jetzt mit dem Kreisbrandmeister des Alb-Donau-Kreises und dem Landesamt für Denkmalpflege über das weitere Vorgehen beraten werden. Anfang April 2026 war ein achtjähriges Mädchen in dem Gebiet in ein Loch gefallen und drei Meter tief gestürzt.
Gelände weiter abgesperrt Unfall im Lonetal: Mädchen nach Höhlenabsturz auf dem Weg in die Heimat
Nach ihrem Absturz in die Bocksteinhöhle bei Rammingen ist ein achtjähriges Mädchen wieder auf dem Weg nach Hause. Die Absperrung rund um den Höhlenkomplex im Lonetal bleibt vorerst bestehen.
Schließung Archäopark: auch Vogelherdhöhle zu
Die Vogelherdhöhle im Lonetal liegt auf dem Gelände des früheren Archäoparks bei Niederstotzingen (Kreis Heidenheim). Seit der Schließung des archäologischen Themenparks Ende 2022 ist die Höhle geschlossen. Im April hat auf dem Gelände ein Kindergarten aufgemacht. Die Stadt Niederstotzingen plant, die Vogelherdhöhle wieder eingeschränkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Geöffnet: Hohle Fels der UNESCO bei Schelklingen
Der Hohle Fels bei Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) ist für Besucher freitags und am Wochenende geöffnet. Die "Venus vom Hohle Fels" wurde hier gefunden. Die aus Mammutelfenbein geschnitzte Figur ist etwa 40.000 Jahre alt und damit die älteste bekannte figürliche Darstellung eines Menschen weltweit. Die Venus und andere Funde wie der Wasservogel oder Doppellochperlen sind im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst (urmu) in Blaubeuren ausgestellt.
Frei zugänglich: Hohlenstein Stadel-Höhle im Lonetal
Die Hohlenstein Stadel-Höhle im Lonetal bei Asselfingen (Alb-Donau-Kreis) ist für Besucherinnen und Besucher in großen Teilen frei zugänglich. Hier wurde der Löwenmensch gefunden. Die urzeitliche Skulptur aus Mammut-Elfenbein ist noch bis Oktober 2026 in der Kunsthalle Weishaupt zu sehen.