Stimmungsbild der Wirtschaft in Ostwürttemberg und Bayerisch Schwaben

Wanzl, Varta, Voith - Der Herbst der Stellenstreichungen

Beim Einkaufswagenhersteller Wanzl sind 900 Stellen in Gefahr, Varta streicht 150 Arbeitsplätze. Auch der Technologiekonzern Voith hat einen massiven Stellenabbau angekündigt.

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In diesem Herbst häufen sich die Meldungen über Stellenstreichungen und Arbeitsplätze, die in Gefahr sind. Voith baut weltweit Stellen im vierstelligen Bereich ab, auch der Hauptstandort Heidenheim ist betroffen. Nun wird auch der Batteriehersteller Varta 150 Stellen streichen und der weltweit agierende Einkaufswagenproduzent Wanzl will zwei Werke schließen.

Drei Jahre ohne Wirtschaftswachstum kann ein Industriestandort nicht überstehen, ohne dass es zu drastischen Einschnitten am Arbeitsmarkt kommt.

900 Stellen bei Wanzl in Gefahr

Es sind schlechte Nachrichten, die die Beschäftigten des international aufgestellten Einkaufswagen-Herstellers Wanzl am Dienstag so kurz vor Weihnachten bei einer Info-Veranstaltung des Unternehmens erfahren haben. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Leipheim im Kreis Günzburg will bis 2030 zwei seiner vier Werke schließen.

Wanzl will zwei von vier Werken schließen. Von der "strategischen Neuaufstellung" sind 900 Stellen betroffen.
Wanzl will zwei von vier Werken schließen. Von der "strategischen Neuaufstellung" sind 900 Stellen betroffen. picture alliance / Peřina Luděk/CTK/dpa | Peřina Luděk

Die Maßnahmen wirken sich voraussichtlich auf 900 Stellen aus: "Dazu können Arbeitsplatzverlagerungen zwischen den Werken, Stellenabbau sowie neue Aufgaben und Rollen für Mitarbeitende gehören", heißt es in einer Mitteilung von Wanzl. Wie viele Stellen abgebaut werden, sei abhängig von der Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern sowie der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung von Wanzl bis 2030.

IHK Schwaben bestätigt Konjunkturkrise

Die Entwicklung bei Wanzl in Leipheim ist kein Einzelfall: Die zuständige IHK Schwaben spricht von ungelösten Strukturproblemen. "Drei Jahre ohne Wirtschaftswachstum kann ein Industriestandort nicht überstehen, ohne dass es zu drastischen Einschnitten am Arbeitsmarkt kommt", sagt Matthias Köppel, Bereichsleiter Standortpolitik bei der IHK Schwaben mit Sitz in Augsburg.

Man erkennt das in den Grafiken des aktuellen Konjunkturberichts aus Augsburg: Sämtliche Kurven zeigen nach unten, liegen unter den sogenannten Benchmarks, also den wirtschaftlichen Vergleichswerten - dazu gehören insbesondere die Einschätzungen zur Geschäftslage, ebenso die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen.

Varta will mindestens 150 Stellen in Nördlingen abbauen

"Deutlich geringere Absatzmengen": Varta will in Nördlingen "mindestens 150 Stellen" streichen.
"Deutlich geringere Absatzmengen": Varta will in Nördlingen "mindestens 150 Stellen" streichen. Picture Alliance

Auch der Batteriehersteller Varta hat kurz vor Weihnachten einen Stellenabbau in Nördlingen angekündigt. Betroffen seien Mitarbeiter in der Verwaltung sowie in der Produktion der Varta-Tochtergesellschaft Micro Production in Nördlingen. Grund seien sinkende Umsätze, wie ein Varta-Sprecher bestätigte.

"Trotz intensiver Gegenmaßnahmen konnte diese Entwicklung nicht ausgeglichen werden", heißt es in einer Stellungnahme. Geplant sei eine Reduzierung um mindestens 150 Mitarbeiter, abhängig von der Umsetzung freiwilliger Arbeitszeitverkürzungen auf 35 Stunden.

IHK Ostwürttemberg: Jedes dritte Unternehmen spricht von schlechter Lage

Auf württemberger Seite scheint das Konjunkturklima insgesamt nicht ganz so pessimistisch. In der Industrie aber bezeichnet jedes dritte Unternehmen seine Lage als "schlecht", heißt es im Konjunkturbericht der IHK Ostwürttemberg. "Die angespannte wirtschaftliche Situation treibt die allermeisten Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Ostwürttemberg um", sagt der Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler.

Jahr der Stellenstreichungen - Voith kündigt weltweiten Arbeitsplatzabbau an

Die Liste der Mitteilungen aus der Wirtschaft im Raum Donau-Iller, Ostwürttemberg und Bayerisch Schwaben ist lang. Um nur einige zu nennen: Von den aktuell knapp 3.500 Stellen bei Bosch in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) sollen nur noch 1.700 erhalten werden. Die Maschinenfabrik Vollmer in Biberach will rund 70 ihrer insgesamt 580 Stellen streichen. Das Pharma-Unternehmen Teva mit Sitz in Ulm hat 40 bis 50 Stellen gestrichen, weitere sollen folgen.

Bis zu 2.500 Stellen will der Maschinen- und Anlagenbauer Voith mit Sitz in Heidenheim in den kommenden zwei Jahren weltweit abbauen. Der Stellenabbau soll über zwei Jahre gehen, aber vor allem über Altersteilzeit und den üblichen Weggang erreicht werden. Ob es Entlassungen geben wird, ist noch unklar. Die Gespräche mit dem Betriebsrat sollen ab Januar geführt werden.

Schwäbisch Gmünd

Stimmung bei Bosch-Familie in Schwäbisch-Gmünd im Keller "Ich kämpfe ums nackte Überleben": Bosch-Mitarbeiter zu Stellenabbau

Stehe ich bald ohne Job da? Diese Frage stellt sich Leon Zeller, Azubi bei Bosch in Schwäbisch Gmünd. Seine Familie und er bangen um ihre Zukunft. Die Stimmung ist am Tiefpunkt.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Heidenheim

Konzernchef zweifelt an Wettbewerbsfähigkeit deutscher Standorte Maschinenbauer Voith aus Heidenheim will 2.500 Stellen streichen - auch Stammsitz betroffen

Rund 2.500 Menschen könnten bei Voith ihren Job verlieren - das entspricht gut einem Zehntel der Belegschaft weltweit. Betroffen ist auch der Stammsitz in Heidenheim.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Biberach

Geringe Nachfrage und erschwerte Bedingungen im Weltmarkt Maschinenfabrik Vollmer in Biberach will Stellen abbauen

Die Maschinenfabrik Vollmer in Biberach will knapp 15 Prozent der 580 Stellen am Stammsitz abbauen. Das teilt der Hersteller für Maschinen zur Holz- und Metallverarbeitung mit. 

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christine Janke
SWR Aktuell Autorin Christine Janke
Torsten Blümke
Torsten Blümke
Onlinefassung
Rainer Schlenz
Rainer Schlenz

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