Welterbe-Höhle in Schelklingen

Größtes Werkzeug: Archäologen entdecken im Hohle Fels Meißel aus Elfenbein

Es ist weltweit das bislang größte Werkzeug aus Elfenbein, das Archäologen in einer Höhle im Alb-Donau-Kreis entdeckt haben: ein 25 Zentimeter langer und 39.000 Jahre alter Meißel.

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Von Autor/in Peter Köpple

Ein Meißel aus Elfenbein: Archäologen der Universität Tübingen stellen ihren jüngsten Fund vor - und sprechen von einer Sensation. Das Werkzeug biete neue Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen vor rund 40.000 Jahren.

Weltweit gebe es kein vergleichbares Stück. Der Meißel aus der Welterbe-Höhle "Hohle Fels" bei Schelklingen ist das größte Elfenbein-Werkzeug, das jemals gefunden wurde. Er ist genau 24,8 Zentimeter lang und 168 Gramm schwer.

Studentin aus Wales entdeckt das Werkzeug aus Elfenbein

Am Donnerstag hat das Team um Archäologie-Professor Nicholas Conard das einzigartige Objekt im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren als "Fund des Jahres" präsentiert. Entdeckt wurde es bereits im Juli 2024 von einer jungen Studentin aus Wales, die zu dem internationalen Grabungsteam in der Schelklinger Höhle gehörte. Jetzt steht für die Wissenschaftler fest: Das ungewöhnliche große Elfenbeinstück war ein Meißel, mit dem die Menschen früher wiederum Elfenbein weiter verarbeitet hatten.

Archäologen der Universität Tübingen haben im Hohle Fels bei Schelklingen im Alb-Donau-Kreis das weltweit bislang größte Werkzeug aus Elfenbein entdeckt. Der Fund ist am Donnerstag im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren präsentiert worden.
Professor Nicholas Conard und Elfenbein-Spezialistin Sibylle Wolf von der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren den Fund des Jahres: einen 39.000 Jahre alten Meißel aus Elfenbein.

Meißel ein Beleg für eine regelrechte Elfenbeinindustrie

Für Professor Conard, auch wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums, ist der Fund ein Beleg dafür, dass es damals auf der Alb eine regelrechte Elfenbeinindustrie gab. Mit Elfenbein wurde Elfenbein bearbeitet. Denn nicht nur Schmuckstücke oder Waffenspitzen waren aus Elfenbein, sondern offenbar auch das Werkzeug, um diese Dinge herzustellen.

"Mit diesem Fund wird die allgegenwärtige Bearbeitung von Elfenbein immer deutlicher", erklärt Conard. Bisher haben die Archäologen Endprodukte aus Elfenbein gefunden, Schmuckstücke oder Figuren. "Jetzt finden wir das Werkzeug und Hinweise, dass der Hohle Fels zum Beispiel eine ganze Elfenbein-Werkstatt war."

Die Welterbe-Höhle Hole Fels in Schelklingen: Archäologen der Universität Tübingen forschen hier seit Jahrzehnten (Archivbild).
Die Welterbe-Höhle Hole Fels in Schelklingen: Archäologen der Universität Tübingen forschen hier seit Jahrzehnten (Archivbild).

Die Archäologen der Universität Tübingen sprechen deshalb bereits von einem Elfenbein-Zeitalter für die Periode von vor 43.000 bis 35.000 Jahren. Mammutstoßzähne habe es damals reichlich gegeben. "Damals herrschte auf der Alb und im Donautal eine offene Graslandschaft, eine Mammut-Steppe", sagt Nicholas Conard. "Elfenbein lag herum. Es war kein Problem, an das Material heranzukommen." Außerdem wurde die Mammuts, vor allem die kleineren, von Menschen auch gejagt und erlegt.

Elfenbein allgegenwärtig und vielfältiges Arbeitsmaterial

"Die Menschen kannten das Material sehr gut und wussten perfekt damit umzugehen", fügt Sibylle Wolf hinzu. Die Wissenschaftlerin gilt an der Uni Tübingen als Elfenbein-Spezialistin. Es gehörte zum Alltag, etwas aus Elfenbein zu fertigen. Der jetzt gefundene Meißel sei mit hohem Aufwand angefertigt und poliert worden. Er weise auch erhebliche Abnutzungserscheinungen auf. "Oben hat man sicherlich mit brutaler Kraft mit einem Stein auf den Meißel gehauen, vermutlich um größere Elfenbeinteile oder den Stoßzahn zu spalten", meint Wolf.

Die Menschen kannten das Material sehr gut und wussten perfekt damit umzugehen.

Das große Fundstück gebe nun neue Einblicke in die damalige "Elfenbeinindustrie". Wie gut die Höhlenbewohner damals die Bearbeitung von Elfenbein beherrschten, beeindruckt die Archäologin. "Das macht mich fast sprachlos, wenn man an die ganze Planungstiefe denkt, an das Spalten und Herauslösen von großen Spänen zur Weiterverarbeitung. Das rückt die Fähigkeiten unserer Vorfahren in ein neues Licht", so Sibylle Wolf.

Erst Lanze, dann Meißel?

Die Tübinger Archäologen vermuten, dass der Meißel aus dem Hohle Fels zuvor etwas anderes war. Denn er ist sehr aufwändig geformt und poliert worden. "Vielleicht war es die Spitze eine Lanze", meint Nicholas Conard, "aber wir wissen es nicht genau". Das Teil müsse jedenfalls später zu einem Meißel umfunktioniert worden sein. Der "Fund des Jahres" ist ab jetzt im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt.

Blaubeuren

Archäologen aus Tübingen präsentieren Figur "Fund des Jahres" aus dem Hohle Fels: Es ist ein Otter!

Archäologen aus Tübingen haben im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren den "Fund des Jahres" aus dem Hohle Fels bei Schelklingen präsentiert: Es ist ein Otter aus Mammutelfenbein.

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