Die Mehrheit der baden-württembergischen Spitzenpolitikerinnen und -politiker fährt reine E-Autos. Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der sogenannte Dienstwagen-Check. Insgesamt neun der 14 bewerteten Dienstwagen sind laut Check reine E-Autos. Damit landet Baden-Württemberg im Vergleich mit anderen Landesregierungen auf Platz drei. Auf Platz eins steht Berlin, auf Platz zwei Hamburg.
- Wer fährt das klimafreundlichste Auto in der Landesregierung?
- Wieso gibt es eine rote Karte für BW?
- Wie funktioniert der Dienstwagen-Check?
- Wie sieht es auf Bundesebene aus?
Landesregierung BW: Wer fährt das klimafreundlichste Auto?
Am klimafreundlichsten ist das Auto von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Das Fahrzeug des Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann liegt im oberen Mittelfeld und das der grünen Umweltministerin Thekla Walker nur knapp dahinter.
Kretschmann ist übrigens im bundesweiten Vergleich der einzige Ministerpräsident, der ein reines Elektro-Auto fährt. Damit führt er die Liste der Landeschefinnen und -chefs in Sachen klimafreundlicher Dienstwagen vor Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (beide SPD) an.
Trotz neun E-Autos: Rote Karte für BW
Insgesamt hat die Umweltorganisation DUH dem Fuhrpark der 14 Landesministerinnen und -minister mit dem Ministerpräsidenten aber trotzdem eine rote Karte gegeben. Denn es gibt Dienstwagen, die die Bilanz der Gesamtflotte deutlich verschlechtern: CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk fährt als einziger aus der Landesregierung ein mit Diesel betriebenes Fahrzeug. Die DUH weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass Diesel-Pkw nicht nur klimaschädlich, sondern auch gesundheitsschädlich seien. Schlusslicht in Baden-Württemberg ist der Benziner von CDU-Innenminister Thomas Strobl. Sein Fahrzeug ist laut der DUH-Liste ein mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgestatteter und dadurch schwererer Audi A8 L.
Wie die baden-württembergische Landesregierung beim letzten DUH-Dienstwagen-Check abgeschnitten hat, lesen Sie hier:
Wie klimaschädlich fahren Politiker? Umwelthilfe-Dienstwagencheck: Strobl fährt den schmutzigsten, Kretschmann setzt auf Elektro
Regelmäßig listet die Deutsche Umwelthilfe auf, wie viel CO2 Politiker-Dienstwagen ausstoßen. Baden-Württemberg schneidet dabei gut ab. Doch die Auswertung hat Schwachpunkte.
Übrigens: Kein Bundesland wurde von der DUH mit einer grünen Karte bewertet. Lediglich Berlin und Hamburg haben eine gelbe Karte bekommen.
BW-Innenministerium: Minister muss besonders geschütztes Fahrzeug fahren
In seiner Funktion als Innenminister müsse Minister Thomas Strobl ein geschütztes Fahrzeug fahren, sagte ein Sprecher des BW-Innenministeriums auf SWR-Anfrage. Wegen seines deutlich höheren Gewichts habe der Wagen zwangsläufig einen höheren Treibstoffverbrauch. "Sollten in Zukunft Fahrzeuge mit alternativen Antriebssystemen angeboten werden, die den besonderen Anforderungen ebenfalls gerecht werden, die an solche sondergeschützten Einsatzfahrzeuge in Anbetracht ihres konkreten Verwendungszwecks zu stellen sind, werden wir diese Angebote natürlich als Alternative in Betracht ziehen."
Zudem sei "überhaupt nicht nachvollziehbar", warum in der Studie mit zweierlei Maß gemessen werde. Auf Bundesebene würden die Politiker und ihre Fahrzeuge ausgenommen, die besonders geschützt sind, auf Landesebene nicht, so der Sprecher weiter. "Damit vergleicht man Äpfel und Birnen."
Dienstwagen-Check: Wie geht die Deutsche Umwelthilfe vor?
Schon zum 19. Mal hat die Deutsche Umwelthilfe die Dienstwagen der deutschen Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene untersucht und dafür Daten zum Spritverbrauch und zum CO2-Ausstoß der Dienstwagen erhoben. Insgesamt hat die DUH den C02-Ausstoß pro Kilometer von 238 Fahrzeuge berechnet. Auf EU-Ebene gibt es einen Flottengrenzwert für die Autohersteller. Ein neu hergestelltes Auto sollte demnach im Durchschnitt nicht mehr als 93 Gramm CO2 pro Kilometer verursachen.
Liegt der errechnete Wert des Dienstwagens darunter, vergibt die DUH eine grüne Karte, wenn er darüber liegt eine gelbe. Bei Werten, die deutlich über dem Flottengrenzwert liegen, zückt der Umweltverband die rote Karte. Reine Elektroautos werden deutlich klimafreundlicher bewertet als Verbrenner-Autos und auch als Plug-In-Hybridmodelle.
DUH geht immer von Nutzung des Verbrennermodus aus
Und die Idee hinter dem Ganzen? Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, räumt im Gespräch mit der ARD zwar ein, dass die Auswirkungen auf die Gesamtemissionen gering seien, selbst wenn der gesamte Fuhrpark der Politik klimafreundlich wäre. Politikerinnen und Politiker hätten aber eine Vorbildfunktion. "Und aus dieser Dienstwagenabfrage lässt sich ablesen: Hat Politik verstanden, worum es geht, nämlich, dass wir emissionsfreie Fahrzeuge brauchen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen?", so Metz.
Die Zahlen der Umwelthilfe sind allerdings nur bedingt mit anderen Statistiken vergleichbar. Die DUH geht für ihre Rangliste beispielsweise davon aus, dass Plug-In-Hybride nur im Verbrennermodus genutzt werden. Laut Studien trifft das zwar oft zu - ob die Spitzenpolitiker und ihr Fuhrparkmanagement aber auch tatsächlich so vorgehen, ist offen. Zudem ist für jeden Spitzenpolitiker nur ein Fahrzeug aufgelistet, vielen stehen aber mehrere Autos zur Verfügung.
Klimafreundliche Dienstwagen auf Bundesebene
Baden-Württemberg erhält also die rote Karte - wie sieht es auf Bundesebene aus? Bei der letzten Befragung der DUH waren 50 Prozent der Dienstwagen voll elektrisch. Mit jetzt 57 Prozent ist der Anteil etwas angestiegen. Für Metz ist das aber noch nicht genug: "Dieser Umstieg geht viel zu langsam. Eigentlich wäre doch jetzt die Zeit gekommen, dass man sagt, wir haben jetzt eine Dienstwagenumfrage, da sind nur noch Elektrofahrzeuge drin und wir gucken uns mal an, was sind denn eigentlich die effizientesten Elektrofahrzeuge. Aber nein, wir gucken eben immer noch auf ganz viele Verbrenner und Plug-in Hybrids."