Wenn Urlaub zum Luxus wird

Jeder Fünfte kann sich keinen Urlaub leisten - eine Betroffene aus BW erzählt

Für ein Fünftel der Deutschen sind Urlaubsreisen nach eigener Aussage nicht erschwinglich. Vor allem Alleinerziehenden geht es so. Wir haben mit einer Betroffenen gesprochen.

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Von Autor/in Susanne Babila

Sommerzeit ist Ferienzeit - und für viele Familien in Baden-Württemberg geht es bald ab in den Urlaub. Aber vor allem alleinerziehende Väter oder Mütter müssen sparen und können sich einen gemeinsamen Urlaub nicht leisten.

Keine Urlaubsreise für Alleinerziehende

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes konnten sich 38 Prozent der Alleinerziehenden für sich und ihre Kinder im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben keine einwöchige Urlaubsreise leisten.

Eine von ihnen ist Maria. Wir nennen sie so, weil sie anonym bleiben möchte. Maria hat sich vor einigen Jahren von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt. Sie hat vier Kinder und arbeitet im Einzelhandel als Teilzeit-Verkäuferin.

Sie verdiene monatlich zwischen 900 und 1.200 Euro, erzählt sie. Ihr Verdienst hängt davon ab, ob sie an einem Werktag oder an Sonntagen eingeteilt wird. Der Schichtdienst, mal am Vormittag, mal am Nachmittag, ist für die 43-Jährige eine große Belastung, denn zwei ihrer Kinder gehen noch in die Grundschule. Dazu kommen die Streitigkeiten mit ihrem Ehemann, der keine Unterhaltszahlungen leistet.

Beratung für Alleinerziehende im Familienzentrum

Rat und Unterstützung findet sie bei Margret Mack. Die Sozialpädagogin arbeitet im Familienzentrum in Weinstadt-Endersbach (Rems-Murr-Kreis) und kennt Maria schon seit vielen Jahren. Sie betreut mit ihrem Team im Jahr etwa 600 Familien, Senioren und Kinder.

Eine Frau stellt ein Buch ins Regal.
Sozialpädagogin Margret Mack betreut auch die alleinerziehende Maria. Familienzentrum Weinstadt

Scheidung und Schulden statt Reisen und Urlaub

Viele kämpfen mit den steigenden Lebenshaltungskosten, dazu kommen Probleme wie Scheidung, Krankheit oder Alter. In ihrer Familiensprechstunde sind Wohnungssuche, Schulden, Gewalt und Hilflosigkeit in der Erziehung nur einige Themen, die Margret Mack mit ihren Klienten bespricht.

Die Nebenkosten, der Stromverbrauch - das treibt viele in den Ruin. Da geht es nicht um den Urlaub, für den das Geld nicht reicht, sondern um Alltagsdinge, zum Beispiel, wenn die Waschmaschine kaputtgeht.

Den Alltag mit wenig Geld zu organisieren - das sei eine große Herausforderung, so die Sozialpädagogin. Auch für Maria, denn sie zahlt allein für Wohnen, Strom, Heizung und Telefon rund 1.000 Euro im Monat. Dazu kommen 300 Euro für Nachmittagsbetreuung, Kleidung, Hygieneartikel, Abos für öffentliche Verkehrsmittel und Essen für die fünfköpfige Familie.

Sparen wegen gestiegener Lebenshaltungskosten

Maria lebt sehr sparsam, kauft in Second-Hand-Shops und Kleiderbasaren und sie geht zu sogenannten Fairteilern, also öffentlich zugänglichen Kühlschränken oder Regalen, an denen Lebensmittel kostenlos vergeben werden. Ab 18 Uhr gebe es dort frische Produkte wie Salate, Gurken und Tomaten, aber auch Brot, Joghurt und Milch, erzählt Maria und lächelt.

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Viel könne sie nicht mitnehmen, denn sie habe kein Auto und fahre deshalb mit dem Bus oder gehe zu Fuß. Im Restaurant sei sie mit ihren Kindern schon seit Jahren nicht mehr gewesen und Essen bestelle sie nie. Für sie sei das kein Verzicht, aber ihr neunjähriger Sohn frage sie manchmal, warum sie nie wie andere Eltern Pizza bestellten und ob sie arm seien.  

Ich sage, warum sollen wir bestellen, wir kochen doch jeden Tag. Mach dir keine Sorgen. Wir sind nicht arm.

Maria geht mit ihren Kindern häufig ins Familienzentrum. Im Eingangsbereich stehen Kleiderständer mit Blusen, Hosen oder T-Shirts, die abgegeben wurden und kostenlos mitgenommen werden können. Im Lesezimmer finden ihr kleiner Sohn und ihre jüngste Tochter eine große Auswahl an Büchern und Spielen.

In einem größeren Raum treffen sich Selbsthilfegruppen, junge Familien mit ihren Babies oder Schwangere.

Familienzentrum der Evangelischen Gesellschaft bietet Rat und Hilfe

Maria möchte ihren Kindern ein Vorbild sein und ihnen vermitteln, dass es nicht nur aufs Geld ankommt und man auch mit wenig auskommen, sogar ein gutes Leben führen kann, so Margret Mack. "Ihre Kinder machen ihren Weg. Der große Sohn studiert. Bildung ist Maria für ihre Kinder sehr wichtig, aber ihre eigenen Bedürfnisse stellt sie immer hintenan", ergänzt die Sozialarbeiterin.

Der Traum vom gemeinsamen Urlaub

Doch "ein gemeinsamer Urlaub mit meinen Kindern, das ist mein großer Traum", sagt Maria, "nicht weit weg und nur für ein paar Tage, das wäre schön". Zum Beispiel an den Bodensee, damit auch ihre Kinder in der Schule erzählen können, dass sie im Urlaub gewesen seien, sagt sie.

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